Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes besucht erstmals Augsburg - Durch Arbeit wird der Mensch mehr Mensch

Sonja Tomaschek (Diözesanvorsitzende Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg, rechts) und Karl Schneider (Mitglied Diözesanvorstand Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg, links) im Gespräch über eine menschenwürdige Gestaltung der globalen Arbeitswelt mit Dr. Markus Demele (Generalsekretär Internationales Kolpingwerk, Mitte).
Augsburg: Kolpinghaus |

Die globale Arbeitswelt war Thema beim Diskutier- und Debattierkreis des Kolpingwerkes Diözesanverband Augsburg mit Dr. Markus Demele, dem Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes, am 30. Oktober 2013 im Kolpinghaus in Augsburg. Zum ersten Mal seit er in der Leitungsverantwortung des katholischen Sozialverbandes mit seinen über 400.000 Mitgliedern in mehr als 60 Ländern der Erde ist, war Demele in Augsburg. Demele zeigte in der Tradition der christlichen Gesellschaftslehre mit dem Wort von Papst Johannes Paul II., dass der Mensch durch Arbeit mehr Mensch werde, die Bedeutung der Arbeit für das Menschsein auf.

In seinem Einstiegsimpuls stellte der 34jährige Betriebswirt und Theologe ausgehend vom Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung die Situation in Deutschland dar, wo die Schere zwischen Besserverdienenden und Schlechterverdienenden immer weiter auseinandergeht. So sei der Nettorealverdienst je Arbeitnehmer trotz Steigerung des Bruttoinlandprodukts um über 25 % und trotz einer Steigerung der Brutto- und Nettolöhne und –gehälter um ca. 15 % seit 2000 um fast 4 % gesunken. Diese Entwicklung sei im Text des Berichts festgehalten, in dem zu lesen ist, dass die Lohnentwicklung "im oberen Bereich in Deutschland positiv steigend„ sei. „Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten“, führt der Bericht an anderer Stelle aus, „haben jedoch nach Abzug der Inflation Verluste bei der Bezahlung hinnehmen müssen.“
Zur Unterscheidung mit den anderen Ländern führte Demele die Begriffe von „formeller“ und „informeller Arbeit“ ein. Das Fehlen von Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitsschutzsicherheit, Recht auf gewerkschaftliche Interessensvertretung und Einkommenssicherheit sind unter anderem Kennzeichen für informelle Arbeit. 1,8 Milliarden der Beschäftigungsverhältnisse, das sind 60 % aller Beschäftigungen, sind informell. Je nach Region steigt der Anteil der informellen Arbeit auf bis zu fast 80 % wie zum Beispiel in Afrika.
Mit Daten aus dem Bericht über die Verteilung des Reichtums vom Versicherungsunternehmen Allianz zeigte Demele auf, dass auch das Vermögen ungleich verteilt ist. So seien zwar das Bargeld, Bankeinlagen und Aktien 2012 um 8,1 % auf 103,3 Billionen Euro gestiegen, gleichzeitig habe aber die Güterproduktion nur um 3 % zugelegt. Während die Aktienmärkte mit 10,4 % das beste Ergebnis seit der Finanzkrise erzielt haben, ist das Brutto-Geldvermögen der Spanier und Griechen um mehr als 10 bzw. 20 % im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2007 zurückgegangen.
Mit der bereits 1919 gegründeten Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mit Sitz in Genf seien nach Demele schon wichtige international anerkannte Kernarbeitsnormen als Mindeststandards definiert worden, dennoch fehle es an der Ausstattung und Durchsetzungskraft der Sonderorganisation der Vereinten Nationen.
Das Kolpingwerk leistet mit den Selbsthilfegruppen weltweit nicht nur einen praktischen Beitrag zur Verbesserung der Situation der Menschen in vielen Entwicklungsländern, sondern hat in der Internationalen Arbeitskonferenz, im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und im Europarat Beraterstatus und wirkt dort politisch mit. Das Kolpingwerk sieht sich als „Stachel in der Gesellschaft“ und hat sich daher zum Beispiel an der Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“ beteiligt. Gemeinsam mit anderen forderte der weltweite Verband die Abgeordneten des Deutschen Bundestages vor der Wahl auf, sich für die soziale Absicherung und den zum Leben ausreichenden Verdienst für alle Menschen einzusetzen.
Der öffentlichen Diskussion am Abend waren verschiedene Begegnungen mit ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Kolping in der Diözese Augsburg vorausgegangen. „Wenn ich wo hinkomme, war Augsburg schon da“, stellte Markus Demele im Hinblick auf seine bisherigen Besuche in Ungarn, Asien, Litauen und demnächst auch Südafrika fest. Er spielt mit dieser Bemerkung auf die Leistungen von Kolping Augsburg an und nennt das Kolping Hotel Spa und Family Resort Alsópáhok (Ungarn) beispielhaft. Mit dem Instrument der Kolpingstiftung-Rudolf-Geiselberger unterstützen die Kolpingmitglieder und –einrichtungen in der Diözese seit vielen Jahren Entwicklungshilfeprojekte ihrer Partnerverbände in Indien und Südafrika und darüber hinaus.

Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg
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