Mexico City mit Teotihuacan

Xochimilco - Friedhof der Kuscheltiere
 
Wandmalerei von Diego Rivera im Nationalpalast (Ausschnitt)
 
Teotihuacán - Impressionen
Tag 1, Sonntag, 6. März 2016: Mexico City
Die „schwimmenden Gärten“ von Xochimilco sind der erste Programmpunkt auf unserer Reise durch Mexiko. In Stocherkähnen, die Frauennamen tragen, schippern Ausflügler, Touristen und am Wochenende auch jede Menge bierselige Jugendliche durch ein 35 Kilometer weites Netz von Kanälen. Insgesamt umfasst Xochimilco zwar 180 Kilometer, doch für den Touristenverkehr ist nur ein kleiner Teil geöffnet. Wir passieren mehrere Gärtnereien, die teils auf Schildern damit locken, dem geneigten Bootsausflügler Tiere wie Schlangen zu präsentieren. Eigentlich müsste dieses Fleckchen im Süden von Mexico City also „schwimmende Gärtnereien“ heißen. Wobei sie gar nicht wirklich schwimmen, denn es handelt sich um aus Erde und organischen Materialien aufgeworfene, künstliche Inseln.

Am Ufer hängen Kuscheltiere in bemitleidenswertem Zustand an den Bäumen, einige hundert Meter weiter scheint ein Puppenmacher zu wohnen. Außer der hier ansässigen Bevölkerung und den Touristen sind vor allem Händler auf kleinen Kähnen unterwegs, die Ponchos verkaufen, sowie Garküchen, die auf einzelne Happen wie beispielsweise erhitzte Maiskolben spezialisiert sind. Ein Schmuckverkäufer mit einem großen Koffer hat in unserem Stocherkahn Platz genommen und zeigt uns kurz vor Ende des Ausflugs seine durchaus hübschen Waren, ohne jedoch ein Geschäft zu machen. Dafür verdienen die schwarz gekleideten Mariachis, die übrigens aus Guadalajara kommen, ein bisschen an uns. Die Trompeter bleiben auf dem Mariachi-Boot, während Sänger und Klampfer sich auf unserem Kahn ausbreiten und Klassiker wie Cielito Lindo anstimmen.

Nächster Halt: Coyoacán. Wir spazieren durch den Park des Künstlervororts, wo nicht nur Bilder gemalt oder nachgemalt werden, sondern auch Federn künstlerisch mit bunten Motiven versehen werden. Außerdem statten wir der Kirche San Juan Bautista einen Besuch ab, wo an diesem Sonntag eine „Kirmes“ (Fressalien und Kinderspiele, aber keine Karussells) im Kreuzgang stattfindet. Beim Erkundungstrip durch den überdachten Markt stoßen wir unter anderem auf kandiertes Obst, Marzipan-Obst, Mamey und anderes uns bis dato unbekanntes Obst und jede Menge hippe Piñatas (Meister Yoda, Minions). Gut, dass Fahrer Ray bereits für die Eintrittskarten für das Blaue Haus ansteht. Die Warteschlange vor der Heimatstätte des Künstlerehepaars Frida Kahlo und Diego Rivera, jetzt eine Mischung aus Galerie und Museum, kann schon mal 500 Meter lang sein. Überhaupt prangt dem Besucher das Antlitz von Frida Kahlo in Mexico City an jeder Straßenecke entgegen und wird uns auch im Rest des Landes verfolgen.

Am Eingang des Zócalo stehen Männer, die sich folkloristisch bemalt und gekleidet haben, um als Fotomotiv ein paar Pesos zu ergattern. Authentischer geht es wenige Meter weiter zu, wo eine Gruppe, die sich dem Kulturgut ihrer Vorfahren verpflichtet fühlt, in Kleidung aus längst vergangenen Tagen gehüllt, musiziert und tanzt. In der Konditorei Pasteleria Ideal sind jede Menge Torten im ersten Stock ausgestellt. Zócalo kommt von „Sockel“. 1840 sollte ein Denkmal für die Unabhängigkeit aufgestellt werden. Der Sockel (Zócalo) war fertig, das Denkmal wurde nie gebaut. Andere Städte in Lateinamerika haben diesen Begriff für ihren Hauptplatz übernommen. Sockel werden in Mexico City ohnehin häufiger benötigt, denn die mit mehr als 20 Millionen Einwohnern weltgrößte Metropole liegt in einem Erdbebengebiet, sinkt permanent ab und die Gebäude sind bisweilen sehr schief. Selbst ehrwürdige Kirchen neigen sich beinahe in alle Richtungen.

Wir besichtigen die Kathedrale La Metropolitana und den Nationalpalast. Hier hat Diego Rivera auf Wandmalereien praktisch die komplette Geschichte Mexikos verewigt. Außerdem tagte dort einst das Parlament – für den aufgestockten Abgeordnetenapparat ist der Sitzungssaal allerdings inzwischen zu klein. Politik findet nun woanders statt. Ganz in der Nähe des Zócalos bzw. des angrenzenden Alameda-Parks mit seinen Straßenhändlern werfen wir einen Blick auf den Palast der Schönen Künste, den Lateinamerikaturm, Kirchen und einen Eingang der Metro im Pariser Stil, gesponsert von den Franzosen.

