„Wertingen hat eine gesunde Wirtschaftsstruktur“: Ein Interview mit dem Vorsitzenden der Wirtschaftsvereinigung Wertingen, Michael Buhl

Michael Buhl blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück (Foto: Hertha Strauch)
 
Wertinger Nacht (Foto: Stefan Savini)
 
Die WERTA 2013 stieß auf positive Resonanz
myheimat: Herr Buhl, Sie wurden als Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung bestätigt. Glückwunsch! Was sehen Sie als die wichtigste Aufgabe der WV in Wertingen an?
Michael Buhl: Den Wirtschaftsstandort Wertingen zusammen mit der Stadt begleiten und fördern. Hier gilt es, ideale Bedingungen für die Ansiedlung weiterer Gewerbebetriebe zu schaffen, sowie die Stärkung des Einzelhandels in der Innenstadt zu optimieren. Ein für mich persönlich wichtiges Moment ist auch die Einbeziehung von Unternehmen aus dem südlichen und nördlichen Zusamtal, besonders getroffen hat sich für mich die Auflösung der Wirtschaftsvereinigung Buttenwiesen. Hier könnte auch ein Zusammenschluss möglich sein. Wertingen hat eine gewachsene und gesunde Wirtschaftsstruktur neben mehreren Großunternehmen haben wir eine gesunde Mischung aus produzierendem Gewerbe, Handel und Handwerk, aus Dienstleistung, Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Verwaltung, welche breit und krisensicher aufgestellt ist. Daneben ist unser Angebot an schulischen, gesundheits- und gastronomischen Anbietern sehr vielschichtig. Das und die Erschließung neuer Baugebiete wecken das Interesse an Neuansiedlungen. Die Nähe zu Augsburg und den nicht weit entfernten Urlaubsgebieten gilt als guter Standortfaktor.

myheimat: Im myheimat-Jahrbuch Interview 2012 sprachen Sie von Maßnahmen für generationenfreundliches Einkaufen. Hat sich in diesem Bereich etwas getan?
Michael Buhl: Wie damals erklärt, wird man sich mittel- und längerfristig damit beschäftigen müssen. Als Beispiel darf ich hier das Rathaus nennen. Hier arbeitet man an einem entsprechenden Konzept, da die momentan vorhandenen Zugänge keine Barrierefreiheit gewähren. Bei vielen Geschäften ist ein schwellenfreier Einkauf möglich, jedoch ist ein Umbau noch nicht überall realisierbar. Sicherlich wird man bei zukünftigen städtebaulichen Veränderungsmaßnahmen Derartiges berücksichtigen.

myheimat: In diesem Jahr fand bereits zum 8. Mal die Gewerbeausstellung WERTA statt. Wie haben Sie die WERTA erlebt? Hatte die Ausstellung einen positiven Effekt für die Gewerbetreibenden?
Michael Buhl: Da sich unser Unternehmen an der Ausstellung beteiligte, war ich stets vor Ort. Das Ausstellungsgelände mit Einbezug des Schlosses, der angrenzenden Parkanlagen und Schulen schafft einen besonderen Anreiz zum Besuch, der zu einem Erlebnis wird. Sehr gut wurde die zeitliche Verlegung vom Frühjahr auf den Herbst unter Einbeziehung des Feiertages angenommen. Die vier zusammenhängenden Ausstellungstage sowie der kostenfreie Eintritt wurden sowohl von den Ausstellern als auch von den Besuchern honoriert. Für viele Gewerbetreibende gilt bestimmt die Aussage eines Ausstellers: „Man hat viel gsehn, jetzt weiß i Bscheid, koffa tu i später“. Die Aussteller sind sich einig, dass diese Regionalmesse 2017 wiederholt werden muss.

