Fit fürs Fernsehen? Beach-Volleyball

Ein „Verfolger“ in der Einteilung von Sportarten in Bezug auf ihre TV-Präsenz ist gemäß Stephanie Heinecke Beach-Volleyball. Hinsichtlich der Professionalisierung und der Anpassungsbereitschaft an die TV-Logik scheint diese junge Sportart schon weiter zu sein als Badminton. Events werden akribisch durchgeplant; auf der World Tour müssen detaillierte Regeln von Kleidungsvorschriften über Kamerapositionen bis hin zum Catering eingehalten werden. Der Verband weist professionelle Strukturen auf und ist stark auf die Vermarktung von Beach-Volleyball fokussiert.

Trotzdem sinkt die TV-Präsenz, Ausnahme Olympische Spiele. Eine Kooperation mit RTL floppte, ein Magazinformat anstatt Live-Übertragung wäre rückblickend betrachtet sinnvoller gewesen. Seit 2013 sendet und vermarktet der Pay-TV-Sender Sky Beach-Volleyball in Deutschland, vor allem die Smart Beach Tour. Die Deutsche Meisterschaft ist das Final-Event der Turnierserie und wird am Timmendorfer Strand ausgetragen. Sendezeiten sind für die Sportart enorm wichtig, da sie über Sponsoring entscheiden. Dies wiederum ist elementar für Turniere, da beim Beach-Volleyball keine festen „Stadien“ zur Verfügung stehen, sondern häufig Stadtstrände oder Rathausplätze als Austragungsorte fungieren, wobei selten Eintrittsgeld verlangt wird. Hoch dotierte Grand Slam Turniere auf der World Tour nehmen zu, gleichzeitig geht die Turnieranzahl zurück. Mehr Qualität statt Quantität lautet das Motto. Gespielt wird in Gruppenphasen mit K.O.-System. Die Europameisterschaft findet jährlich statt, jedoch mit starken Schwankungen im Modus, beim Teilnehmerfeld und hinsichtlich des Preisgeldes.

Im Gegensatz zum Badminton gibt es in Deutschland keine Liga und kein gemeinsames Kader-Training, da der Konkurrenzdruck unter den Spielern beträchtlich ist. Gemeinsam ist Badminton und Beach-Volleyball die Rallypoint-Zählweise, bei der jeder Ballwechsel unabhängig vom Aufschlagrecht in einen Punkt mündet. Sie verringert die Spieldauer und macht das Spiel planbarer. Derweil schränkt die Verkleinerung des Feldes von 2002 die Angriffsmöglichkeiten ein, denn lange Ballwechsel sind spektakulärer anzusehen. Größere Bälle unterstützen die Telegenität ebenso wie Regelungen für einen zügigen Spielverlauf und kontinuierlichen Spielfluss (weniger Auszeiten, mehr Spielbälle, weniger „Aus“). Ebenfalls zur Telegenität tragen die Handzeichen auf dem Po bei, mit denen sich Teampartner im Beach-Volleyball verständigen. Dies ist umso wichtiger für die Bildgestaltung als dass aufgrund eines Coaching-Verbots beispielsweise kaum Trainer gezeigt werden. Glücklich über die Zooms auf den Po der Spieler(innen), die ebenso wie die knappe Kleidung stark zur Sexualisierung der Sportart beitragen, sind wahrlich nicht alle Beteiligten.

Lesen, wie es um die Medialisierung von Badminton, Biathlon, Dressurreiten und Moderner Fünfkampf steht oder welche Erkenntnisse zur Medialisierung von Sportarten Stephanie Heinecke generell herausgearbeitet hat.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 15.02.2015 | 20:41  
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