Verkehr in Mexico City
Apropos Metro: In der U-Bahn ist ein Drittel der Waggons explizit für Frauen vorgesehen, da sich insbesondere zu Stoßzeiten die Massen in die Bahn drängen und Frauen praktisch überall begrapscht würden. Neben der Metro, die bis zum Stadtrand von Mexico City reicht, gibt es noch Oberleitungsbusse sowie die roten Metrobusse, die im dichten Straßenverkehr der Hauptstadt eine eigene Spur bekommen. Die Türen der Metrobusse reichen nicht bis zum Fahrzeugboden, sondern schließen zirka 80 Zentimeter weiter oben ab, da die Haltestellen erhöht liegen. Zu unserer Überraschung läuft der Verkehr recht gesittet, fast ohne Hupen, ab. Die Prachtstraße Reforma wird in der breiten Mittelspur sonntags für etliche Stunden für den motorisierten Verkehr zur Tabuzone, Fahrräder und Inlineskater haben dann Vorrang.

Zunächst bizarr: Wir fahren links herum in einen mehrspurigen Kreisverkehr, andere Autos fahren rechts herum rein. Warum es trotzdem nicht rummst? Ampeln sorgen dafür, dass nur gegenüberliegende Verkehrsteilnehmer gleichzeitig hineinfahren. Kurios: Es gibt auf viel befahrene Straßen Ampeln, die oben und unten orange blinken, in der Mitte rot. Wie ein Stroboskop leuchtet erst das orangefarbene Duo, dicht gefolgt vom roten Licht. Beachtet wird dieses Signal anscheinend überhaupt nicht. Auch für Fußgänger haben rote Ampeln öfters nur eine untergeordnete Bedeutung. Die grünen Ampelmännchen für Fußgänger laufen und sind mit Sekundenangabe für die Grünphase ausgestattet. (Mehr zum Verkehr in Mexiko.)

Tag 2, Montag, 7. März 2016: Teotihuacan und Basilica de Guadalupe
Am zweiten Tag in Mexico City zieht es uns zur Basilica de Guadalupe. Ein Kreuz rettete einst das Marienbild vor einem Bombenanschlag. Nun fahren Besucher in der neuen Basilica de Guadalupe auf dem Rollband an diesem Marienbild vorbei. Rund um die Uhr halten Priester Messen ab, ungeachtet der Touristenströme im Gotteshaus und den Warteschlangen reuiger Sünder vor den Beichtstühlen. Hier auf dem Gelände rund um die Basilika zeigt sich einmal mehr, dass Mexico City, geprägt von Erdbeben, absinkt. Denn Kirchen sind nicht nur von außen schief, teils neigen sie sich an unterschiedlichen Stellen auch in verschiedene Richtungen.

Kaum sind wir aus der Hauptstadt gefahren, drängen sich bunte Häuser in unser Blickfeld. Einst waren die Bauten einfacher Menschen alle grau, doch die Politiker wollten einen farbenfrohen Anblick. Also strichen Sie den Menschen quasi als Wahlversprechen die Häuser in der Farbe ihrer Partei. Mittags speisen wir erstmals Sopa Azteca – eine rötliche Suppe, in die der Hungrige selbst Avocado, Käse, schwarze Chilis und Chicharrónes (in heißem Fett herausgebackene Schweineschwarte) untermengt. Als Dessert gönnen wir uns Kaktusfeige mit Schokonussmix, zum Trinken gibt es vergorenen Agavensaft, genannt Pulque. Heute in der Geschmacksrichtung Feige. Wie ich später in Guadalajara erkenne: Pulque mit Bananengeschmack mundet mir weitaus besser. Auf mexikanischen Tellern landen übrigens auch Nopales, das sind die Blüten von Opuntien, mit Käse aufgemotzt.

Die Spanier verdienten sich einst eine goldene Nase mit Opuntien bzw. der auf ihnen lebenden Blattschildläuse. Drückt man diese weißen Kreaturen nämlich aus, liefern sie rote Farbe. Diverse Pflanzen sorgen für andere Farben. Eine weitere Pflanze spendet einen „Lack“, mit dem man über die Farben streicht, sodass sie nicht abfärben. Wir werden in Teotihuacan Zeuge des Gewinns dieser natürlichen Farbstoffe. Seit 1988 stehen die Bauwerke auf der Welterbe-Liste der UNESCO. Bereits die Azteken fanden das seit 750 nach Christus verlassene Teotihuacan als Ruinenstadt vor. Nicht alle Teilnehmer unserer Reisegruppe trauen sich den Aufstieg auf die 65 Meter hohe Sonnenpyramide zu. Schade, denn der Ausblick ins Tal lohnt sich. Die 46 Meter hohe Mondpyramide darf der Besucher nur den untersten Abschnitt hinaufsteigen.


Chronologie meiner Mexiko-Reise 2016:
Etappe 2: Danza del Volador: El Tajin und Coatepec
Etappe 3: Xico: Mit der Machete durch den Bergnebelwald, Kaffee und ein Kleidermuseum
Etappe 4: Am Catemaco-See auf den Spuren von Apokalypto und Medicine Man
Etappe 5: Villahermosa: Olmeken, Nasenbären und Kakao
Etappe 6: Mundo Maya: Palenque, Calakmul und Uxmal

Reise-Bausteine Mexiko in Eigenregie:
* Guadalajara
* Guanajuato
* Auf den Spuren der Mayas: Yucatan-Trip 2012
* Mehr zum Verkehr in Mexiko mit Schwerpunkt auf Guadalajara
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