Protest gegen Kopfweh Song von N2E eskaliert
Mehrere Musiker ziehen sich aus den Charts zurück
- Die Proteste gegen die Charts Platzierungen von N2E erreichen ungeahnte Dimensionen. Jetzt ziehen sich sogar Musiker aus Protest gegen die No Name Band aus den Charts zurück.
- Foto: EdgarSax
- hochgeladen von Peter Hellbeck
Die Diskussion um die Band N2E und ihre auffälligen Abstimmungsergebnisse in den Deutschen Hörercharts wird immer heftiger. Nachdem es bereits Hörer Proteste gegen die Band gab, legen jetzt die Künstler selbst nach. Mehrere Musiker äußern inzwischen öffentlich Zweifel an der Entwicklung, sprechen von möglichen Manipulationen und ziehen teilweise persönliche Konsequenzen. Beweise für einen Betrug liegen bislang allerdings nicht vor. Genau darauf weisen einige der beteiligten Musiker ausdrücklich hin, wohl aus rechtlichen Gründen.
Auslöser der Diskussion sind vor allem die sehr auffälligen Abstimmungszahlen von N2E. Die bekannte Austropop Band Cafe Royal 10 verweist in einem Facebook-Statement auf eine aus ihrer Sicht schwer nachvollziehbare Entwicklung: Eine Band mit lediglich 83 Followern habe innerhalb einer Woche 27.005 Stimmen erreicht. Für die Austropop-Band wirft das Fragen auf.
„Eine Band mit gerade einmal 83 Followern erreicht innerhalb einer einzigen Woche 27.005 Stimmen, obwohl es offenbar keine erkennbare Fanbase gibt“, schreibt Cafe Royal 10. Gleichzeitig betont die Band, die gegen N2E erhobenen Manipulationsvorwürfe nicht beurteilen zu können.
Trotzdem zieht Cafe Royal 10 Konsequenzen. Die eigenen Songs werden bis auf Weiteres nicht mehr für die Deutschen Hörercharts zur Verfügung gestellt. Die Entscheidung richte sich ausdrücklich nicht gegen die Betreiber der Charts. Vielmehr störe man sich an der aktuellen Situation rund um N2E und an dem, was man als fehlende Fairness unter den teilnehmenden Künstlern empfindet.
Auch bei anderen Musikern sorgt die Entwicklung für Unverständnis. Die erfolgreiche österreichische EDM Formation Klimmstengel kündigte an, die Situation „sehr genau“ zu beobachten und wertete es als „guten Schritt“, dass N2E mittlerweile in Österreich von den Charts gesperrt wurde.
Noch deutlicher wird der in Berlin lebende Hamburger Michael Heberer alias BILLY WANTS MORE. Er schreibt: „Es ist längst die Zeit gekommen um N2E die klare Rote Karte zu zeigen.“ Gleichzeitig stellt auch er klar, dass er den Chartveranstaltern keinen Schaden zufügen wolle. Sollte N2E allerdings weiterhin eine Plattform erhalten, denkt Heberer nach eigenen Angaben darüber nach, sich aus den betreffenden Charts zurückzuziehen.
Auch Journalist Dominique Senftberger findet deutliche Worte. Er erklärt, er könne „keine Charts ernst nehmen“, wenn bei seiner Meinung nach offensichtlichen Manipulationen keine Konsequenzen gegen N2E gezogen würden.
DJ Wolfgang Karabas kündigte ebenfalls einen möglichen Rückzug an. Eine entsprechende Mail habe er bereits vorbereitet, allerdings noch nicht abgeschickt. Der Grund für sein Zögern: „Es fällt mir nur noch schwer das abzusenden, weil die Sendung und die Charts selbst wirklich Spaß machen.“
Die Hahnenkamp Brüder wiederum erklären, dass sie ursprünglich über eine Teilnahme an den Charts nachgedacht hätten. „Aber unter diesen Umständen werden wir das nicht tun“, lautet ihre klare Ansage.
Deejay Malte (Malte Stoffers) sieht dagegen auch den Veranstalter der Charts in der Verantwortung. „Der Chart Organisator ist nicht aus der Pflicht zu nehmen“, schreibt er und fordert, mögliche rechtliche Schritte gegen N2E zu prüfen. Gleichzeitig räumt auch er ein, dass es keine klaren Beweise gebe.
