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Ein langes Leben für die Kunst

Wann? 31.03.2012 bis 11.07.2012

Wo? Caritas-Seniorenzentrum Notburga, Von-Rehlingen-Straße 42, 86356 Neusäß DEauf Karte anzeigen
Oskar Nort bei seinem Lieblingsbild. Die schöne junge Frau sprach er in der Straßenbahn an und zeichnete sie. „Sie hat mir so gut gefallen“, erinnert sich Nort, und daher habe er sie angesprochen.
 
Heimleiter Martin Gedon (re) mit dem 90jährigen Künstler Oskar Nort. Die musikalische Umrahmung gestalteten Rita Marx (li) am Piano und ihre Musikschülerin Sarah Alberth
Neusäß : Caritas-Seniorenzentrum Notburga | Überraschende Vielfalt aus einem künstlerischen Leben ist derzeit im Caritas Seniorenzentrum Notburga in Westheim zu bewundern. Der 90jährige Heimbewohner Oskar Nort erhält die Möglichkeit nochmals eine eigene Ausstellung zu zeigen

Nur ein kleiner Ausschnitt seines künstlerischen Schaffens kann derzeit im Caritas Seniorenzentrum Notburga in Westheim bewundert werden. Der 90jährige Künstler Oskar Nort lebt seit einiger Zeit dort und Heimleiter Martin Gedon ermöglichte ihm nochmals eine eigene Ausstellung in den Räumen der ehemaligen Schlossanlage. Noch bis Ende März kann die ungebremste Vielfalt des Künstlers begutachtet werden. Verschiedene Stilrichtungen, Materialen und Themen beschäftigten lebenslang den Maler und Bildhauer und mit Kreativität und einem Blick fürs Detail erschuf er seine Werke. In Tuschezeichnungen oder Aquarellen, Holzskulpturen und Möbelstücken, Portraits aus Stein gehauen oder in Öl auf Leinwand hat er den Moment des Modells festgehalten und gewährt dem Betrachter Einblicke in sein Leben. In seiner Autobiographie „Tamosius“ beschreibt Nort seine Jugend in Litauen. Den musikalischen Rahmen zur Vernissage gestaltete Rita Marx am Piano und begleitete die junge Gesangsschülerin Sarah Alberth.
Variationen von Franz Schubert inspirierten den Maler zu einer äußerst prägnanten Schwarz-Weiß-Zeichnung. Das Bild trägt den Namen „Der Tod und das Mädchen“, wobei die Musiker eines Streichquartettes innig in die Musik vertieft sind und die Erschrecktheit des Mädchens nicht erkennen als das Totengerippe es umklammert. Mit gleichsam höchster Präzision sind auch der Mailänder Dom und zwei Flamencotänzerinnen gezeichnet. „Scheinbar mit wenigen Strichen ein solch schönes Bild zu fertigen“, begeisterte Martin Gedon. Er sei ganz hin und weg von dieser Vielfalt schwärmt er. Erst in Gesprächen mit dem neuen Heimbewohner erahnte Gedon die künstlerische Bandbreite und Qualität und daraus war dann die Idee geboren, eine Ausstellung zu organisieren.
Im Sommer 1921 erblickte Oskar Nort das Licht der Welt. Seit 56 Jahren ist Oskar Nort mit seiner Frau Henny verheiratet. 1951 hätten sie sich auf einem Maskenball in München kennengelernt, so Henny Nort, und sie seien zusammen geblieben. „Sie hat ihm den Rücken frei gehalten, damit er seine künstlerischen Fähigkeiten ausleben kann“, erzählt Schwiegertochter Monika Regele. In vielen Werken sind die Gesichtszüge seiner Frau zu finden, so auch in der Holzskulptur „Der Tod der Cleopatra“, bei der seine Frau Modell gesessen hatte. 25 Jahre haben sie gemeinsam in Spanien auf einer Finca gelebt und viele Inspirationen durch die Landschaft und den Menschen von dort erhalten. Seine Kunstfertigkeit erlernte der gebürtige Litauer bereits in seiner Heimatstadt Kauners. Er studierte dann in Hamburg und danach in München an der Kunstakademie, war Mitglied der Bildenden Künstler und in der Künstlergilde in Landsberg. Nach Augsburg führte ihn der Zufall und auch hier sind Werke von ihm zu finden. Ein aus Olivenholz gearbeitetes Kreuz schmückt die evangelische Erlöserkirche im Bärenkeller, eine Krippe aus Papier ist in der Klosterkirche im Heimatmuseum in Diessen am Ammersee zu finden und ein Graffiti in Bobingen.
Alles was er gesehen hätte, das hätte ihn auch zur Kunst inspiriert. „Dieses Mädchen habe ich in der Straßenbahn angesprochen und sie gefragt, ob sie mir Modell sitzen würde?“, erinnert sich Oskar Nort und zeigt auf das Portrait einer schönen jungen Frau. „Persönlich mag ich dieses Bild sehr gerne“, lässt Nort wissen und erzählt zu jedem seiner Werke eine kleine Geschichte dazu. In ein surrealistisches Bild hätte er über fünf Wochen Arbeit gesteckt. Um das Realistische zu dämpfen hätte er den roten Handschuh dazu gemalt und ein ausgeschüttetes Päckchen Zündhölzer, erklärt er und wandert zum nächsten Bild.
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