Besuch im kleinen Kunstmuseum Mülheim Alte Post
Maria Renee Morales Garcia mit dekolonialem und queer‑feministischem Blick
- Auch "Blau" das Werk des Mülheimer Künstlers Manfred Dahmen "Blau, blau blüht der Enzian"
- Foto: Mülheimer Kunstverein KKRR, Ruhrstr. 3, Mülheim
- hochgeladen von Villa Artis
Erfahrungsbericht von Susanne Kleuter:
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Mein Besuch im kleinen Kunstmuseum im historischen Postgebäude der Stadt Mülheim
„Wenn Blau vorbeikommt, bleibt es da.“
Als ich gestern das kleine Kunstmuseum im alten Postgebäude betrat, roch es nicht nach Holz, Papier und Geschichte. Die hohen Decken, die modernen Brandschutztüren und abgehängte Decken haben den historischen Ort im Inneren grundlegend verwandelt.
Einst riesige Postschalterhallen und mehrere Räume, die vormals als Büro oder Wohnung dienten bilden einen spannenden Rahmen für Kunstwerke - hier öffnete sich ein heller Raum, in dem die aktuelle Stipendiatin der Stadt Mülheim ausstellt: Maria Renee Morales Garcia, geboren 1997 in Guatemala, seit 2024 im Atelier von Schloss Styrum beheimatet.
Ich war überrascht, wie unmittelbar ihre Arbeiten wirken. Keine dekorative Kunst, kein gefälliges Arrangement – sondern Installationen, die den Raum regelrecht umformen. Morales Garcia untersucht, wie Identität entsteht, sich verschiebt und mit gesellschaftlichen Erwartungen kollidiert. Materialien liegen nicht einfach da, sie sprechen. Sie bilden Situationen, in denen persönliche und politische Ebenen ineinander greifen.
Ihr dekolonialer und queer‑feministischer Blick ist kein Etikett, sondern ein Arbeitsprinzip: Sie zeigt, wie Machtstrukturen in Alltagsformen eingeschrieben sind – und wie man sie künstlerisch aufbrechen kann. Manche Objekte wirken wie Fundstücke aus einem Leben, das gleichzeitig privat und politisch ist. Andere sind bewusst irritierend, fast wie Stolpersteine im Raum.
Ich ertappte mich dabei, wie ich stehen blieb, zurücktrat, wieder näher heranging.
Was davon ist meine eigene Geschichte? Welche Perspektiven habe ich übernommen, ohne es zu merken? Und was passiert, wenn ich sie neu ordne?
Genau das fordert ihre Kunst: Position beziehen, sich selbst befragen, nicht einfach durch den Raum laufen, sondern Teil davon werden - auch wenn der englische Ausstellungtitel mich eigentlich zunächst wenig ansprach: WHEN BLUE COMES AROUND IT STAYS AROUND = „Wenn Blau vorbeikommt, bleibt es da.“
Als ich das Museum verließ, wirkte das Postgebäude plötzlich anders – nicht mehr nur historisch - aussehend wie ein gemütliches Brauhaus, sondern wie ein Ort, der mich selbst in Bewegung gesetzt hat. Die 8 EURO Eintritt und 6 EURO Parkgebühren haben sich gelohnt.
Bürgerreporter:in:Villa Artis |
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