„Ist uns der Sonntag noch heilig?“ / Kolping frühstückt fair mit Politikern und Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft

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„Nie war er so wertvoll wie heute“ lautet nicht nur ein altbekannter Werbeslogan, er ist auch aktuell noch ebenso bedeutend wie in gleicher Weise umstritten. Die Rede ist vom arbeitsfreien Sonntag. Von den Kirchen mit Verweis auf seine im Grundgesetz verankerte Garantie verteidigt, fordern weite Teile der Wirtschaft eine Aufweichung der Arbeitsfreistellung, um zunehmendem Konkurrenzdruck aus dem Ausland zu begegnen. Anlass genug also für den Kolping Bezirksverband Augsburg, den Finger in die Wunde zu legen und am vergangenen Samstag zu einer Diskussion ins Restauratn im Kolpinghaus Augsburg (http://www.kolping-restaurant-augsburg.de) einzuladen.

„Das Thema ist auch in Kolpingkreisen nicht unumstritten“ gab die Kolping-Bezirksvorsitzende Christl Reinsch den mehr als 30 Interessierten bei der Begrüßung mit auf den Weg, aber es deckt sich genau mit dem diözesanweiten Kolping-Schwerpunktthema 2012 zur "Zukunft der Arbeitswelt“ und sollte daher mit Fachleuten diskutiert werden. Mit dem KAB-Diözesanpräses und Betriebsselsorger Diakon Erwin Helmer, dem stellvertretenden FDP-Kreisvorsitzenden Michael Oczipinsky sowie dem Geschäftsführer des schwäbischen Einzelhandelsverband, Wolfgang Puff, waren geeignete Interessenvertreter schnell gefunden.

In guter Kolping-Tradition begann die Veranstaltung mit einem gemeinsamen Frühstück mit fair gehandelten und regionalen Produkten, ehe Moderator Klaus Ernicke vom Kolping-Bezirksverband die Diskussionsrunde eröffnete.

Im Zuge der angeregten Diskussion brachten die drei geladenen Interessenvertreter ihre unterschiedlichen Positionen klar zum Ausdruck und untermauerten diese mit aktuellen Beispielen aus der Region. Während die kirchliche Seite am arbeitsfreien Sonntag mit Ausnahme von Notfalltätigkeiten auch zum Schutz von Familien und ehrenamtlichen Tätigkeiten festhält, forderte der Vertreter der FDP eine vollständige Freistellung vom sonntäglichen Arbeitsverbot mit Hinweis auf die freie Entscheidungsmöglichkeit jedes Einzelnen, sowohl des Arbeitgebers wie auch des Konsumenten. Die Gesetze des freien Markts würden ausreichend darüber entscheiden, ob ein Betrieb an einem Sonntag rentabel wirtschaften kann oder nicht. Im Blick auf den Einzelhandel entscheide allein der Kunde darüber, ob ein entsprechendes Angebot angenommen wird. insoweit halte auch die FDP eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten für unnötig. Der schwäbische Einzelhandelsverband als Interessenvertreter großer Filialisten wie auch kleinerer regionaler Betriebe hat sich laut Geschäftsführer Puff für den Bereich Augsburg schon seit längerer Zeit auf einem Mittelweg positioniert: Eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten sei auch hier kein Thema, verkaufsoffene Sonntage seien mit 4 festgelegten Terminen im Jahr ausreichend und bilden somit die Ausnahme, eine Ausweitung ist nicht vorgesehen. Darüber hinaus habe sich auch die Shopping-Night in der Augsburger City bestens etabliert. Eine derartige Bescheidenheit herrscht aber nicht überall, denn Diakon Helmer zeichnete mit Zahlenmaterial aus dem Bayerischen Arbeits- und Sozialministerium ein ganz anderes Bild: Mittlerweile finden bayernweit über 2.000 verkaufsoffene Sonntage im Jahr statt (70% Anstieg seit 1990), im Umkreis von 50 km um Augsburg sind dies immerhin noch 91. staatliche Stellen seien hier nun gefordert, durch gesetzliche Korrekturen eindeutige Grenzen zu bestimmen und ein Ausufern zu vermeiden. Die Veranstaltung des Kolping-Bezirksverbands Augsburg hat damit einmal mehr gezeigt, dass die Diskussion um den arbeitsfreien Sonntag nun beinahe so alt ist, wie unser Grundgesetz. Somit bleibt der arbeitsfreie Sonntag ein Thema, dass vielen „wertvoll“ ist, aber nur wenigen „heilig“…

Andreas Stadler

http://www.kolping-bezirk-augsburg.de

Bürgerreporter:in:

Kolping Augsburg aus Augsburg

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