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LAUTSTARKE "JUNGGESELLENPARTY" UND BRAUTWERBUNG AM TEICH! - LAUBFROSCHKONZERT - NABU Langenhagen

In Ruhestellung presst der Laubfrosch die Beine so an den Körper, dass die Gliedmaßen mit der Körperform verschmelzen.
 
Wir erkennen die Haftscheiben an den Fingern des Laubfrosches.
 
Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea) im Laichgewässer.
Langenhagen: Parkplatz Hasenheide |

Der NABU Langenhagen hatte zur "Audienz beim Froschkönig" geladen.

So fanden sich am Samstagabend, 4. Mai 2013 am Parkplatz Hasenheide an der Kananoher Straße zu abendlicher Stunde (21.00 Uhr) knapp zwei Dutzend erwartungsvolle Naturfreunde ein.
Der Naturschutzbeauftragte für Langenhagen, Ricky Stankewitz nutzte die Zeit bis zum endgültigen Einbruch der Dunkelheit, um den aufmerksamen Zuhörern noch einige konkrete Informationen mit auf den Weg zu geben.

Die in großer Zahl mitgeführten Taschenlampen kamen auf dem Weg durch den Wald fast gar nicht zum Einsatz, denn die Augen hatten sich schnell an die nächtlichen Lichtverhältnisse gewöhnt und der Reiz des Naturerlebnisses wurde erheblich gesteigert. Das sollte auch bis zum Ende der Exkursion um 23.15 Uhr so bleiben. Zur Belohnung wurden die naturkundlich interessierten Nachtwanderer zu der mittlerweile sehr späten Stunde auf dem Rückweg von einem ganz besonderen Leuchten am Wegesrand überrascht. Aber dazu später mehr…

Das Wetter war für das geplante Vorhaben – die Laubfrösche bei der Balz zu erleben - ideal, denn mit dem Beginn der warmen Mainächte, bei Temperaturen ab 12 °C werden die Männchen der Laubfrösche sehr aktiv und lassen, nach Ankunft an den Laichgewässern ihre lauten Balzrufchöre, mit dem Sonnenuntergang beginnend und bis nach Mitternacht anhaltend, hören.

Den Geräuschen der Umgebung lauschend oder im leisen Gespräch mit den Begleitern, näherten wir uns langsam unserem Ziel - den vom NABU Langenhagen betreuten Kleingewässern in Kananohe.
Hier werden regelmäßige Pflegemaßnahmen durchgeführt, um sie als Lebensraum für den Laubfrosch zu erhalten.
Sie erfüllen ideal die Habitatansprüche der Laubfrösche, denn diese brauchen Kleingewässer in sonniger Lage (besonders die jungen Laubfrösche brauchen viel Sonne). Umgebende Hecken und Gebüsche und Waldrandlage sind weitere Ansprüche, die an das Areal des Laubfrosches gestellt werden.
Außerhalb der Fortpflanzungszeit ist der Laubfrosch ein KLETTERFROSCH, der einen großen Teil seines Lebens mehr oder weniger hoch in der Vegetation verbringt.
Sein für diese Lebensweise idealer Körperbau mit der abgeflachten Körperform (hierdurch erhält er die Fähigkeit sich mit der gesammten Bauchseite am Untergrund festzuhaften) und auch die Haftscheiben an den Zehen lassen ihn zu einem Topkletterer werden, der die Baumwipfel erreichen kann und für den auch senkrechte Wände kein Hinderniss darstellen.

Nach einigen Minuten Gehzeit, noch ca. eineinhalb Kilometer entfernt vom Ziel, wurden wir zum Halten aufgefordert. Unüberhörbar war nun schon in der ruhigen Nacht, trotz der großen Entfernung, das Froschkonzert lautstark zu hören.
Zu ersten Schätzungen aufgefordert, wurde eine Zahl von ca. 100 Individuen vermutet.
Diese Annahme sollte sich auch als richtig erweisen, denn in Kananohe ist die größte Population, dieser stark gefährdeten Amphibienart in der Region Hannover beheimatet.
Als wir uns dem Ziel bis auf ca. 300 Meter genähert hatten, konnte man anhand unterschiedlich gelegener Geräuschquellen wahrnehmen, dass es sich um mehrere Kleingewässer handelte, in denen die Tiere ihre Balzchöre anstimmten.
Die Tiere nutzten in bester Balzstimmung jede zur Verfügung stehende Wasserstelle, sogar eine Kuhtränke, die wegen dem erhöhten Nährstoffeintrag eigentlich weniger geeignet ist.
Am Gewässerufer, dem sich nur wenige Teilnehmer vorsichtig näherten angekommen, nahm der Geräuschpegel ein enorm lautes Niveau an (bis zu 87 Dezibel - verschiedene Quellen - konnten schon bei Messungen an Einzeltieren gemessen werden).
Die individuenreiche Gesellschaft der balzenden Tiere ließ sich von der Anwesenheit der Beobachter kaum stören.
Nur für einen kurzen Augenblick verstummten sie, als für Anschauungszwecke drei Tiere, unter ihnen auch ein Teichfrosch, kurzzeitig dem Gewässer entnommen wurden.
Doch war der vorherige Lärmpegel schnell wieder erreicht.
Der Laubfrosch verfügt trotz seiner Größe von nur ca. 3 cm - 4,5 cm beim Männchen (Weibchen ca. 5 cm) über die lauteste Stimme unter den mitteleuropäischen Amphibien/Lurchen.
Die große kehlständige beim Quaken anschwellende Schallblase dient als Resonanzverstärker und befähigt die Laubfrösche zusammen mit dem zum Körper unverhältnismäßig großen Kehlkopf zu dieser Stimmgewalt.

