"Ich bin Feuer und Flamme für mein Hobby", Ü-Eier-Experte und Journalist Stefan Jagusch (39) im Interview
- hochgeladen von Katharina Schönberg
Er wird von seinen Fans liebevoll "Ü-Ei-König, Ü-Ei-Papst und Sammler mit Herz“ genannt. Stefan Jagusch (39) ist Schriftsteller und der Ü-Ei-Experte in Deutschland. Millionen Fans verfolgen seine Videos im Internet, doch der eigentliche Star ist mehr als bodenständig geblieben. Mit "Gedanken der Liebe" und "Liebe, Lügen, Glauben" schaffte es der 39-Jährige sogar bis in die USA. Stefan Jagusch gilt als verschlossen, doch abseits der Medien als Schriftsteller mit Herz.
Sie werden von ihren Fans oft Ü-Ei-König oder Papst genannt. Wie sehen Sie sich selbst?
Wissen Sie, ich finde es natürlich schön, wenn Fans eine eigene Sichtweise haben, und ohne meine Zuschauer wäre ich natürlich nicht dort, wo ich bin, aber ich bin absolut kein König oder Papst für Ü-Eier, ich bin ein Sammler mit Herz.
Sie öffnen jeden Tag ein Überraschungsei auf ihren Kanälen. Wie ist es dazu gekommen?
Im Jahr 2024 feierte das Überraschungsei Jubiläum. Da ich sonst nur am Sonntag einen längeren Film von ca. 30–60 Minuten machte, kam mir die Idee: Wieso kein Weltrekord? Jeden Tag ein Ü-Ei öffnen, ein Jahr lang. Irgendwann war das Jahr um und die Zuschauer hatten sich so daran gewöhnt. Dieses Jahr wird der 1000. Tag in Folge laufen und ich habe gesagt, wir machen Open-End weiter, das heißt, solange es mir Freude macht und den Zuschauern und Fans natürlich auch. Es ist eine Art, mein Hobby, wenn auch nur kurz, jeden Tag auszuleben.
Wenn Sie jeden Tag ein Ü-Ei öffnen, wie viele Figuren haben Sie dann ca. pro Woche im Ei?
Generell zwischen 2 und 3, es kommt immer darauf an, was wir öffnen. Sonderserien wie die Natoons oder aktuell Minecraft, enthalten immer einen Inhalt der aktuellen Serie.
Sie werden von ihren Fans sehr geliebt, doch es gibt auch Debatten um Neid auf ihre Person. Sind sie zwischen geliebt und gehasst?
Ich glaube, diesen Mix hat jeder Mensch. 90 %, würde ich sagen, mögen mich. Sehen Sie, ich stehe für Dinge ein, die unbeliebt sind bei manchen Menschen. Ich bin absolut gegen Fälschungen, dagegen, dass man Figuren vor der Veröffentlichung zeigt oder klaut, gegen Menschen, die rein im Supermarkt fotografieren. Das alles schürt Neid und man kann nicht mit jedem befreundet sein. Ich bleibe meinen Werten treu, ich bin Sammler und kein "Möchtegern" Sammler, ich halte das was ich sage, ich stehe für Ehrlichkeit.
Ü-Ei-Figuren sind ja wieder sehr beliebt. Wie bewahren Sammler diese am besten auf?
Es gibt natürlich zahlreiche Möglichkeiten, von Vitrinen über Setzkästen etc. Ich empfehle immer die 60er Setzkästen Surprise, sie bieten Platz für sechzig Inhalte, das heißt auch Spielzeuge oder die Special Kit Kästen. Diese sind mit einer Samteinlage für die Figuren. Natürlich gibt es noch klassische Wandvitrinen und Standvitrinen.
Inzwischen haben Sie Fans auf der ganzen Welt. Woher stammt das weiteste Ü-Ei, das Sie je geöffnet haben?
Ich würde sagen, aus Indien. Ich hatte mal mehrere Serien aus Indien, das war natürlich sehr spannend, weil die Eier dort nur als Kinder-Joy-Edition in Plastik erhältlich sind, wegen der großen Hitze. Diese werden u. a. auch in Afrika veröffentlicht.
Neben ihren Videos haben sie auch einen Podcast. Wie kam es dazu?
Ich hatte erst nicht an einen Podcast gedacht, aber liebe Freunde brachten mich darauf: Mach doch mal einen Podcast. Nach dem Start bei YouTube fragten Spotify, RTL und Amazon an. Inzwischen laufen die Folgen überall und ich bin glücklich, den ersten Podcast für Ü-Eier-Sammler zu machen. Wir hatten ja auch schon Interviews mit Händlern und Sammlern, das finde ich besonders spannend.
Ihre Fans sagen immer, man merkt ihnen die große Liebe zum Hobby an. Das kann ich in unserem Gespräch nur bestätigen. Woher kommt diese unbändige Liebe?
