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„Wir sprechen mittlerweile von der Vision Zentrum 2030“: Ein Interview mit Bürgermeister Franz Feigl

Bürgermeister Franz Feigl stand myheimat zum Jahresabschluss Rede und Antwort
 
Bürgermeister Franz Feigl (rechts) mit dem Geschäftsführer der Gesellschaft für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung der Stadt Königsbrunn mbH, Günther Riebel (links) (Foto: Konrad Filbert)
 
Rathaussturm: Das Stadtoberhaupt bei der Schlüsselübergabe an die Prinzenpaare des CCK Fantasia (Foto: Anke Maresch)
 
Der Rathauschef bei der Kulturpreis-Verleihung an Christoph Teichner (Foto: Anke Maresch)
myheimat: Herr Feigl, in unserem letzten Jahrbuch-Interview sagten Sie, dass Sie mit der Zentrumsplanung eine „Identität für die Stadt“ entwickeln wollen. Inwieweit hat Sie das Jahr 2018 diesem Ziel näher gebracht?

Feigl: Das Meinungsbild zur Königsbrunner Zentrumsplanung hat sich im zu Ende gehenden Jahr beim Stadtrat und auch bei mir persönlich gefestigt: Wir sprechen mittlerweile von der „Vision Zentrum 2030“ mit einem klar definierten Gesamtkonzept.

• Wohnen im Zentrum (jetziges Gelände Mittelschule Nord)
• Neue Mitte (Rathauswiese – Handel, Dienstleistung und Wohnen)
• Boulevard (Bürgermeister Wohlfarth-Straße – Handel, Dienstleistung und Wohnen)
• Mobilitätsdrehscheibe (ZOB)
• Forum für Kultur, Sport, Freizeit (ehemaliges Thermengelände und Umfeld)
• Sport- und Freizeitpark West

Mit unserer „Vision Zentrum 2030“ sind wir auf dem Weg zu einer Stadtmitte, mit der sich die Königsbrunnerinnen und Königsbrunner identifizieren können – ein Ort, der ganz unterschiedliche Bedürfnisse erfüllt, wo sich die Menschen wohl und daheim fühlen, wo sie sich gerne und lange aufhalten. Ein Ort, auf den sie stolz sind.

myheimat: Der Leiter des Technischen Bauamts, Werner Lohmann, sprach mit Blick auf das Stadtzentrum der Zukunft davon, dass sich das Nutzungsverhalten der Menschen geändert habe. Die Funktionen „Handel und Treffpunkt“ nehmen an Bedeutung ab, wohingegen das Thema „Freizeitgestaltung“ eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Teilen Sie seine Einschätzung und welche Konsequenzen leiten sich aus dieser Erkenntnis ab?

Feigl: In unserem Gesamtkonzept sind all diese Themen berücksichtigt. Handel, Kultur, Sport und Freizeitgestaltung liegen zudem räumlich eng nebeneinander, kommen also diesem veränderten Nutzungsverhalten entgegen. Das Thema „Handel und Treffpunkt“ möchte ich aber noch etwas differenzierter darstellen, denn auch hier verschwimmen die Grenzen hin zur Freizeitgestaltung. Der stationäre Handel sieht sich heute von verschiedenen Seiten herausgefordert: Zum einen durch den ständig wachsenden Internethandel, der immer und überall erreichbar ist und das „Einkaufen vor Ort“ zunehmend ersetzt. Hier kann der örtliche Handel mit Kompetenz, guter Dienstleistung, zuverlässigem Service und einem interessanten und außergewöhnlichen Produktsortiment punkten. Aber es hat sich auch die Erwartungshaltung der Kunden verändert, die in die örtlichen Geschäfte gehen: Die Grenze zwischen Einkaufen und Freizeitgestaltung ist fließend – Einkaufen soll zum „Event“ werden, zum „Erlebnis für alle Sinne“, der Kunde will den Aufenthalt genießen, will mit allen Sinnen angesprochen werden, will Produkte testen und Neues entdecken. Gewünscht sind zudem kurze Wege, umrahmt von vielfältigen gastronomischen Angeboten, eventuell sogar auch mit Kinderbetreuung. Vor diesem Hintergrund müssen wir unsere neue Mitte planen: Sie muss dem Königsbrunner Handel die entsprechenden Rahmenbedingungen bieten, diesen Wandel im Konsumverhalten mitzugehen und zum Internet-Handel konkurrenzfähig zu bleiben.

myheimat:
Das ehemalige Thermenareal soll zum Bindeglied zwischen Sportpark West und Stadt werden. Welche Vorstellungen haben Sie für diesen städtebaulichen Bereich?

