Neue Ausstellung im Kunstmuseum in Mülheim
„Geständnisse eines missverstandenen Metalldiebs“
- Der Bogenschütze von Hermann Lickfekd wurde einst im Mülheimer Innenstadtpark "Ruhranlage" entwendet. Die zerlegten Körperteile wurden restauriert. (Auf dem Foto stand er noch im Mülheimer Dichterviertel und hatte seinen Bogen noch...)
- Foto: Archiv Mülheimer Kunstverein
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„Geständnisse eines missverstandenen Metalldiebs“
Eine Satire aus der Ich-Perspektive von Andreas Ingramm
Ich sag’s euch gleich: Ich bin heute mal Metalldieb.
Nicht Kunstkritiker.
Nicht Ritualzerstörer.
Nicht Symbolpolitiker.
Ich bin der Typ, der nachts mit der Flex kommt und hofft, dass keiner die Polizei ruft.
Und plötzlich – ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte –
bin ich Teil einer antiken Tragödie.
Kapitel 1: Die Flora und ich – eine toxische Beziehung
Da stand sie.
Die Flora - Skulptur von Richard Langner
Schön, ja.
Aber vor allem: Bronze.
Ich dachte:
„Oh, guck mal, 3,50 Euro pro Kilo.“
Und jetzt lese ich im Ausstellungstext, ich hätte:
„Weiblichkeit als Projektionsfläche entstellt“
„symbolische Demontage weiblicher Körper betrieben“
„Misogynie materialisiert“
Leute.
Ich wollte nur Metall.
Ich hab nicht mal erkannt, dass es eine Frau ist.
Ich erkenne nachts gar nichts.
Ich arbeite mit Stirnlampe aus dem Baumarkt.
Kapitel 2: Der Bogenschütze – männlich, aber trotzdem im Weg
Und dann der Bogenschütze (Skulptur von Hermann Lickfeld) in Mülheim.
Auch Bronze.
Auch schwer.
Auch potenziell lukrativ.
Aber nein – jetzt heißt es:
„Der wurde sicher nicht von einer Frau geschändet.“
Ja, danke.
Ich fühle mich geehrt.
Aber „schänden“ klingt so…
künstlerisch.
Ich hab ihn nicht „geschändet“.
Ich hab ihn umgelegt, weil er im Weg stand, als ich das Fundament aufhebeln wollte.
Und dass er im See gelandet ist?
Das war keine symbolische Versenkung männlicher Autorität.
Das war Schwerkraft.
Kapitel 3: Die Kunstwelt erklärt mir meine Motive
Ich lese also diesen Ausstellungstext.
Und plötzlich erfahre ich Dinge über mich, die ich nie wusste:
Ich reproduziere patriarchale Bildordnungen
Ich greife Allegorien an
Ich bin Teil einer jahrtausendealten Tradition der Frauenfeindlichkeit
Ich bin ein „gesellschaftlicher Sprengsatz“
Ich dachte immer, ich bin ein Typ mit Flex und schlechtem Rücken.
Aber gut, wenn das Kunstmuseum sagt, ich sei ein Symbol –
dann bin ich wohl ein Symbol.
Kapitel 4: Die Künstlerin gießt mich in Gips
Und dann kommt Rebekka Benzenberg.
Sie macht aus der Flora von Richard Langner eine neue Skulptur.
Nennt sie „Dream Baby Dream“.
Und ich denke:
„Wow. Ich zerstöre was – und sie macht Kunst draus.
Wir sind wie Yin und Yang.
Nur dass sie Fördergelder bekommt und ich Bewährungsauflagen.“
Kapitel 5: Meine Verunsicherung
Ich wollte nie Teil einer Tragödie sein.
Ich wollte nie Frauenfiguren entmachten.
Ich wollte nie männliche Helden versenken.
Ich wollte nur Metall.
Aber wenn die Kunstwelt mich schon zum Mythos macht,
dann sage ich:
Bitte wenigstens in Bronze.
Bürgerreporter:in:Villa Artis |
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