Fit fürs Fernsehen? Medialisierung von Sportarten

Buchcover von "Fit fürs Fernsehen?" (Foto: (c) Herbert von Halem Verlag)
Stephanie Heinecke hat ihre Dissertation „Fit fürs Fernsehen? Die Medialisierung des Spitzensports als Kampf um Gold und Sendezeit“ im Herbert von Halem Verlag veröffentlicht. Sie beschreibt darin, zu welchen Mitteln Sportarten greifen, um mehr Medienpräsenz zu erhalten. Denn insbesondere TV-Übertragungen bedeuten für eine Sportart bessere Karten bei der Gewinnung von Sponsoren.

Die Medienwissenschaftlerin hat sechs Sportarten unter die Lupe genommen und notiert, inwiefern sich diese an die TV-Logik angepasst haben. Um sich den Medien schmackhafter zu präsentieren, erweitern und optimieren Sportarten ihr Austragungskonzept. Sie neigen zur Professionalisierung und Personalisierung. Doch die größte Stellschraube scheinen die Regeln und Wettkampfmodalitäten zu sein. Die Zählweise wird hin zum Rallypoint (jeder Ballwechsel mündet unabhängig vom Aufschlagrecht in einen Punkt) verändert, die Regeln oder der Modus vereinfacht.Turniere werden in Serien bzw. in Elite-Wettbewerbe, bei denen sich die Besten ihres Fachs im Kampf um hohe Preisgelder messen, eingeteilt. Die Verantwortlichen führen Mixed-Wettbewerbe ein und tendieren bei Turnieren zum Modus Gruppenphase mit anschließendem K.O.-System. Außerdem stellt die Sportbekleidung einen Hebel zur Attraktivitätssteigerung bzw. Sexualisierung einer Sportart und deren Spieler(innen) dar. Die Sportarten werden stärker visuell in Szene gesetzt und bekommen Event-Charakter. Die Anpassung an die TV-Logik kann vereinfacht als „maximale Aktion in minimaler Zeit“ zusammengefasst werden. Je planbarer Live-Übertragungen für die TV-Anstalt sind, je einfacher sie für Zuschauer zu verstehen ist und je spektakulärer sie aussieht, desto höher ihre Chancen auf Sendezeit.

Stephanie Heinecke unterteilt die Sportarten in Verfolger, Verteidiger und Spezialisten. Verteidiger wie Fußball haben bereits ausreichend TV-Präsenz und müssen diese aufrecht erhalten. Verfolger wie Badminton oder Beach-Volleyball bekommen kaum Sendezeit und sind in der Regel gewillt, Maßnahmen zu ergreifen und am Regelwerk zu schrauben, um mehr TV-Präsenz zu ergattern. Spezialisten dagegen sind trotz geringer Medienpräsenz deutlich weniger bereit, Reformen durchzuführen. Grund dafür ist meist nicht nur die mangelnde Telegenität sondern vor allem die Tatsache, dass sich der Sport auch ohne Medien finanziert, wie dies beim Dressurreiten der Fall ist. Nachfolgend werden die sechs untersuchten Sportarten hinsichtlich ihres Medialisierungsgrades zusammengefasst.

Fußball
Fußball ist die unangefochtene Königin der Mediensportarten. Um diesen Status zu behalten und noch mehr Geld aus der Vermarktung und den TV-Rechten zu pressen, entwickelt sich allerdings auch der Fußball ein bisschen weiter. Gerade die Champions League und die Europa League haben zahlreiche Modus-Änderungen erfahren, mit dem Zweck, ein optimiertes, spannendes und vor allem teures Produkt zu verkaufen. Eine streng definierte Kleiderordnung, die umstrittene Torlinientechnik und Regeländerungen (Rot für Blutgrätschen und Notbremsen), sollen das Spiel attraktiver machen und unschöne Bilder vermeiden. Fußball zählt in Stephanie Heineckes Modell zu den Verteidigern.

Weiterlesen, wie es um die Medialisierung von Badminton, Beach-Volleyball, Biathlon, Dressurreiten und Moderner Fünfkampf steht.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 15.02.2015 | 20:41  
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