1. Weltkrieg – Spuren in Thierhaupten

Diese kunstvoll verzierten Vasen schickten Simon Keller und Simon Seefried zu Weihnachten 1914 an ihre Verlobten in der Heimat nach Thierhaupten.
 
Silberhochzeit im Hause Hölzl im Jahre 1917 in Thierhaupten. Links stehend neben ihren Bruder Anton ist Kreszenz und rechts sitzend Klothilde abgebildet, die die Vasen von ihren Verlobten zu Weihnachten 1914 mit der Feldpost von der Front erhielten.
Thierhaupten: Klosterberg (beim Maibaum) | Thierhaupten. Das Erbe der Erinnerung und des Gedenkens an die fürchterlichen Kriege obliegt in Thierhaupten, der einzigen Landkreisgemeinde östlich des Lechs, in erster Linie dem Kameraden- und Soldatenverein, dessen Gründung am 19. März 1874 als Veteranen- und Kriegerverein erfolgte.

Neben dem Kriegerdenkmal am Westeingang der Pfarrkirche St. Peter und Paul, das am 27. Mai 1923 eingeweiht wurde, befinden sich im Vereinsheim in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters als äußeres Zeichen zwei große Ehren-Chroniken, die an den 1. Weltkrieg erinnern. Auch eine Ehrentafel mit schwarz-weißen Einzelporträts der insgesamt 50 gefallenen und vier vermissten Kameraden aus Thierhaupten und den heutigen Ortsteilen Weiden und Ötz, die an der West-, Ost- und Südfront ihren Einsatz für das Vaterland bringen mussten, ziert die Räumlichkeiten. Otmar Krumpholz, 1. Vorsitzender des Kameradenvereins in Thierhaupten, zeigt beim Ortstermin auf eine schlichte Salutkanone: „Als im Ort die ersten Gefallenenmeldungen eintrafen, stiftete der Raiffeisenverein Thierhaupten im Jahr 1915 diese Kanone, um bei den Trauerfeierlichkeiten dem Ehrensalut geben zu können“, so Krumpholz.

Die meisten der 54 Soldaten aus Thierhaupten ließen ihr Leben nach den Worten von Otmar Krumpholz wohl auf den Schlachtfeldern in Frankreich. Davon zeugen auch die historischen Grabmahle, die Andreas Guggenberger abseits auf dem alten Friedhof in der Ortsmitte der Marktgemeinde gesammelt hat. So ist der 31-jährige Anton Herb im Jahre 1916 bei Verdun gefallen und Sebastian Schönberger starb lt. Grabinschrift am 5. April 1918 mit 23 Jahren den Heldentod in Frankreich.

Erinnerungen an die Gefallenen Simon Keller und Simon Seefried zieren das Arbeitszimmer von Altbürgermeister Fritz Hölzl. Um das Jahr 1960 schenkte ihm sein Vater Anton zwei Vasen, die seine Tanten Kreszenz und Klothilde zu Weihnachten des Jahres 1914 per Feldpost von der Front erhielten. In ihrer Freizeit gestalteten beide Soldaten aus Bierflaschen die Vasen als Geschenk für ihre Verlobten zu Hause. Sie schlugen den Flaschenhals ab und klebten dann eine Motivpostkarte, die jeweils ein Frauenporträt und die Deutsche Reichsfahne in schwarz-weiß-rot zeigt, auf. Die Ränder um die Postkarte, der Flaschenhals und der Bodenrand wurden dann mit rotem Kerzenwachs beträufelt und gefasst und mit Goldbronze bestrichen. Ebenso wurde über dem Motivbild das Eiserne Kreuz angebracht und behandelt. Das Eiserne Kreuz ziert fast winzig neben der Jahreszahl 1914 auch eine Königskrone und den Buchstabe „W“, der an König Friedrich Wilhelm III von Preußen erinnert, der das Eiserne Kreuz im Jahre 1813 als Kriegsauszeichnung gestiftet hat.

Abgerundet und verfeinert wurden die Vasen, die selbst der Augsburger Kreisheimatpfleger Prof. Dr. Walter Pötzl in derartiger Ausführung einzigartig hält, mit einem vollständigen Restanstrich in Silberbronze und den Schriftzügen „Gott schütze Dich“ und „Dein ist mein Herz“.

Kreszenz Hölzl (30.12.1892 – 13.03.1957) und Klothilde Hölzl (23.07.1895 – 26.08.1958) blieben nachdem ihre Verlobten nicht mehr heimkehrten zeitlebens ledig und hielten die Vasen im „Glasschrank“ im jeweiligen Austragszimmer des elterlichen Anwesens in höchsten Ehren. Nach einer Anstellung in ihrer Jugend in der Klosterküche bei den Besitzern Theodor und Marie Gruner fand Klothilde Arbeit bei einer angesehenen Herrschaft in München und Kreszenz diente auf Schloß Trunkelsberg bei Memmingen.

In seiner Funktion als Vorsitzender des „Freundeskreis Kloster Thierhaupten“ freut sich Fritz Hölzl über eine weitere Erinnerung an den ersten Weltkrieg. Nach dem Kauf der Klosteranlage durch die Marktgemeinde im Jahr 1983 bekam Fritz Hölzl als damaliger Bürgermeister von der Klostergutsbesitzerin Olga Gruner ein Lazarettbett aus dem ersten Weltkrieg geschenkt. Wie dieses hölzerne Ausziehbett mit gepolsterter Matratzenauflage in den Besitz des Klosters bzw. in die Hände der Familie Gruner kam, erschließt sich Thierhauptens Ehrenbürger jedoch nicht.
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