Einbürgerungen in Krefeld

Am extra eingerichteten Selfie-Point im Thekenbereich des Stadtwaldhauses hat sich eine lange Schlange gebildet. „Eingebürgert in Krefeld“ steht da in goldener Schrift auf schwarzem Grund, daneben das Stadtwappen und die Silhouetten der bekanntesten Gebäude der Seidenstadt. Beim Einbürgerungsempfang, zu dem die Stadt am Mittwochabend in feierlichem Rahmen eingeladen hat, sind es hunderte deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die sich von ihren Lieben dort ablichten lassen. Sie sind sichtlich stolz, dass sie alle Hürden genommen haben und nun nach Jahren oder Jahrzehnten Deutsche sind. Viele von ihnen halten die schwarz-rot-goldene Fahne hoch, die sie beim Einlass erhalten haben.

Zahl der Einbürgerungen hat sich verdreifacht

2675 Einbürgerungen gab es in Krefeld zwischen Januar 2024 und Juni 2026. „Das ist eine beeindruckende Zahl“, sagt Oberbürgermeister Frank Meyer in seiner Ansprache. „Mehr als ein Prozent unserer Stadtbevölkerung hat in diesen zweieinhalb Jahren die Entscheidung getroffen, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.“ Bundesweit hat sich die Zahl der Einbürgerungen seit 2022 verdoppelt, seit 2016 fast verdreifacht. Das hat mit vor allem mit der neuen Rechtslage zu tun, die es Menschen ermöglicht, trotz Einbürgerung ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft zu behalten.

Eine Einbürgerung ist dennoch kein Selbstläufer. Man muss dafür ausreichende Deutschkenntnisse nachweisen, einen Test mit Fragen zu Demokratie und Gemeinwesen bestehen und belegen, dass man den Lebensunterhalt für sich und seine Familie selbst bestreiten kann. Am Beispiel syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge, die 2015 ins Land kamen und nun Deutsche werden, verdeutlichte Frank Meyer diesen Weg: „Man stelle sich das vor: das Trauma des Krieges, die Strapazen der Flucht, das fremde Land mit der fremden Sprache und Kultur, der komplette Neuanfang hinsichtlich Arbeit und Lebensumfeld, das stückweise Ankommen und die Entscheidung, allen Widrigkeiten zum Trotz hierzubleiben. Ich finde, diese wenigen Jahre sind nicht lang für den Prozess, ein neues Leben zu beginnen und ein neues Zuhause zu finden: Ich ziehe den Hut vor allen, die diesen Weg so konsequent gehen – bis zum vorerst letzten Schritt, der Einbürgerung.“

Krefeld ist eine weltoffene Stadt, aus der Stadtgeschichte heraus steht sie für Toleranz und Miteinander. Das wird in Krefeld auch durch zahlreiche Migrations- und Integrationsangebote zum Ausdruck gebracht.

Syrien gehört neben der Türkei, dem Irak, Polen, Afghanistan, dem Iran, Serbien, Russland und der Ukraine zu den Ländern, aus denen die meisten Eingebürgerten stammen. Aus diesem Grund war auch der syrische Generalkonsul Molham Alkhan Gast der Veranstaltung. Hätte man die diplomatischen Vertretungen aller Herkunftsländer einladen wollen, wäre das Stadtwaldhaus, das ohnehin mit rund 400 Gästen voll besetzt war, aus allen Nähten geplatzt. Denn Einbürgerungen gibt es buchstäblich aus aller Herren Länder. So tauchen unter anderem Kirgisistan, Uganda, Venezuela, der Jemen, die Schweiz, Kuba, Finnland, Peru, die Mongolei, Gabun, Norwegen, Georgien, Australien, Eritrea, Madagaskar, Turkmenistan oder Dänemark nur ein- bis zweimal auf der Liste auf. „Jede Einbürgerung – wie auch jede Hochzeit im Standesamt und jede Taufe in der Kirche – ist ein bisschen anders“, erklärte Oberbürgermeister Frank Meyer. „2675 Einbürgerungen – das sind ebenso viele unterschiedliche Geschichten.“

2675 unterschiedliche Geschichten

Moderatorin Anke Marona holt drei dieser Geschichten auf die Bühne. Tülay Yenisu Aydemir, türkische Staatsbürgerin und seit 2019 in Krefeld, berichtet über die Schwierigkeiten, die sie anfangs aufgrund der Corona-Pandemie hatte. „Aber danach hat alles wunderbar geklappt“, sagt sie. „Ich bin inzwischen soweit, dass ich mich selbst ehrenamtlich engagieren möchte. Ich habe so viele Erfahrungen gemacht, die ich weitergeben will. Ich würde gerne andere Menschen in Fragen von Zuwanderung, Schule oder Jobsuche beraten und ihnen helfen anzukommen.“

