Guanajuato – Erlebnisse in 2 Tagen

Dies ist keine Skulptur, sondern ein Straßenkünstler.
 
El Pipila bei Tag
 
Chilaquiles zum Frühstück
Zwei Tage lang besuchen wir im März 2016 die Stadt Guanajuato, in der der gleichnamige mexikanische Bundesstaat verwaltet wird. Die Höhepunkte in der Minenstadt sind das Mumienmuseum, die Aussicht von El Pipila, der zum Museum umfunktionierte ehemalige Kornspeicher Alhóndiga de Granaditas, die Ex-Hacienda San Gabriel de Barrera, die monumentale Universität, die zahlreichen Straßenkünstler sowie natürlich der Besuch einer Mine und des benachbarten Inquisitionsmuseums.

Stadtbummel durch bunte Gässchen, vorbei an vielen Skulpturen, Kirchen, Hundescheiße und der 1955 erbauten Universität, die allein durch die Höhenlage und ihre Optik Macht ausstrahlt. Dabei befindet sich am Ende dieser famosen Treppe nur das Verwaltungsgebäude der Uni, wird von Studenten höchstens mal für Zeremonien genutzt. Was gibt es hier nicht alles zu sehen und zu kosten! Direkt an einer stark befahrenen Kreuzung verkauft ein Straßenhändler klein geschnittene Stücke von etwas, das wie Holz aussieht. Könnte Käse sein. Ist aber entweder Mamey oder eine Agaven-Art.

Straßenkünstler lassen sich hier einiges einfallen: Hier verdienen sie ihren Lebensunterhalt nicht nur durch Musik - abends zieht eine Truppe Musikanten durch die Stadt, nachmittags verkaufen die an ihrer Kleidung aus der Zeit der Konquistadoren leicht zu erkennenden Burschen die Karten für das Spektakel. Daneben gibt es unzählige weitere Musiker, die vor allem abends in den Bars spielen. In Guanajuato sichern sich pfiffige Kerle mit aufwändiger Bemalung und opulenter Ausstattung ein gutes Auskommen, wie beispielsweise der Kartenspieler des Todes, der seinen Mitspielern ins Blatt schaut.

Wir besichtigen die Ex-Hacienda San Gabriel de Barrera, genauer: das Herrenhaus mit seinen zahlreichen Schlafzimmern und den vielen Gärten.

El Pipila ragt hoch über Guanajuato. Die Legende, dass der Hüne mit einer Steinplatte auf dem Rücken den Kornspeicher für die Revolutionäre erstürmte, ist wohl ein Volksmythos. Trotzdem begegnet man el Pipila überall in der Stadt und von dort oben hat man eine tolle Aussicht. Wir futtern Churros und genießen den Sonnenuntergang.

Der Besuchermagnet in Guanajuato ist das Mumienmuseum mit 79 Mumien im Originalzustand. Sie wurden so im mineralhaltigen Boden gefunden, nicht konserviert. Unter anderem sind eine Chinesin, ein Franzose und eine unterernährte Schwangere im fünften Monat – das ungeborene Baby ist mit 20 Zentimetern die kleinste Mumie der Welt – zu sehen. Die Warteschlange am Eingang ist tagsüber mehrere Hundert Meter lang, da kommen wir lieber 15 Minuten vor Einlass und hören uns die Spoiler und Gags eines Verkäufers direkt am Eingang an. Irgendwie witzig, selbst wenn man gar kein Spanisch kann.

Alhóndiga de Granaditas: Der Kornspeicher wurde schon wenige Jahre nach Erbauung von den Revolutionären erobert – denn wer über die Nahrung verfügt, der herrscht. Doch der Triumph war nur von kurzer Dauer, wie wir innen erfahren. Die Revolutionäre Miguel Hidalgo, Ignacio Allende, Juan Aldama und José Mariano Jiménez wurden in vier verschiedenen Himmelsrichtungen aufgehängt. Respekt zollt man auch dem Freiheitskämpfer José Maria Morelos, der stets mit einem Piratenkopftuch dargestellt wird. Neben professionellen Wandmalereien, präkolumbischen Briefmarken und Ausstellungsstücken zur lokalen vorspanischen Kultur der Chupícuaro gibt es auch typische Kunst aus Guanajuato zu sehen. Nicht fehlen darf die Geschichte zum mexikanischen Unabhängkeitskrieg, der hier auch durch Zeichnungen von Kindern dargestellt wird.