Feigl: Unter dem Begriff „Forum“ soll hier ein Bereich entstehen, in den Menschen ihr Engagement einbringen – zum Beispiel im Vereinsleben –, eine Plattform für Angebote im kulturellen, musikalischen, sportlichen und gastronomischen Bereich. Hier soll ein Ort sein, der die Menschen zusammenführt, der ihnen auch im ganz privaten Bereich die Möglichkeit gibt, sich zu treffen, etwas gemeinsam zu erleben und schöne Erfahrungen zu teilen. Und dafür brauchen wir eben auch einen Veranstaltungssaal.

myheimat: Für die Gestaltung des neuen Zentrums wird es einen Ideenwettbewerb geben. Welche Ergebnisse erhoffen Sie sich davon?

Feigl: Wir haben uns für einen Wettbewerb entschieden, weil wir auf eine größtmögliche Ideenvielfalt für die bauliche Anordnung und Gestaltung hoffen. Bei Projekten in dieser Größenordnung und Bedeutung ist es prinzipiell ratsam, den „Blick von außen“ einzuholen und externe Ideen in die Diskussion aufzunehmen, die neue, bisher nicht gesehene Aspekte einbringen. Und nicht zuletzt ist der Wettbewerb auch die Grundlage für Förderungen, die uns zu Gute kommen werden.

myheimat: Wie viel kann und wird sich die Stadt Königsbrunn das neue Zentrum „kosten“ lassen?

Feigl: Erst wenn die Ergebnisse des Wettbewerbs vorliegen, kann eine reale Kostenschätzung folgen. Grundlage wird auf jeden Fall ein Finanzierungsplan sein, denn es ist allen Beteiligten klar, dass nicht alle Projekte gleichzeitig realisiert werden können. Es müssen Prioritäten und Reihenfolgen definiert werden; die Umsetzung kann nur in Teilabschnitten erfolgen. Nicht umsonst sprechen wir von der „Vision Zentrum 2030“ – ein solcher Zeitrahmen ist für diese Größenordnung durchaus realistisch. Zum heutigen Tag sind nur ungefähre Angaben möglich:

• Forum: Alle Angaben hierzu sind abhängig vom Ergebnis des Wettbewerbs, von Ausstattung, Vorgehensweise und Förderung
o Kreativareal (Restbestand der ehemaligen Therme): ca. 6 bis 12 Mio. €
o Veranstaltungssaal: ca. 10 bis 15 Mio. €
o Zusammenführung der Museen: noch nicht bezifferbar
• Boulevard (Umgestaltung der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße): ca. 6 Mio.
• Neue Mitte: Hier können noch keine Angaben gemacht werden. Die Kosten sind abhängig von den Investoren, die es noch zu finden gilt.

Alle diese Zahlen sind hier ohne Förderung genannt. Bei den genannten Summen können wir mit Zuschüssen von bis zu 60 % auf die förderfähigen Kosten rechnen. Bei Museen ist durchaus eine höhere Förderung möglich.

myheimat:
Ein Problem, das es in jedem Zentrum gibt, ist der Mangel an Parkplätzen. Im Stadtzentrum sollen neue Wohnungen und Geschäftshäuser entstehen, weshalb mehr Stellplätze benötigt werden. Wie will man einen Mangel an Parkplätzen verhindern?

Feigl: Hier untersuchen wir im Vorfeld alle Möglichkeiten. Angedacht war zum Beispiel eine Tiefgarage unter der Straßenbahnwendeschleife. Aus finanziellen Gründen, aufgrund der Verkehrsanbindung und der Lage hat der Stadtrat aber letztendlich von dieser Idee Abstand genommen. Derzeit wird eine Tiefgarage unter der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße überprüft. Selbstverständlich wird innerhalb des Projekts „Vision Zentrum 2030“ ein Parkraumkonzept erstellt, das viele Aspekte berücksichtigen muss: Bau- und Unterhaltskosten, erwarteter Verkehrsfluss sowie Nutzer-Akzeptanz bzgl. Lage und Entfernung zu den Geschäften oder zu Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Bei Tiefgaragen ist zum Beispiel auch das Thema Grundwasser zu beachten.

myheimat: Ein Anliegen der Stadt ist schon seit längerer Zeit eine Stadthalle. Eine Machbarkeitsstudie kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass die Königsbrunner eher zurückhaltend sind, wenn es darum geht, Geld für den Besuch von Veranstaltungen auszugeben. An welchem Standort und in welcher Dimension soll die neue Veranstaltungsstätte entstehen?