Elvir Rizvic, der aus Bosnien stammt, während des Jugoslawienkriegs nach Deutschland kam und heute als Verkaufsleiter arbeitet, erzählt, wie schwierig es war, seine Frau im Zuge der Familienzusammenführung aus Bosnien nach Deutschland zu holen. „Ich hatte einen Termin bei der Ausländerbehörde, und zeitgleich saß meine Frau bei der Deutschen Botschaft in Sarajevo. Wir mussten die gleichen Fragen beantworten, um zu beweisen, dass wir keine Scheinehe führen. ‚Wann war Ihr erster Kuss?‘ und solche Sachen. Als Mann weiß man sowas ja nicht immer so genau.“ Inzwischen lebt die Familie mit zwei Kindern gemeinsam in Krefeld. Besonders dankbar ist er seinen Eltern, die „das Fundament für meine Integration gelegt haben“, unter anderem durch die frühe Anmeldung in einem Sportverein. „Da haben sie sich auch selbst sehr engagiert, indem sie uns zu Auswärtsspielen gefahren oder für Feiern Kuchen gebacken haben.“

Randi Rae Köppl wurde in den USA geboren, sie arbeitet als Lehrerin für Deutsch und Gesellschaftskunde. In Krefeld hat es ihr vor allem die Mediothek angetan: „Das Gebäude ist sehr schön und gepflegt“, erzählt sie. „Ich verbringe dort gerne Zeit, weil sehr viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen.“ Schwierigkeiten hatte sie anfangs mit den deutschen Ladenöffnungszeiten: „Für Amerikaner ist es ein Schock, dass man sonntags nicht einkaufen gehen kann.“

„Keine Sorge, ich habe es nicht auf Ihren Job abgesehen“

Mit Claude Lovrinovic wird an diesem Abend ein weiterer Krefelder live im Stadtwaldhaus eingebürgert. Er erhält seine Urkunde vom Oberbürgermeister und freut sich, dass er nun „mitgestalten und selbst am politischen Leben teilnehmen“ kann: „Aber keine Sorge, Herr Meyer, ich habe es nicht auf Ihren Job abgesehen.“ Claude Lovrinovic hat eine ganze besondere Migrationsgeschichte: 1958 in Kroatien geboren, wanderte er mit seinen Eltern nach Australien aus, nahm die australische Staatsbürgerschaft an und verliebte sich bei einer Reise erst in Deutschland, später in eine deutsche Frau. 1983 heirateten die beiden in Darmstadt. Der Ingenieur fand eine Stelle bei Siempelkamp und landete in Krefeld, wo er sich bis heute wohlfühlt.

Frank Meyer bedankt sich auch bei den Mitarbeitenden im Fachbereich Migration und Integration, die 2675-mal den Verwaltungsakt der Einbürgerung vollzogen haben. „Die Kolleginnen und Kollegen, die in diesem Feld arbeiten, begleiten alle Phasen des Ankommens, des Einfindens, des Heimisch-Werdens. Sie haben mitunter schwierige Entscheidungen zu treffen, unangenehme Gespräche zu führen, Kontroversen auszuhalten. Wichtig ist mir, dass all dies im gegenseitigen Respekt geschieht, mit einem Grundverständnis auf beiden Seiten für die Situation, in der sich der jeweils andere befindet. Die Kolleginnen und Kollegen sind in dieser Hinsicht Botschafter der Demokratie: Sie repräsentieren einen Staat, in dem klare Regeln gelten, der aber auch Chancen eröffnet und Teilhabe ermöglicht – unabhängig von Herkunft, Glaube, kulturellem Hintergrund.“

Fahne als Symbol der Zugehörigkeit

Die Geschichten dieses Abends im Stadtwaldhaus stehen symbolisch für gelingende Integration – und das gleiche gilt auch für die schwarz-rot-goldenen Fahnen, die überall im Saal geschwenkt werden. „Für die Fußball-WM können Sie die jetzt leider nicht mehr benutzen“, scherzt Frank Meyer. „Aber ich hoffe, Sie können die Fahne als kleines Zeichen der Zugehörigkeit sehen. Insbesondere, weil andere dieses Zeichen gerne benutzen, um Menschen auszuschließen und sich von vermeintlich ‚Fremden‘ abzugrenzen, möchten wir diese falsche Symbolik heute geraderücken: Sie alle und wir alle sind Deutschland! Sie alle und wir alle sind Krefeld! Das ist heute und in Zukunft ein Grund zur Freude und ein Grund, Ihre Einbürgerung heute noch mal offiziell zu feiern.“

Dieser Text stammt von der Pressestelle der niederrheinischen Stadt Krefeld.

Bürgerreporter:in:

Felicia Rüdig aus Duisburg

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