Auch dem Protest hat sich der österreichische Dark Wave Musiker Sekleton Trap Horse angeschlossen. Er liegt im aktuellen Chart-Ranking auf Platz 3, möchte seinen Rückzug aus den Charts aber nicht öffentlich kommentieren.
Einen etwas anderen Weg geht DJ Feuerapfel alias Niklas Steiner. In einer ausführlichen Stellungnahme spricht er von „deutlichen Indizien“, warnt aber ausdrücklich davor, daraus Tatsachen zu machen.
„Es gibt meiner Meinung nach einige deutliche Indizien, aber keine eindeutigen Beweise“, schreibt Steiner. Genau diese Unterscheidung ist ihm wichtig. Vorwürfe über manipulierte Abstimmungen oder mögliche Bots dürften nicht einfach als erwiesene Tatsachen dargestellt werden.
Trotzdem hält auch Steiner die Entwicklung für problematisch. „Eine Fanbase von knapp 80 Usern kann aus meiner Sicht nicht innerhalb einer Woche fast 30.000 Stimmen erzeugen“, schreibt er. Seinen Protest richtet Steiner allerdings nicht gegen die Deutschen Hörercharts. Er will dort weiterhin teilnehmen. Ein kompletter Rückzug würde seiner Ansicht nach vor allem das Team hinter den Charts treffen und nicht unbedingt N2E.
„Wenn wir jetzt alle unsere Teilnahme beenden, treffen wir damit meiner Meinung nach nicht N2E“, erklärt Steiner. Stattdessen würden vor allem die Betreiber der Hörercharts geschwächt, die vielen jungen und weniger bekannten Musikern eine Plattform bieten. Auch gegenüber Chris Kelle, der hinter den Deutschen Hörercharts steht, findet Steiner deshalb deutlich versöhnlichere Worte. Kelle könne nichts für das mutmaßliche Fehlverhalten einer einzelnen Band. Steiner vertraue darauf, dass das Team der Hörercharts die Situation beobachte und gegebenenfalls Konsequenzen ziehe.
Unterstützung bekommt dieser Mittelweg von DJ Dominik Wachta. Als Reaktion auf Steiners Stellungnahme schreibt er, dass er dessen Ansatz grundsätzlich gut finde. Für sich selbst zieht er dennoch Konsequenzen und will seinen aktuellen Titel aus den Charts zurückziehen.
„Es macht keinen Spaß zurzeit, wenn meines Erachtens nach so offensichtlich manipuliert wird“, schreibt Wachta. Gleichzeitig stellt auch er klar: „Herr Kelle kann natürlich nichts dafür.“
Damit zeigt sich innerhalb der Musikszene ein durchaus unterschiedliches Bild. Während einige Künstler einen kompletten Rückzug aus den Hörercharts erwägen oder bereits angekündigt haben, wollen andere weiterhin teilnehmen und ihren Protest ausschließlich gegen N2E richten.
Gemeinsam ist den meisten Stellungnahmen allerdings ein Punkt: Die aktuelle Entwicklung sorgt für erheblichen Unmut. Besonders die ungewöhnlich hohe Zahl an Stimmen im Verhältnis zur öffentlich sichtbaren Reichweite der Band wird von mehreren Musikern als schwer nachvollziehbar bezeichnet.
Ob tatsächlich manipuliert wurde, ist damit allerdings noch nicht geklärt. Die bisherigen Aussagen der Musiker sind vor allem persönliche Einschätzungen und Reaktionen auf auffällige Zahlen. Einen gerichtsfesten Nachweis für einen Betrug gibt es nach den vorliegenden Stellungnahmen nicht.
Fest steht jedoch, dass der Streit längst über die Frage einer einzelnen Chartplatzierung hinausgeht. Es geht um Vertrauen, Fairness und die Glaubwürdigkeit von Musikcharts. Für die Betreiber dürfte die aktuelle Diskussion deshalb zunehmend unangenehm werden, auch anbetracht dessen dass Musiker die regelmäßig Spitzenplätze in den deutschen Hörercharts belegen, sich jetzt zurück ziehen wollen. Und je mehr Künstler öffentlich ihre Zweifel äußern oder sogar ihre Teilnahme einstellen, desto stärker stellt sich die Frage, wie die Hörercharts mit den Vorwürfen umgehen und welche Regeln künftig gelten sollen.
Die Kontroverse um N2E ist damit noch lange nicht beendet.
Bürgerreporter:in:Peter Hellbeck aus Hamburg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.