Feigl: Einen möglichen Standort habe ich bereits skizziert: Ein Veranstaltungssaal für Königsbrunn, vielleicht mit ca. 500 + x Plätzen in Reihenbestuhlung, könnte im Bereich des „Forums“ auf dem ehemaligen Therme-Areal entstehen. Die von Ihnen angesprochene Nutzung des Saals für kommerzielle Veranstaltungen ist allerdings nur ein Aspekt. Solch ein Raum könnte auch von Firmen für Tagungen, Konferenzen oder Jubiläen angemietet werden. Und eine dritte Nutzungsmöglichkeit, die mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist wichtig: Hier könnten Königsbrunner Bürgerinnen und Bürger ihre privaten Feste feiern, Vereine könnten hier ihre Veranstaltungen planen - es geht darum, dass die Menschen den Saal als „ihren“ Raum entdecken, ihn als Ort für ein privates und städtisches Miteinander sehen und ihn mit Leben füllen. Diese verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten müssen natürlich bei der Planung berücksichtigt werden, zum Beispiel mit abteilbaren kleineren Bereichen.

myheimat: Lassen Sie uns ein wenig über ein weiteres wichtiges Zukunftsthema sprechen: die Rahmenbedingungen von Schule und Unterricht. Die Generalsanierung der Grundschulen Nord und Süd hat mit der Erstellung der Eingabeplanung und Einreichung bei der Regierung von Schwaben bereits im Jahr 2017 begonnen. Der Beginn der Eingabeplanung für die Sanierung der Grundschule West war für 2018 vorgesehen. Wann werden sämtliche Sanierungsmaßnahmen an den Königsbrunner Schulen voraussichtlich abgeschlossen sein?

Feigl: Ohne zu übertreiben, ist dies derzeit die größte städtische Bildungsoffensive im Landkreis, die durch die Umzüge auch eine enorme logistische Herausforderung darstellt! Wir schaffen damit die Voraussetzungen für modernes pädagogisches Arbeiten und investieren in die Zukunft unserer Kinder.

Im Moment steht folgender Zeitplan:
• Grundschule Süd: geplante Fertigstellung 2021
• Grundschule Nord: geplante Fertigstellung 2022/2023
• Grundschule West: Die Planung hat 2018 unter Einbeziehung des Lehrerkollegiums mit den Lehrkonzeptgesprächen und den Besichtigungen anderer Schulen begonnen. Geplanter Baubeginn 2022/2023, geplante Fertigstellung 2024/2025
• Mittelschule Süd: geplanter Baubeginn für die Erweiterung 2024/2025, abhängig von der Fertigstellung der Grundschule West, geplante Fertigstellung 2026/2027
myheimat: Ein kommunalpolitischer „Dauerbrenner“ ist auch in diesem Jahr wieder die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 von Haunstetten nach Königsbrunn. Dieses Verkehrsprojekt wurde unter Einbezug der Anwohner geplant. Einige von ihnen fürchten den Lärm vor der Haustür. An mehreren Infoabenden wurden die Anwohner über den Planungsverlauf informiert. Es gab auch Diskussionen um den genauen Verlauf und die Platzierung der Haltestellen. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Feigl: Das Thema Sicht- und Schallschutz für die Anwohner nehmen wir sehr ernst: Der Stadtrat hat sich deshalb für Schallschutzwände und tieferliegendes Rasengleis entschieden. Ich selbst habe zahlreiche persönliche Gespräche mit den einzelnen Grundstückseigentümern geführt, um eine für alle Seiten möglichst erträgliche Lösung zu finden. Der Erörterungstermin fand am 15. November 2018 statt; wir erwarten im Sommer 2019 den Planfeststellungsbeschluss durch die Regierung von Schwaben. Die Position der Haltestellen Bereitschaftspolizei, Guldenstraße, Brunnenzentrum, Mindelheimer Straße und Wendeschleife steht fest. Die Gestaltung der Vorplätze ist in Planung, ebenso der parallele Ausbau der Guldenstraße.

myheimat: Nach all den politischen Gesprächsgegenständen noch eine persönliche Frage: Welche Begegnung hat Sie im abgelaufenen Jahr am meisten beeindruckt?

Feigl: Das ist eine schwierige Frage, die ich kaum beantworten kann, denn in der Fülle aller Termine und Veranstaltungen gab es auch dieses Jahr wieder es so viele Begegnungen, die mich beeindruckt haben … Aber es waren immer Menschen, die sich mit einer unglaublichen Leidenschaft, mit großem Engagement und Überzeugung für ein Projekt, für ein Thema einsetzen – Königsbrunner Bürgerinnen und Bürger, die im sozialen Bereich, in Vereinen aktiv sind, die mit Leidenschaft für ihr „Herzensthema“ arbeiten, ohne auf die Uhr zu schauen, ohne nach finanziellem Ausgleich oder offizieller Anerkennung zu fragen. Gefreut habe ich mich 2018 auch über so manche unerwartete Begegnung: Ich habe Königsbrunner getroffen, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen und vollkommen aus dem Auge verloren hatte.
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