Oktagon 88
Hannover feiert seine Kämpfer – ein sportlicher Blick auf OKTAGON 88
- hochgeladen von Yunus Emre Kizilisik
Die ZAG Arena in Hannover bebte am Samstagabend. Mit sechs Athleten aus Hannover auf der Fight Card war OKTAGON 88 nicht nur ein internationales MMA-Event, sondern vor allem ein Heimspiel für die lokale Szene. Am Ende sollte lediglich einer der sechs Hannoveraner den Käfig als Verlierer verlassen – ein Ausrufezeichen für den Kampfsportstandort Niedersachsen. Zwischen spektakulären Knockouts, taktischen Bodenschlachten und emotionalen Momenten erlebten die Fans einen Abend, der vor allem sportlich in Erinnerung bleiben dürfte.
Gelungener Auftakt: Nachwuchs und Erfahrung im Vorprogramm
Bereits in den ersten Kämpfen zeigte sich, dass Hannover an diesem Abend einiges vorhatte. Jan Holzer gewann sein Debüt im erst zweiten Amateurkampf überhaupt bei OKTAGON und bestätigte früh das Selbstvertrauen des heimischen Publikums.
Weniger technisch, dafür umso zäher wurde es im Duell von Bedirhan „Turkish Tank“ Kabak. Nach einer starken ersten Runde verlor der Kampf zwischenzeitlich an Tempo, ehe sich in Runde drei zeigte, dass seinem Gegner zunehmend die Luft ausging. Kabak erkannte den Moment und beendete den Kampf durch TKO in der dritten Runde.
Auch der erfahrene Auftritt von Ivana Petrovic, die bereits UFC-Erfahrung aus Frankreich mitbrachte, ließ keinen Zweifel offen. Gegen ihre 49-jährige Gegnerin, die ihre Profikarriere erst mit 46 Jahren begonnen hatte, setzte Petrovic früh auf Kontrolle am Boden. Nach hartem Ground-and-Pound musste der Ringrichter in einem blutigen Kampf bereits in Runde eins eingreifen.
Im Grappling-lastigen Duell zwischen Draxler und Markin entwickelte sich ein technisch anspruchsvoller Bodenkampf auf Augenhöhe. Während Markin mehrfach starke Submission-Defenses zeigte, bewies Draxler den längeren Atem und sicherte sich den Sieg über die Distanz.
Kreatives Finish: Detzel begeistert die Fans
Einen der lautesten Jubelmomente des Vorprogramms lieferte Justin Detzel aus Hannover. In einem über weite Strecken ausgeglichenen Kampf gegen Kola schenkten sich beide Athleten nichts. Als vieles bereits auf eine enge Entscheidung hindeutete, fand Detzel doch noch die entscheidende Aktion: Mit einer außergewöhnlich kreativen Submission faltete er seinen Gegner sprichwörtlich „wie eine Bretzel“ zusammen und zwang ihn zur Aufgabe.
Kontroversen und knappe Entscheidungen auf der Main Card
Der erste große lokale Auftritt auf der Main Card gehörte Haci Akseker. Gegen den kurzfristig eingesprungenen Italiener Raphael Frederico, der nur wenig Vorbereitungszeit hatte, entwickelte sich ein enges Duell.
Die erste Runde war stark vom Ringen geprägt, ohne klaren Vorteil für einen der beiden. In Runde zwei übernahm Akseker mit präzisem und hartem Striking die Kontrolle, setzte unter anderem mehrere harte Ellenbogen und brachte Frederico sichtbar ins Wanken. Unter lautstarken Jubel sah Akseker bereits wie der sichere Sieger aus. Doch der Italiener rettete sich über den Clinch in die dritte Runde – und dort drehte sich das Bild komplett. Frederico sicherte sich dominante Bodenpositionen und kontrollierte große Teile des Schlussabschnitts.
Die Punktrichter sahen den Italiener am Ende knapp vorne. Damit war Akseker der einzige der sechs Hannoveraner, der an diesem Abend eine Niederlage hinnehmen musste.
Zenuni und Biyong liefern spektakuläre Finishes
Für eines der Highlights des Abends sorgte der erst 22-jährige Altin Zenuni. Gegen den „Polish Tank“ benötigte das Nachwuchstalent gerade einmal 52 Sekunden, ehe ein präziser Ellenbogen den Kampf beendete. Zenuni bleibt damit ungeschlagen und verbessert seine Bilanz auf 4:0. Noch vor einem Jahr saß er als Zuschauer in der Arena – nun gewann er auf der Main Card und hinterließ einen ebenso dominanten sowie bodenständigen Eindruck nach dem Kampf.
Auch im Schwergewicht ging es explosiv zu. Vor dem Kampf zwischen Yevhenii Orlov und Simon Biyong kochten die Emotionen bereits beim staredown hoch, als Orlov seinen Gegner schubste. Im Käfig folgte die sportliche Antwort: Biyong ließ keine Fragen offen und beendete den Kampf gegen den ehemaligen Olympiateilnehmer Orlov in Runde eins per TKO nach dominantem Striking.
Vach setzt das nächste Ausrufezeichen
Im Duell zweier Debütanten des vergangenen Jahres trafen Hugo Vach und Teo Saldana Smith aufeinander – beide bekannt für ihre hohe Finish-Quote. Vach, Trainingspartner von Holzer und Palokaj, ließ seinem Gegner keine Zeit zur Entfaltung und sicherte sich einen eindrucksvollen Knockout in Runde eins.
Der Höhepunkt des Abends: Holzer lässt Hannover explodieren
Als Max Holzer schließlich zum Hauptkampf gegen den ehemaligen UFC-Kämpfer Khalid Taha den Käfig betrat, war die Stimmung in der Arena längst am Siedepunkt. Bereits in den Tagen zuvor hatten sich beide Kämpfer hitzige verbale Schlagabtausche geliefert – nicht immer oberhalb der Gürtellinie.
Umso überraschender war dann die Art und Weise, wie der Kampf verlief. Viele Experten hatten Holzer vor allem im Bodenkampf Vorteile eingeräumt. Doch der Lokalmatador entschied sich für einen anderen Weg.
Von Beginn an marschierte Holzer nach vorne, setzte Taha mit schnellem und präzisem Striking unter Druck und landete Treffer, die jedes Mal von ohrenbetäubendem Jubel der heimischen Fans begleitet wurden. Nach einem technisch sauberen Angriff mit dem Knie zur Rippe von Taha musste der Ringrichter bereits in der ersten Runde eingreifen – technischer Knockout für Holzer.
Ein Sieg, der nicht nur sportlich beeindruckte, sondern Hannover endgültig zu einer der lautesten MMA-Hochburgen Deutschlands machte.
Bürgerreporter:in:Yunus Emre Kizilisik |
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