Kontroverse um N2E & "In meinem Kopf" eskaliert
Droht den Hörercharts jetzt sogar die Spaltung?
- Den Deutschen Hörercharts "Die Hörercharts" droht jetzt sogar eine Spaltung. Ausgangspunkt ist die Kontroverse rund um die Band N2E, die bei Charts in Österreich und der Schweiz bereits wegen Betrugsverdacht (es gilt die Unschuldsvermutung) gesperrt wurden.
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Der Streit um N2E und die Deutschen Hörercharts "Die Hörercharts" bekommt eine neue Dimension. Nachdem in den vergangenen Tagen bereits mehrere Musiker ihren Unmut über die Situation geäußert und teilweise ihre Titel aus der Wertung genommen haben, steht jetzt erstmals eine ganz andere Frage im Raum: Droht den Deutschen Hörercharts eine Spaltung und dabei auch eine ernsthafte Konkurrenz?
Den Stein ins Rollen bringt Malte Stoffers alias DJ Malte. In einem ungewöhnlich scharf formulierten Facebook-Posting kritisiert er von Anfang an nicht nur die Band N2E, sondern ebenso die Organisatoren der Hörercharts. Seine Wut-Emojis unterstreichen dabei, wie verärgert er über die aktuelle Situation und das Verhalten der Organisatoren der Hörercharts ist.
Die Diskussion dreht sich weiterhin um die ungewöhnlich hohen Stimmenzahlen, die N2E mit dem Titel „In meinem Kopf“ erreicht. Mehrere Musiker halten dieses Votingverhältnis für auffällig und stellen die Frage, wie solche Zahlen zustande kommen können. Und das nicht erst seit Kurzem, nur mittlerweile eskaliert die Situation immer mehr.
Wichtig ist dabei: Eine Manipulation ist bislang nicht bewiesen. Auch die Kritiker von N2E weisen selbst (mutmasslich aus rechtlichen Gründen) darauf hin, dass die Unschuldsvermutung gilt. Der Streit dreht sich deshalb nicht nur um den Verdacht möglicher Manipulationen, sondern zunehmend auch um die Frage, wie die Betreiber der Hörercharts mit solchen Auffälligkeiten umgehen. Auch anbetracht dessen, dass andere Chart-Veranstalter die Band N2E bereits gesperrt haben. "Die haben wenigstens Eier gezeigt" meinte ein DJ Shop Betreiber dazu.
Jetzt geht es um eine mögliche Konkurrenz
Genau an diesem Punkt setzt DJ Malte an. Seine Kritik richtet sich dabei ausdrücklich gegen beide Seiten. N2E bezeichnet er als für ihn „total unprofessionelle Band“, gleichzeitig wirft er den Organisatoren der Hörercharts vor, die teilnehmenden Musiker nicht ausreichend vor einem aus seiner Sicht dubiosen Votingverhalten zu schützen: „Ich weiß die meisten von euch kritisieren die Band, ich kritisiere aber auch die Organisatoren der Charts.“
Besonders die Zahlen bringen ihn auf die Palme. Dass eine Band mit 83 Followern innerhalb einer Woche 27.005 Stimmen erhalten soll, hält Malte für schlicht nicht nachvollziehbar. Damit steht er definitiv nicht alleine dar. „Das ist doch ein Witz!“, schreibt er. Und mit einem deutlichen Seitenhieb folgt: „Das glaubt doch nicht mal der Prinz im Märchenland.“
Auch DJ Malte weist allerdings darauf hin, dass rechtlich zwischen einem Verdacht und einem nachgewiesenen Fehlverhalten unterschieden werden muss. „Rechtlich gesehen gilt die Unschuldsvermutung“, schreibt er. Seine übrige Wortwahl lässt allerdings wenig Zweifel daran, wie er persönlich die Situation bewertet. Für ihn sei es angesichts der Zahlen naheliegend, dass etwas nicht stimmen könnte: „Das da was nicht stimmt, das kann man sich schon zusammenreimen.“
Seine Kritik an den Hörercharts wird anschließend noch deutlicher. Andere Chartveranstalter hätten aus seiner Sicht bereits gehandelt und N2E disqualifiziert beziehungsweise vorläufig gesperrt. Bei den Deutschen Hörercharts vermisst er dagegen eine entsprechende Reaktion und eine nachvollziehbare Kommunikation.
Dann macht DJ Malte einen Vorschlag, der die bisherige Diskussion deutlich verändern könnte: „MACHEN WIR DOCH EINE KONKURRENZ DAZU!“ Stoffers denkt dabei an ein alternatives Chartsystem, bei dem sich Teilnehmer registrieren oder Mitglied sein müssten. Er glaubt, dass ein großer Teil der derzeit beteiligten Musiker bei einem solchen Modell mitmachen könnte: „Ich glaube da würde locker die Hälfte der Musiker mitgehen“, schreibt er.
