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Plagiate der Politiker: Warum deckt VroniPlag vor allem FDP und CDU-Plagiatoren auf?

Welcher Politiker verliert nach seinen Doktortitel als nächstes nach einer VroniPlag-Prüfung? (Foto: Gerd Altmann / pixelio.de) (Foto: Gerd Altmann / pixelio.de)
Martin Heidingsfelder ist der Gründer von VroniPlag. Auf dieser Website werden Doktorarbeiten von Politikern von vielen Mitarbeitern akribisch untersucht und in der Regel als Plagiate enttarnt. Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis, beide für die FDP im Europäischen Parlament, sind bislang die wohl prominentesten Beispiele der von VroniPlag entzauberten Plagiatoren. Sie hatten wesentliche Teile in ihren Dissertationen abgeschrieben, ohne dies kenntlich zu machen.

Bislang erstrecken sich die Bemühungen der VroniPlag-Aufdeckung vorrangig auf schwarz-gelbe Politiker. Im Visier der Plagiatsjäger: CDU und FDP. Warum es fast nur Politiker dieser Partein trifft, lässt sich nun erahnen. Denn VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder ist nicht nur Diplom-Kaufmann, Programmierer und Chef des Marktforschungsunternehmens Succedeo, sondern auch Mitglied in der SPD. Getreu dem Motto "Man kackt nicht, wo man isst" blieben Parteigenossen bisher von den Adleraugen der Plagiatsjäger verschont. Mit einer Ausnahme: Uwe Brinkmann. Der SPD-Politiker reagierte auf die Plagiatsvorwürfe aber ganz anders als viele Kollegen aus CDU und FDP - er gab seine Promotionsurkunde und damit seinen Doktortitel freiwillig zurück. Im Verteidigungsausschuss des Bundestags sitzt er inzwischen allerdings nicht mehr. Alles Zufall?

Ob es der SPD etwas bringt, wenn in regelmäßigen Abständen vor allem Konkurrenten aus CDU und FDP als Fälscher und Abschreiber enttarnt werden? Indirekt. Schließlich verlieren die Ex-Doktoren und hochrangigen Politiker beider Parteien massiv an Glaubwürdigkeit. Dieser Verlust erstreckt sich bei einer solchen Häufung an Tätern dann in logischer Konsequenz auf die Partei. So gesehen profitiert die SPD durchaus von VroniPlag und der Tatsache, bislang von den Dissertationsinspektoren weitestgehend verschont zu bleiben. Bei VroniPlag wird allerdings nur recherchiert und aufgedeckt. Einen Doktortitel aberkennen kann nur die Universität, die ihn verliehen hat. Und dazu müssen die Professoren erstmal prüfen, ob der Doktor wirklich abgeschrieben hat. Unabhängig von Parteizugehörigkeit. Erkenntnisse von VroniPlag-Mitarbeitern sind dabei durchaus eine Hilfe.

Aktuelles Beispiel: Momentan prüft die Universität Köln die Dissertation von Bijan Djir-Sarai. Der FDP-Politiker aus dem Bundestag leugnet zwar, ein Plagiat verfasst zu haben, doch auf der Grafik auf VroniPlag sieht es derzeit ganz schlecht für das Flüchtlingskind aus dem Iran aus. Ein bereits abgeschlossenes Beispiel: Nachdem im April 2011 mittels VroniPlag mehr als 25% der Seiten der Dissertation des baden-württembergischen CDU-Ministers Matthias Pröfrock als plaginiert enttarnt wurden, hat die Universität Tübingen dem Politiker drei Monate später nach Prüfung des Falls seinen Doktortitel entzogen.

Wie aber kommen die Mitarbeiter von VroniPlag darauf, eine bestimmte Dissertation zu untersuchen? In einer Pressemitteilung von VroniPlag zum Fall Pröfrock heißt es, man habe einen anonymen Hinweis bekommen. Diesem sei nachgegangen worden und er habe sich als stichhaltig erwiesen. "Ungeachtet der parteipolitischen Ausrichtung, des Promotionsfachs oder der Universität des Promovierten werden wir bei Vorliegen weiterer begründeter Hinweise diese prüfen und öffentlich transparent dokumentieren", wird in der Pressemitteilung bekanntgegeben.

Letztlich wäre es wohl durchaus legitim, wenn sich ein SPD-Mitglied online die Doktorarbeiten von CDU- und FDP-Politikern vorknöpft. So lange klar ist, dass die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei bei der Auswahl der Kandidaten eine Rolle spielt und ihm die Abschreiber aus den "feindlichen" Lagern nicht ausgehen. Wenn das passiert, sollten sich die Mitarbeiter VroniPlag aber nicht auf die faule Haut legen, sondern ihre Untersuchungen auf Politiker anderer Parteien ausweiten - und wenn's die eigene ist. Der Fall Uwe Brinkmann zeigt aber auch, dass durchaus auch Hinweisen über schummelnde SPD-Politiker auf VroniPlag nachgegangen wird. Oben proklamierte Dissertationsauswahl seitens VroniPlag als Grundlage nehmend, hat es den Anschein, als würden Politiker aus CDU und FDP einfach häufiger angeschwärzt. Oder arbeiten SPD-Akteure wissenschaftlich sauberer?

Derzeit untersucht werden auf VroniPlag übrigens die Doktorarbeiten von Margarita Mathiopoulos (FDP), Jürgen Goldschmidt (FDP, Bürgermeister in Forst) und Siegfried Haller (Leiter des Amt für Jugend, Familie und Bildung in Leipzig).
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3 Kommentare
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Johanna M. aus Stemwede | 05.08.2011 | 21:50  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 07.08.2011 | 18:05  
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hans Hurlebaus aus Renningen | 05.09.2011 | 23:46  
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