In der Mine La Valenciana schleppten Minenarbeiter einst 14 Stunden pro Tag 65 Kilogramm schwere Säcke durch schmale Stollen nach oben, meist nur bei Kerzenlicht. Dafür kassierten sie einen Hungerlohn, wenn sie überhaupt Geld und nicht nur Essen bekamen. Als dann Bohrer eingesetzt wurden, sahen sie wegen des aufgewirbelten Staubes keinen Meter weit und ihre Lungen wurden übermäßig in Mitleidenschaft gezogen, sodass die Mineros Blut spuckten. Die Konsequenz dieser harten körperlichen Arbeit unter Ausbeutern: Selbst ihre Nachfahren sind noch verschuldet.

Im benachbarten Museo del Purgatorio y Santa Inquisición erfahren wir allerlei unschöne Foltermethoden und können einige davon sogar zur Demonstration im Ansatz ausprobieren bzw. bekommen (harmlos) veranschaulicht, wie die Gräueltat abgelaufen ist. Besonders viel Geld scheffelte übrigens der Kerkermeister, der 30% des Besitzes der Eingesperrten – meist Bauern, die den Zehnten nicht ablieferten – kassierte; die übrigen 70% gingen an die Kirche.

Zwischen der Mine La Valenciana und dem Museum Purgatorio liegt die opulente Kirche Templo de San Cayetano. Klar, dass sich der Klerus mit der Ausstattung nicht lumpen ließ, schließlich wurden nebenan beträchtliche Mengen Gold und Silber gefördert. Während eine Tonne geförderter Stein im weltweiten Durchschnitt angeblich nur zwei Gramm Edelmetall zu Tage bringt, sollen es in La Valenciana 110 Gramm gewesen sein, sodass in dieser Mine einst angeblich 75% des weltweiten Silbers gefördert wurde.

Typisches mexikanisches Essen in Guanajuato: Zum Frühstück gibt’s Obst und Chilaquiles – das sind frittierte Maistortillas mit Salsa und Käse - mit schwarzem Bohnenmus. Mittags futtern wir Gebäck. Nachmittags speisen wir die Comida de la Dia – das preiswerte Tagesmenü (ca. 3 Euro) in einem Imbiss mit Plastikstühlen und schmutzigen Tischdecken. Was es gibt? Eine Nudelsuppe, wahlweise ein paniertes Hühnchen bzw. Carne Asado, also gegrilltes Schweinefleisch, jeweils mit Pommes, als Getränk Guavenwasser und als Dessert ein kleinen Flan bzw. eine Kugel Nieve. Nieves sind aus Wasser gemachte Speiseeiskugeln, von der Konsistenz mit Schnee vergleichbar und geschmacklich meiner Meinung nach deutlich nach Paletas (Eis am Stiel) und Helados rangierend.


Chronologie meiner Mexiko-Reise 2016:
Etappe 1: Mexico City mit Teotihuacan
Etappe 2: Danza del Volador: El Tajin und Coatepec
Etappe 3: Xico: Mit der Machete durch den Bergnebelwald, Kaffee und ein Kleidermuseum
Etappe 4: Am Catemaco-See auf den Spuren von Apokalypto und Medicine Man
Etappe 5: Villahermosa: Olmeken, Nasenbären und Kakao
Etappe 6: Mundo Maya: Palenque, Calakmul und Uxmal

Reise-Bausteine Mexiko in Eigenregie:
* Guadalajara
* Mehr zum Verkehr in Mexiko mit Schwerpunkt auf Guadalajara
* Yucatan-Trip 2012
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