Malte Stoffers richtet seinen Aufruf ausdrücklich an andere Musiker und fordert Interessierte auf, sich auch privat bei ihm zu melden. Damit könnte aus der bisherigen Kritik an N2E und dem Umgang der Hörercharts mit der Situation durchaus eine organisatorische Bewegung entstehen.
Der Protest wird international
Die Diskussion hat inzwischen auch internationale Kreise erreicht. Die schwedische ABBA Cover Band Skumbollar hat sich ebenfalls auf ihren Social-Media-Kanälen zur Situation geäußert und bittet ihre Fans, vorerst nicht mehr für die eigenen Titel in den Deutschen Hörercharts abzustimmen, damit sie aus der Wertung fallen.
Skumbollar spricht von erheblichen Unstimmigkeiten und einem aus ihrer Sicht schlechten Eindruck, den die aktuelle Situation hinterlasse. Auch die Schweden betonen ausdrücklich, dass ein möglicher Betrug lediglich im Raum stehe und die Unschuldsvermutung gelte. Gleichzeitig kritisiert die Band, dass aus ihrer Sicht bislang keine nachvollziehbare Entscheidung getroffen oder ausreichend transparent kommuniziert worden sei. Sie fühlen sich auch um einen Nummer 1 Hit gebracht.
Dass sich nun sogar auch ein schwedischer Act öffentlich zu Wort meldet, dürfte den Druck auf die Hörercharts weiter erhöhen. Die Kontroverse ist damit längst nicht mehr ausschließlich eine Auseinandersetzung innerhalb der deutschsprachigen Musikszene.
Nicht alle wollen gleich die Plattform wechseln
Trotz des zunehmenden Ärgers gibt es unter den Musikern keineswegs eine einheitliche Meinung darüber, wie weit der Protest gehen sollte. DJ Feuerapfel alias Niklas Steiner beispielsweise unterstützt die Kritik an N2E, will die Deutschen Hörercharts aber nicht verlassen. Seine Argumentation: Ein kompletter Rückzug würde letztlich nicht unbedingt N2E treffen, sondern vor allem die Plattform und deren Betreiber, die sich das nicht verdient hätten.
Auch die bekannte Austro EDM Formation Klimmstengel tritt in der aktuellen Diskussion eher auf die Bremse. Die Band räumt ein, dass die Situation intern kritisch gesehen wird und inzwischen durchaus die Frage auftauche, ob die Entwicklung für beteiligte Künstler sogar rufschädigend werden könnte, wenn N2E nicht ausgeschlossen werden würde.
Gegen eine direkte Verantwortlichmachung von Chris Kelle stellt sich Klimmstengel allerdings ausdrücklich. Man würde sich zwar wünschen, dass er durchgreift, gehe aber davon aus, dass die Situation zunächst genauer geprüft werde. Die Sperren von N2E bei den Austria Top 30 und den Schweizer Alpen Charts begrüßt die Band ausdrücklich. Entscheidend sei dabei auch, dass N2E dort Einspruchsmöglichkeiten habe, was eine gute Optik hinterlassen würde.
Damit zeigt sich ein interessanter Gegensatz: Während DJ Malte bereits über eine komplett neue Konkurrenz nachdenkt, hoffen andere Musiker weiterhin darauf, dass die bestehenden Hörercharts selbst eine Lösung finden.
Droht tatsächlich eine Spaltung?
Und unter vorgehaltener Hand und der Prämisse nicht namentlich erwähnt zu werden meinte ein bekannter Musiker mit Platzierungen in den Hörercharts tatsächlich: "Die Spaltung ist denkbar. Ob DJ Malte dann aber die Authorität hat, dass sich alle ihm anschließen ist wieder eine andere Frage. Aber es wird in privaten Gruppen heftig diskutiert und Malte Stoffers ist nicht der einzige, der eine Spaltung ins Gespräch bringt."
Damit könnte sich die Auseinandersetzung zu einer grundsätzlichen Diskussion über Musikcharts entwickeln. Wie muss ein Voting aufgebaut sein, damit Künstler und Publikum den Ergebnissen vertrauen? Wie soll mit auffälligen Abstimmungen umgegangen werden? Und wie transparent müssen Chartveranstalter ihre Entscheidungen kommunizieren?
Die nächsten Tage könnten deshalb entscheidend werden. Sollte Chris Kelle nicht aktiv werden, könnte das sein Lebenswerk bedrohen. Die nächste Chartsendung wird jedenfalls interessant, wenn bald die Hälfte der derzeit platzierten Musiker ihre Songs zurückziehen und/oder mit Boyxkott drohen. Als wir vor einer Woche meinten "Die Hörercharts werden auch N2E überleben" waren wir wohl etwas zu optimistisch. Eine Woche später scheint die Situation etwas fließender.
Bürgerreporter:in:Peter Hellbeck aus Hamburg |
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