Kunstakteure in der Ruhrtalstadt Mülheim
Malte Gemlau – Die textile Klammer und das fragile Zweifeln
- Aus 1000senden Metern Seite gereepert ist das Kunstwerk von Malte Gemlau in der Kunstausstellung "ELEFANT IM PORZELLANLADEN!?" in der Ruhr Gallery / Villa Artis in der Ruhrtalsstadt Mülheim in Nordrhein-Westfalen.
- Foto: Kunstförderverein KKRR, Ruhrstr. 3 - 45468 Mülheim an der Ruhr
- hochgeladen von Alexander Franz
Kunstakteure in der Ruhrtalstadt Mülheim Malte Gemlau – Die textile Klammer und das fragile Zweifeln
Der junge Mülheimer Künstler Malte Gemlau setzt in der aktuellen Ausstellung „ELEFANT im Porzellanladen!?“ in der Villa Artis einen markanten Akzent. Seine Arbeiten, die sich zwischen Textilkunst, Objektstudie und atmosphärischer Verdichtung bewegen, zeigen eine Haltung, die in der Ruhrtalstadt selten so klar formuliert wurde: Zweifel als ästhetische Methode, Fragilität als Kraft, Textur als Argument.
Die textile Klammer: Wenn Fäden zu Haltung werden
Gemlau nähert sich dem Material nicht dekorativ, sondern existenziell. Seine feinsten Fäden – oft kaum dicker als ein Atemzug – reepern sich um grobe, widerständige Träger, die an industrielle Reststoffe, an Fundstücke oder an rohe, ungezähmte Materie erinnern.
Dieses „Reepern“ ist mehr als Technik: Es ist ein Akt des Zähmens. Der grobe Koloss, das Ungeordnete, das Aggressive wird durch die Präzision des Fadens gebändigt. Die textile Klammer hält zusammen, was auseinanderdriften könnte. Sie schafft ein Form-Schnittfeld aus Aggression und Harmonie, aus Druck und Entlastung, aus Last und Leichtigkeit.
Fragiles Zweifeln als ästhetische Signatur
Gemlau arbeitet nicht mit der Geste, sondern mit dem Zweifel. Seine Werke wirken, als würden sie sich selbst befragen: Wie viel Spannung hält ein Faden aus? Wann kippt Harmonie in Bruch? Wann wird Ordnung zur Überforderung?
Dieses fragile Zweifeln ist sichtbar in den tuenden Metern Seitenfäden, die sich wie ein vibrierendes Echo über die Oberfläche legen. Sie sind nicht nur ornamentale Linien, sondern Spuren eines Denkprozesses – ein textilem Tagebuch gleich.
Ein Werk, das an Gerhard Richter erinnert – ohne ihn zu imitieren
Die horizontale Verdichtung, die farblichen Schichtungen, das rhythmische Nebeneinander erinnern an die berühmten Richter’schen Farbstreifen. Doch Gemlau verschiebt den Fokus: Richter arbeitet mit Farbe als Fläche – Gemlau mit Faden als Körper.
Die Nähe entsteht durch die seriellen Farbfelder, die sich wie geschnittene Zeitabschnitte aneinanderreihen. Doch die Materialität ist eine andere: Wo Richter glatte Präzision sucht, zeigt Gemlau die körperliche Arbeit des Bindens, Reeperns, Fixierens. Seine Streifen sind nicht gedruckt, sondern erkämpft.
Kontext der Ausstellung: „ELEFANT im Porzellanladen!?“
In der aktuellen Schau in der Villa Artis wirkt Gemlaus Werk wie ein leiser, aber bestimmter Kommentar zum Ausstellungstitel.
Der „Elefant“ – das Grobe, das Unkontrollierte – ist im Material selbst angelegt. Die „Porzellanladen“-Fragilität entsteht durch die Fäden, die das Werk zusammenhalten.
Gemlau zeigt damit, dass Bruch und Bindung keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten derselben künstlerischen Haltung.
Bedeutung für die Mülheimer Kunstszene
Gemlau gehört zu jener neuen Generation von Kunstakteuren, die die Ruhrtalstadt Mülheim mit frischen Impulsen prägen. Seine textile Arbeiten verbinden handwerkliche Präzision mit konzeptueller Tiefe – ein Ansatz, der die lokale Szene bereichert und zugleich überregional anschlussfähig ist.
Sein Werk in der Ausstellung ist ein Beispiel dafür, wie junge Künstler in Mülheim die Grenzen zwischen Material, Bedeutung und Atmosphäre neu definieren.
Gemlau ist zum erstenmal dabei bei der stadtweiten Kunstaktion „KUNSTBLICKE“, unter der Schirmfrauschaft von Dr. Daniela Grobe (SA+SO 11./12. Juli 2026 von 14-19 Uhr Ruhrstr. 3 / Ecke Delle).
Bürgerreporter:in:Alexander Franz |
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