Ein Dachgarten aus der Bonner Republik
Mit Goethe von Weimar nach Bonn
- Alles auf einen Blick: "Goethes Gärten" (2019) auf dem Dach der Bundeskunsthalle Bonn
- Foto: copyright Margot Klütsch
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Die Bundeskunsthalle
Die Stadt Bonn vedankt ihrer ehemaligen politischen Funktion als Regierungssitz nicht nur zahlreiche Regierungs- und Verwaltungsgebäude, sondern auch die Museumsmeile und die Institution der Bundeskunsthalle. 1986 ging der Wiener Architekt Gustav Peichl als Sieger aus dem entsprechenden Ideenwettbewerb hervor. 1992 wurde das Gebäude eröffnet. Neben Wechselausstellungen zu Kunst, Geschichte, Wissenschaft und Technik versteht sich die Bundeskunsthalle als offenes Forum für politisch-gesellschaftliche Diskussionen.
Der Dachgarten und Goethe
Eine besondere Attraktion ist der frei zugängliche Dachgarten des Gebäudes. Die drei leuchtend blauen Majolika-Lichttkegel wurden schnell zum Markenzeichen. Die große Dachterrasse ist auch Vorreiter in Sachen Dachbegrünung im urbanen Raum und ein wunderbarer Ort für Garten- und Skulpturenausstellungen - gleichsam zwischen Himmel und Erde. Besonders attraktiv war die Ausstellung "Goethes Gärten“. Im Sommer 2019 konnten Besucher in luftiger Höhe Motive aus den Weimarer Gärten "Am Stern" und am "Frauenplan" nacherleben. Gingko und Zitronen(bäumchen) als Anspielungen auf Goethes Werk durften natürlich nicht fehlen. Der Dichter kümmerte sich persönlich um die Gestaltung seiner Gärten, denn bekanntlich beschäftigte er sich zeitlebens intensiv auch mit naturwissenschaftlichen Fragen und nutzte die Pflanzen für seine botanischen Forschungen.
Wen es intessiert: Hier noch etwas zum Hintergrund
Die Bonner Republik
Sie ist inzwischen historisch, die Bonner Republik. Die Nachkriegs- und Boomergeneration in Westdeutschland wuchs ganz selbstverständlich mit der idyllischen - böse Zungen sagten: provinziellen - Stadt links des Rheins als Regierungssitz auf. Die Bonner reagierten darauf mit Humor und rheinischer Gelassenheit. Zwischen 1949 bis 1990 entwickelte sich die Bundesrepublik zu einem demokratischen Staat mit fester Bindung an die westlichen Verbündeten, geprägt von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder, konservativer Haltung, Distanzierung vom NS-Staat, aber mit großen Lücken in der Aufarbeitung der Vergangenheit. Der bescheidene Regierungssitz am Rhein signalisierte den Verzicht auf jeglichen hegemonialen Anspruch.
Die Berliner Republik
Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wurde die alte Hauptstadt Berlin 1990/91 neue deutsche Hauptstadt und Regierungssitz. Damit war die Bonner Republik Geschichte. Dass Parlament und Regierung nun in Berlin ansässig waren, erlebten die Menschen im Osten vielleicht als positives Zeichen von Kontinuität, denn in dem neuen Staat veränderte sich für viele das Leben radikal. Aber: Selbst mehr als 30 Jahre nach dem Berlin-Bonn-Gesetz von 1994 haben noch sechs Ministerien ihren ersten Dienstsitz in Bonn.
Ich wünsche viel Freude beim Spaziergang durch "Goethes Gärten". Weitere Infos gbt es bei den BIldunterschriften.
Bürgerreporter:in:Margot Klütsch aus Düsseldorf |
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