Nach einigen weiteren Informationen erfuhren wir unter anderem, dass die Beweidung durch eine begrenzte Anzahl von Kühen und Pferden im Sinne des Naturschutzes auch in Naturschutzgebieten zu befürworten ist. Diese halten den Bewuchs auf natürliche Weise niedrig und schonen den Bestand der Amphibien-Population.
Der Rückweg hielt noch eine Überraschung parat, denn was war DAS?
Im Gras am Wegesrand, wie winzige Laternen, flackerte mal hier mal dort ein kleines Leuchten auf.
Die Verursacher waren Glühwürmchen, die hier ihre Leuchtsignale, ebenfalls zur „Paarfindung“ mit Hilfe einer chemischen Reaktion aussandten.
Zum Betrachten kurz auf die Hand eines Exkursionsteilnehmers genommen, zeigte der Leuchtkäfer, bei einem flüchtigen Blick, ein der Marienkäferlarve ähnliches Aussehen.
Ich konnte ihn leider nicht, für eine Bestimmung, fotografisch festhalten.
Es war eine interessante, informative und empfehlenswerte Veranstaltung, die auch die Erfolge von Pflegemaßnahmen an Kleingewässern anschaulich zeigte.
Dann noch ein Hinweis, der offenbar trotz häufiger Publizierung in der Presse noch nicht Jedermann erreicht hat.
ES IST LEBENSNOTWENDIG in Bereichen mit Amphibienwanderungen die Geschwindigkeit auf 30 km/h zu reduzieren!
Geschwindigkeiten eines Fahrzeugs von mehr als 30 Stundenkilometern lassen die Amphibien durch den entstehenden Strömungsdruck, auch ohne direkte Berührung (Überfahren) qualvoll sterben. Die Innereien werden aus dem Körper gedrückt, also Fuß vom Gas!!
In der Brut- und Setzzeit sollten Hunde nicht in Amphibiengewässern herumtoben! Die aufgewirbelten Sedimente setzen sich auf den Laichballen ab und verhindern eine ungestörte Embryonalentwicklung oder lassen den Laich gar absterben!
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Nordhannoversche Zeitung | Erschienen am 31.05.2013
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22 Kommentare
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Elena Sabasch aus Hohenahr | 06.05.2013 | 16:27  
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Christl Fischer aus Friedberg | 06.05.2013 | 17:01  
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Katja W. aus Langenhagen | 06.05.2013 | 18:30  
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Axel aus Salzburg aus Freilassing | 06.05.2013 | 20:14  
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Jürgen Bady aus Lehrte | 06.05.2013 | 20:14  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 06.05.2013 | 20:27  
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Helmut Metzner aus Neustadt am Rübenberge | 06.05.2013 | 21:35  
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Wolfgang Thun aus Berlin | 07.05.2013 | 07:21  
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Günther Eims aus Sehnde | 07.05.2013 | 13:30  
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Gabriele F.-Senger aus Langenhagen | 07.05.2013 | 15:30  
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L. G. aus Wertingen | 08.05.2013 | 10:50  
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Angelika Fischer aus Marburg | 08.05.2013 | 21:44  
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Uwe Zerbst (Thüringen) aus Gotha | 09.05.2013 | 13:24  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 10.05.2013 | 08:07  
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Jürgen G. O. Stephan aus Peine | 10.05.2013 | 21:52  
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Heinz Barisch aus Bobingen | 11.05.2013 | 10:03  
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Gertraud Zimmermann aus Rain | 11.05.2013 | 20:08  
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Jürgen Bruns aus Lehrte | 13.05.2013 | 15:08  
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Bernd Sperlich aus Hannover-Bothfeld | 14.05.2013 | 10:23  
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Katalin Thorndahl aus Hamm | 14.05.2013 | 20:14  
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