Ein "legendärer" Kuchenklassiker
Bienenstich
- hochgeladen von Bernd Dröse
"Hol uns doch mal einen leckeren Streifen Bienenstich vom Bäcker". Mit diesen Worten schickte mich meine Oma früher mit 50 Pfennig jedes Mal los, damit wir es uns bei unserem "Mensch-ärgere -Dich-nicht" - Nachmittag gemütlich machen konnten. Als Kind habe ich mich dabei gefragt, wie der leckere Kuchenklassiker zu seinem Namen, der so schmerzhaft klingt, gekommen ist. Vielleicht, weil man aufpassen muss, dass die vom Kuchen angelockten Bienen einen nicht stechen? Aber dann müsste er doch eher Wespenstich heißen, denn Kuchen ist für Bienen eher eine Notnahrung, wenn sie nicht hinreichend Nektar und Pollen finden.
In "Das große Buch der Bienen" fand ich mehr als 50 Jahre später die Antwort auf meine Kinderfrage.
Die Namensgebung geht auf ein Ereignis im Jahre 1474 zurück:
Die Bewohner des Städtchens Linz am Rhein
waren sauer und neidisch auf die Andernacher auf der anderen Flussseite.
Der Hauptgrund war eine Entscheidung von Kaiser Friedrich III., der den lukrativen Rheinzoll von Linz nach Andernach verlegt hatte. In jener Zeit waren Zölle auf die Rheinschifffahrt eine der wichtigsten Einnahmequellen für viele Städte am Fluss. Den Linzern entgingen durch diese Entscheidung massive Einnahmen, während der Reichtum der Andernacher Nachbarn wuchs.
Deshalb wollten sie Andernach in der Nacht angreifen, als alle Bewohner schliefen. Nur zwei Bäckerjungen waren zu dieser Zeit noch unterwegs. Entweder wollten sie aus den Bienenkörben auf der Stadtmauer naschen oder dem Imker aus Übermut einen Streich spielen, indem sie die Ausfluglöcher der Körbe verklebten, um die Bienen am Ausfliegen zu hindern. Dabei entdeckten Fränzje und Döres, wie die beiden der Überlieferung nach hießen, die sich anschleichenden Linzer. Um die Stadtbewohner Andernachs zu wecken, waren die Angreifer schon zu nahe. Geistesgegenwärtig handelten sie selber und schleuderten die Bienenkörbe von der Stadtmauer auf die Linzer. Die wütenden Bienen verrichteten den Rest der Arbeit und verscheuchten die Angreifer mit ihren Stichen.
So retteten Fränzje und Döres mit Hilfe der Bienen die Stadt. Ihnen zu Ehren wurde nach dieser heldenhaften Aktion mit viel Kuchen- eben dem Bienenstich - fröhlich gefeiert. Noch heute sind die beiden Bäckerlehrlinge in einem Stadttor Andernachs als Steinfiguren verewigt.
Ich werde beim nächsten Stück Bienenstich, der schon ewig lange deutlich mehr als 50 Pfennig kostet, nicht nur an die Spielenachmittage bei meiner Oma denken, sondern auch an diese Andernacher Legende und werde mir dabei
die Zeiten zurückwünschen, in denen man Zollkonflikte mit Hilfe von Bienenstichen geregelt hat . Ich wüßte schon, auf wen ich meinen Bienenkorb werfen würde. :-))
p.s.: Neben meinen eigenen Bienenfotos hat mir die KI (Gemini) geholfen, die Geschichte der Namensgebung meines Lieblingskuchens nachzuerzählen. Dabei sind aus zwei Bäckerlehrlingen im letzten KI-Bild drei geworden und die Szene konnte aus optischen Gründen auch nicht in die unbeleuchtete mittelalterliche Nacht verlegt werden. Sorry!
Bürgerreporter:in:Bernd Dröse aus Essen |
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