Grundwasserspiegel des Glaubens heben

Bei der Zusammenkunft des Bischofs mit den Ministranten durften diese sogar den Bischofsstab von Florian Wörner zusammenbauen.
 
Bei der Zusammenkunft des Bischofs mit den Ministranten durften diese sogar den Bischofsstab von Florian Wörner zusammenbauen.
Thierhaupten: Pfarrkirche St. Peter und Paul | Kirche Drei Tage besuchte Weihbischof Florian Wörner die Pfarrgemeinden Thierhaupten, Neukirchen und Baar. Bei der ersten Pfarrvisitation seit dem Jahr 1997 steht ein vielfältiger Austausch an oberster Stelle.

Von Claus Braun

Thierhaupten/Neukirchen/Baar. Drei intensive Tage im Zeichen des Glaubens und der kirchlichen Arbeit erlebten die Pfarreien in Thierhaupten, Neukirchen und Baar vom 8. bis 10. Januar 2016. Bei der sogenannten Pfarrvisitation standen Gottesdienste in allen drei Orten sowie Gespräche und der Austausch von Weihbischof Florian Wörner mit Verantwortlichen der Pfarreien und verschiedenen Gremium im Mittelpunkt.

„Hat man das Bistum im Blick, können sie sich mit ihrer Pfarrei hier in Thierhaupten durchaus sehen lassen“, lobte Weihbischof Florian Wörner während des gestrigen Pontifikalamtes die Gläubigen in Thierhauptens Pfarrkirche St. Peter und Paul. „Hier läuft Vieles gut, sie haben einen engagierte Pfarrer, besuchen viele Gottesdienste, herzlichen Dank dafür“, sagte der 45-jährige, der am 28. Juli 2012 in Augsburg zum Bischof geweiht wurde.

Wörner verschaffte sich seit vergangenem Freitag ein breites Bild, was in den Pfarreien in Thierhaupten, Neukirchen und Baar alles so läuft, und wo es vielleicht Klagen gibt, die er mitnehmen wolle mit in den Hohen Dom nach Augsburg.

Besonders intensiv waren das Gespräch und die Diskussion mit den Damen und Herren des Pfarrgemeinderates. Die zurückgehende Zahl der Kirchenbesucher – in Thierhaupten waren es bei der letzten Zählung am 8. November letzten Jahres an zwei Tagen erschreckend nur 295 Gläubige – bereiten Sorgen und Kopfzerbrechen zugleich. Der Grundwasserspiegel des Glaubens muss wieder gehoben werden, waren sich alle einig. Dies soll nach den Worten des Weihbischofs auch dadurch geschehen, die Auskunfts- und Sprachfähigkeit des Glaubens zu verbessern, gemeinsames solidarisches Handeln zu fördern, die Beheimatung des Glaubens in der Kirche anzustreben und über die Kirche als Familie Gottes gut zu reden.

Angetan von der Begegnung mit dem Bischof zeigte sich Dorothee Schmöger, die in Thierhaupten die Kirchenorgel bespielt. „Alles was er gesagt hat, kam von Herzen“, sagt sie. Im Gesprächskreis der Organisten und Kirchenmusiker gab es kaum Klagen, jedoch wurden die Nachwuchssorgen der Kirchenchöre und die schlechte Beschaffenheit der Orgelbücher angesprochen, die erst im Jahr 2013 neu angeschafft wurden.

Scharfe Kritik musste sich Florian Wörner hingegen von Thierhauptens Kirchenpfleger Leonhard Bögl anhören. Seit über einem Jahr beschäftigt sich die Kirchenverwaltung nämlich schon intensiv mit der Neuanschaffung einer Kirchenheizung mit voraussichtlichen Kosten von 120.000 €. „Die Unterstützung der Diözese war leider nicht optimal und durch die geforderte Einschaltung eines Architekten wurde uns das Heft des Handelns entrissen“, so der Kirchenverwalter.

Sehr interessiert hörte Florian Wörner beim Ortstermin mit dem Personal des kirchlichen Kindergartens in Thierhaupten zu. Leiterin Sieglinde Weidenauer hatte das Gefühl, dass sich der Bischof sehr für die geschilderten Probleme der jungen Familien interessierte. Laut Weidenauer gibt es seit Jahren große Veränderungen zu verzeichnen, da viele Kinder Trennungen der Eltern zu verkraften hätten und auch oft keine Familien-Netzwerke mehr bestünden. Die Erzieherinnen gaben ihm somit auf dem Weg, sich an geeigneter Stelle für mehr Personal einzusetzen, um die immer mehr werdenden erzieherischen Aufgaben auch künftig bewältigen zu können.

Recht entspannt war das Treffen mit den erschienenen Ministranten, die insgesamt in der Anzahl von 77 Mädchen und Buben ihren Dienst in den Pfarreien tun. Souverän nahm er zu den teils kritischen Fragen aus deren Kreis Stellung, ob er das Zölibat noch für zeitgemäß hält, ob es es gut fände, dass Frauen nicht Pfarrer werden können oder wie er sich bereits persönlich in die Arbeit zur Bewältigung der Flüchtlingskrise eingebracht habe. Ausführlich und souverän bekannte sich Wörner zur allgemeinen Stellung der katholischen Kirche und begründete dies ausführlich und verständlich.
Sehr menschlich zeigte er sich bei den Erklärungen seiner Utensilien, die ihn als Bischof kennzeichnen. „Hier blieb keine Frage offen, das hat er sehr gut gemacht“, sagte Ministrant Jonas Pröll nach dem Treffen. Wichtig war Wörner den Kindern und Jugendlichen für ihren Dienst zu danken! „Wenn der Mini-Dienst ordentlich gemacht wird, ist dies wie eine Predigt“, machte er die Wichtigkeit der Tätigkeit besonders klar.

Den Abschluss der dreitägigen Pfarrvisitation bildete der gestrige bereichernde Festgottesdienst und das Pontifikalamt in Thierhauptens Pfarrkirche St. Peter und Paul. Beeindruckend für viele der Gläubigen zeigte sich der Bischoff in den Worten seiner Predigt, wo es um die zentralen Fragen „Wer und was bin ich“ und „Was ist das Ziel meines Lebens“ ging. Er ermutigte die Gläubigen im vollbesetzten Gotteshaus „unseren schönen Glauben mit Freude und Mut zu leben!“ Nicht alltäglich war sicher, dass der Bischoff für seine Predigt spontan großen Applaus erhielt!

Für Weihbischof Florian Wörner ist die Pfarrvisitation aber noch längst nicht beendet. Es folgt die Berichtserstellung, worin neben dem Dank und das Lob für das Engagement der vielen Menschen in allen drei Pfarreien nicht fehlen wird, ebenso ein paar Tipps zur Hebung des Grundwasserspiegels des Glaubens. Darauf freut sich auch Pfarrer Werner Ehnle, der in den letzten drei Tagen starkes gegenseitiges Wohlwollen und Wertschätzung gespürt hat und die Gewissheit, dass seine drei Pfarreien in Augsburg nicht vergessen sind.

Info:
Der katholischen Pfarrgemeinden St. Peter und Paul in Thierhaupten gehören 2.568 Katholiken an, in Neukirchen (St. Vitus) sind es 456 und in Baar (St. Laurentius) 874. Alle drei Pfarreien sind selbstständig und nicht in Pfarreien-Gemeinschaften organisiert. Heuer werden es 30 Jahre, dass alle drei Pfarrgemeinden von Pfarrer Werner Ehnle betreut werden.
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