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Wie das schwäbische Handwerk in die Ausbildung investiert: Auf dem Gelände der HWK in Augsburg entsteht ein neues Berufsbildungs- und Technologiezentrum

Egon Herzig, Hauptabteilungsleiter des Berufsbildungs- und Technologiezentrums Augsburg, führt durch die Baustelle
 
Hier entstehen die Kabinen für die Schweißer-Azubis
Hans-Peter Rauch ist sich sicher. „Aus- und Weiterbildung werden in Zukunft mit oder das wichtigste Thema im Handwerk sein“, so der Präsident der Handwerkskammer (HWK) für Schwaben. Schon jetzt leiden vielen Handwerksbetriebe unter dem Fachkräftemangel.

Für den Nachwuchs wird die Werbetrommel gerührt


Die Problematik ist nicht neu. Aufgrund der demographischen Entwicklung gibt es zu wenig junge Leute, zudem ist das Handwerk für viele Schulabgänger unattraktiv. Völlig zu Unrecht, finden Rauch und sein Kollege Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK: „Eine Fachkraft hat oftmals bessere Karrierechancen als ein Akademiker.“ Er beklagt die „Überakademisierung“ unserer Gesellschaft. Viele Jugendliche spürten den Druck, studieren zu müssen oder würden von ihren Eltern in diese Richtung gedrängt – egal ob sie dafür geeignet sind oder nicht. Viele Jugendliche seien im Handwerk bestens aufgehoben. Wagner bedauert, dass die Möglichkeiten im Handwerk zu wenig transportiert werden.

Um dem entgegenzuwirken gibt es seit 2010 umfangreiche Werbemaßnahmen und zahlreiche Kampagnen. Die Nachwuchswerbung lässt sich das Handwerk einiges kosten. Allein die Dachkampgange „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht von nebenan“ schlägt mit zehn Millionen Euro im Jahr zu Buche. Neu ist die Kampagne „Elternstolz“, die neben den Jugendlichen auch deren Eltern im Blick hat. „Eltern spielen eine wichtige Rolle bei der Wahl des Berufes“, so Wagner, der hofft, dass so Vorurteile über Handwerksberufe beseitigt werden. Die Bemühungen zeigen erste Früchte: 2016 gab es eine leicht steigende Anzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge.

Das schwäbische Handwerk in Zahlen

Dem Handwerk geht es derzeit gut. 91 Prozent aller schwäbischen Handwerke beurteilen ihre Situation als gut oder befriedigend. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von vier Prozent. In Schwaben gibt es 29.000 Handwerksbetrieben mit 137.000 Beschäftigten und 10.900 Azubis. Der Umsatz liegt bei rund 14,2 Milliarden Euro. Die gute wirtschaftliche Lage wird den Fachkräftemangel in den nächsten Jahren noch verstärken. Eine Umfrage der HWK ergab, dass 86 Prozent der Betriebe ihre Mitarbeiter halten wollen, fünf Prozent mehr Fachkräfte einstellen wollen. „Der Kampf um die besten Köpfe§ hat begonnen“, so Wagner.

Die ÜLU als dritte Säule in der Handwerksausbildung

Deutsche Handwerker genießen einen guten Ruf. Um die hohe Qualität der Ausbildung zu gewährleisten, baut die Handwerkskammer auf drei Säulen. Neben der Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule gibt es die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, kurz ÜLU. Hier erwerben die Azubis in allen Ausbildungsjahren mehrere Wochen im Jahr berufsspezifische Kenntnisse, die sie in ihrem Betrieb nicht erlangen können. Hintergrund der ÜLUs: Die Ausbildungsordnungen im Handwerk sind breit angelegt. Jedoch können ausbildende Unternehmen innerhalb ihres Betriebs nicht alle Facetten des Berufes anbieten. Da aber alle Bereiche prüfungsrelevant sind, kommt hier die ÜLU ins Spiel, ohne die viele Betriebe auch nicht ausbilden könnten. Die überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen finden in den Berufsbildungs- und Technologiezentren (BTZ) der Handwerkskammern statt. In Schwaben gibt es diese in Augsburg, Memmingen und Kempten, aufgeteilt nach den verschiedenen Ausbildungsberufen.

„Größte Investition in der Geschichte der HWK“

Am Standort Augsburg entsteht derzeit ein neues BTZ, das spätestens Anfang April komplett bezogen sein soll. Rauch bezeichnet den Bau als die „größte Investition in der Geschichte der Handwerkskammer“. In dem neuen Gebäude, das auf dem Gelände der Handwerkskammer neben dem Zoo steht, werden neue Werkstätten mit Übungseinheiten für Maltechnik, Zerspanung und Schweißen eingerichtet. Zudem gibt es EDV-Schulungsräume. Rund 46,5 Millionen Euro kostet dieser erste Bauabschnitt, für den es Zuschüsse von Bund und Ländern in Höhe von 36,8 Millionen Euro gibt. Sobald das neue BTZ in Betrieb ist, wird mit dem zweiten Bauabschnitt gestartet, in dem Übungsräume für Landtechnik, Metall- und Elektrotechnik entstehen werden.
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