Sehen Sie, ich habe schon als Kleinkind, das heißt vor 1993, also mit unter 6 Jahren, immer wieder Ü-Eier von meiner Oma und Mutter bekommen. Ich habe quasi das Ü-Ei im Blut, das Hobby hat mich durch schöne und schwere Zeiten gebracht und nach und nach ist dieses Feuer in mir entstanden. Ich stand als Kind vor der Schule und habe Ü-Eier geöffnet und überlegt, was ich nachmittags auf meine Homepage stelle. Ich habe Stunden gescannt und gemacht, ich bin ins Internetcafé gerannt, wo es noch kein Internet zu Hause gab. Ich liebe dieses Hobby, ich bin Feuer und Flamme und das liegt auch an Ferrero, weil es ein Familienbetrieb ist und kein Konzern, der rein aus Aktien besteht. Ferrero hat Herz und Seele, das liebe ich und das motiviert mich, weiterzumachen.
Es gab die letzten zwei Jahre auch schwere Zeiten, gesundheitliche Probleme, hieß es. Wie geht es ihnen heute?
Ich hatte 2025 einen schweren Unfall. Dazu kommt das dauerhafte Mobbing. Wissen Sie, es gibt eines, was ich hasse, das ist einfach Lügen. Eine Seite hat mich gemobbt, daraus sind fiese Attacken von den Mitgliedern dort entstanden. Die Polizei ermittelt auch. Dass man dann sagt, ich mache alles weg, mache es aber heimlich wieder hin, zeigt doch alles. Ich sage es so deutlich: Ich erwarte als Ü-Ei-Sammler etwas anderes. Ich würde niemals auf die Idee kommen, mich Mario-Experte zu nennen oder PlayStation-Held. Es gibt aber Menschen, die sich einfach irgendwann das Ü-Ei gesucht haben, um irgendetwas darzustellen, was man selbst nicht ist. Das ist traurig, aber es ist halt so.
Sie betreiben das einzige und größte Forum für Ü-Eier-Sammler in Europa. Wie kam es dazu?
Unser Forum geht jetzt ins neunte Jahr. Ich glaube, der Unterschied ist einfach, wir haben keine Werbung, bei uns ist es von Sammlern für Sammler. Wir setzen auf Qualität und Herz. Ich ziehe ein Forum immer vor, egal was ich suche im Internet, weil ich von Social Media einfach nur enttäuscht bin. Unser Sammler-Team wuchs dann schnell zum größten Sammlerforum in Deutschland, später in Europa, heute sogar auf der Welt.
Dieses Jahr haben sie viele Content-Inhalte auch in Russland veröffentlicht. Wie kam es dazu?
Russland und Weißrussland bieten einfach mehrere Dinge: Menschen, die offen und nett sind, eine riesige Sammlergemeinde, dann etwas, was ich in Deutschland sehr vermisse, Respekt. Es gibt dort keinen Neid wie auf Facebook, man freut sich, unterstützt sich. Ich habe in kurzer Zeit über eine halbe Million Zuschauer erreicht und die eigenen Seiten wie RuTube oder VK sind dazu ideal gestaltet und können gut genutzt werden. Die Sammlerszene dort ist völlig anders, offen und ehrlich, das gefällt mir.
Was würden sie empfehlen, wenn jemand mit dem Sammeln beginnen will?
Ich denke, zu Beginn ist es wichtig, z. B. einen 60er Kasten zur Aufbewahrung zu kaufen und 3er- oder 4er-Packs. Der Vorteil ist, dass man Figuren garantiert hat und üben kann, das Klappern, also das Ei zwischen Daumen und Zeigefinger lässt sich so gut üben. Im nächsten Schritt würde ich einen Katalog und eine Sammlungsverwaltung in einem, da die GS-Ü-Ei-Verwaltung empfehlen, weil man quasi beides in einem Programm hat.
Sie gestalten für Sammler kostenlos eine Webseite. Wie kam es dazu?
Das Sammler-Team ist ein Projekt, damit Sammler eine Chance haben, Kontakte in ihrer Region zu finden. Daher gestalte ich kostenlos eine professionelle Webseite und übernehme die monatlichen Kosten. Inzwischen haben wir in zahlreichen Bundesländern die Sammler zusammengebracht.
Sie sammeln jetzt seit über 30 Jahren, haben ein Imperium rund ums Ei, von Homepage, Blog, Videos und Podcast, aufgebaut. Was ist Ihr nächstes Ziel und glauben Sie, diese Liebe hält für immer?
Ich glaube es nicht nur, ich bin überzeugt, es gibt schon wieder zahlreiche Projekte, manche, die auch Jahre dauern werden. Ich liebe mein Hobby und das spüre ich jeden Tag und das wird niemals enden, ich bin fest überzeugt davon.
Bürgerreporter:in:Katharina Schönberg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.