myheimat: Seit einiger Zeit kommt es zu Abwanderung von Geschäften in der Badgasse. Neue Einzelhändler fehlen. Gibt es bereits konkrete Pläne, wie man das Sorgenkind Badgasse wieder beleben könnte?
Michael Buhl: Wir dürfen nicht unbedingt von einer Abwanderung sprechen, sondern vielmehr von einer Suche nach Neuorientierung für einen anderen Standort. Die Entscheidung des Einzelnen ist hier zu respektieren. Wir sehen diese Problematik als eine sehr dringliche Aufgabe an. Die Badgasse ist keine Haupteinkaufsstraße, sondern einer Nebenlage zuzuordnen, was jedoch nicht negativ ist. Ein großer Einbruch entstand sicherlich durch die Beendigung des seit Jahrzehnten familiengeführten und traditionell hier beheimateten Metzgerei-Handwerksbetriebes. Der Verlust dieses Magneten führte zu einem Einkaufsdefizit in der Badgasse. Außerdem verlegten zwei weitere Handwerksbetriebe ihre Aktivitäten in, wie sie sagten, bessere Marktlagen. Eigentümer, Geschäftsleute, Stadt Wertingen und die Wirtschaftsvereinigung versuchen derzeit zusammen mit der CIMA München, ein Konzept für die Wiederbelebung der Badgasse auszuarbeiten, welches aber nicht von heute auf morgen realisierbar sein wird. Innenstadt und Handel sind einem raschen Wandel unterworfen, zu sehen am Beispiel Badgasse und auch am Marktplatz, wo ein gewisser Leerstand von Geschäften erkennbar ist.

myheimat: Letztes Jahr wurde zum ersten Mal erfolgreich die Wertinger Nacht veranstaltet. In diesem Jahr stand sie unter dem Motto „Märchen“. War die diesjährige Wertinger Nacht märchenhaft für Sie?
Michael Buhl: Die „Wertinger Nacht“ steht für eine neue Generation und Einmaligkeit, da zeitgleich neben kulturellen Veranstaltungen, Ausstellungen und Lesungen auch die Wertinger Geschäfte im innerstädtischen Bereich geöffnet haben dürfen, um die Besucher auch versorgen zu können. Das diesjährig gewählte Motto „Wertinger Märchen Nacht“ traf voll das Interesse der Besucher und insbesondere der Kinder. Einen besonderen Dank möchte ich hier der Stadt Wertingen für ihre Unterstützung und dem Projektteam der Wirtschaftsvereinigung unter Federführung von Herrn Savini aussprechen, welches engagiert das Konzept erarbeitete und zur Realisierung brachte.

myheimat: Seit 2012 darf sich Wertingen „Fairtrade-Town“ nennen. In diesem Jahr kam noch der Titel „Grünes Zentrum“ hinzu. Wie wird das die Wirtschaft in Wertingen beeinflussen?
Michael Buhl: Kurze Wege in der Region und deren Leistungsbündelung verbunden mit einem Ausbildungskonzept in Land- und Forstwirtschaft sind Garanten für das Grüne Zentrum hier in Nordschwaben. Inwieweit es die Wirtschaft von Wertingen beeinflussen wird, lässt sich momentan nicht bewerten. Der Handel wie auch das Image von Wertingen mit seinen Einrichtungen gewinnen bestimmt aufgrund der hier täglich ankommenden Besucher und Schüler.

myheimat: Der Dachziegelhersteller Creaton AG ist seit vielen Jahren in Wertingen ansässig. Die Firma plant für 2014 den Bau eines Schulungszentrums. Was macht Wertingen Ihrer Meinung nach zu einem attraktiven Standort?
Michael Buhl: Ein eventuell zu erstellendes Schulungszentrum hier in Wertingen resultiert bestimmt auch aus den beiden innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft liegenden kompetenten Produktionsstandorten. Ein derartiges Weiterbildungszentrum dient auch sicherlich der Standortsicherung für das Unternehmen. Wir würden eine Projektrealisierung sehr begrüßen. Die Teilnehmer der Fortbildungsveranstaltungen können daneben auf das große Angebot der Stadt, sei es in Sport- und Freizeit, den Einkauf, die vielfältige Gastronomie und Hotellerie sicherlich zurückgreifen.

myheimat: Eine abschließende Frage: Was wünschen sie sich für die Zukunft der Wirtschaftsregion Wertingen?
Michael Buhl: Weitere Integration von Betrieben in neu ausgewiesenen bzw. auszuweisenden Gewerbestandorten, Sicherung des Bestandes an Unternehmen und Schulen und Beibehalt bzw. Ausweitung der Infrastruktur.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Regionalmagazin wertinger | Erschienen am 08.01.2014
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