Fit fürs Fernsehen? Biathlon

Biathlon hat sich von der grauen Maus des Wintersports zu dessen Vorzeigeprodukt entwickelt. Bei den Olympischen Spielen 1984 hatten die Biathlon-Wettbewerbe praktisch noch keine Zuschauer. Inzwischen ist Biathlon zum populärsten Wintersport im Fernsehen aufgestiegen; die Berichterstattung wurde ausgedehnt und ästhetisch-technisch perfektioniert.

Speziell für das TV konzipiert wurde der Biathlon auf Schalke, bei dem Mixed-Staffeln in einem Fußballstadion gegeneinander antreten. Der Event-Charakter ist stark ausgeprägt, das Interesse der TV-Sender hoch. Weltcup-Übertragungen finden in Deutschland auf ARD, ZDF und Eurosport statt. Die TV-Rechte liegen beim Weltverband, der den Rahmenterminplan gemeinsam mit den Fernsehsendern angeht.

Die Presse wird vom internationalen Verband mit üppigen Informationspaketen versorgt. Die Verantwortlichen stellen den jährlich erscheinenden IBU Biathlon Guide mit Infos zu Veranstaltungsorten, Regeln und Sportlern zur Verfügung. Außerdem gibt es separate Medienhandbücher zu Veranstaltungen wie der WM. Der Verband kümmert sich auch um die Vermittlung von Experten an die Medien, z.B. von Sportmedizinern, die sich im Skisport auskennen.

Biathlon hat sich als Paradebeispiel für Medialisierung herauskristallisiert, erfindet immer wieder neue telegene Formate wie den Massenstart oder die Verfolgung. Diese Wettkämpfe sind durch direkte Duelle spannend bis zum Schluss. Die Einblendung von Zwischenzeiten für die aktuelle Platzierung ist nicht mehr nötig, Massenstart und Verfolgung sind übersichtlich und in Bezug auf die Sendezeit perfekt planbar. Am Veranstaltungsort gibt es überdies klar definierte Werbeflächen (Wer darf wo werben?), die sogar auf Kameraschwenks abgestimmt sind.

Jedoch gibt es auch Kritik von Trainern und Biathleten an der Medialisierung, wie Stephanie Heinecke im Rahmen ihrer Dissertation „Fit fürs Fernsehen“ herausgefunden hat. Die wechselnden Startzeiten sind für den Biorhythmus der Sportler ungünstig. Hinzu kommt die hohe Belastung durch immer mehr Wettbewerbe. Der mediale Ausverkauf droht ebenso wie der Zusammenbuch des Systems bei ausbleibenden Erfolgen. Noch verkraftet Biathlon in Deutschland das Karriereende von Magdalena Neuner, aber wie lange noch?

Lesen, wie es um die Medialisierung von Badminton, Beach-Volleyball, Dressurreiten und Moderner Fünfkampf steht oder welche Erkenntnisse zur Medialisierung von Sportarten Stephanie Heinecke generell herausgearbeitet hat.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 15.02.2015 | 20:41  
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