El Tajin, Papantla, Coatepec und Texolo-Wasserfall

El Tajin - Nischentempel (Rückseite)
 
Obsthändler verkaufen ihre Ware in Coatepec direkt von der Ladefläche ihres Pick-Ups.
 
Rosenkranz-Verkäufer auf dem Weg zum Texolo-Wasserfall.
Tag 3, Dienstag, 8. März 2016: El Tajin und Papantla
Wir verlassen Mexico City in Richtung Papantla. In El Tajin, kurz vor dem Tagesziel, gibt es neben der archäologischen Stätte der Tajin-Kultur ein immatrielles Weltkulturerbe zu bestaunen: den Danza del Volador. Dieses Fruchtbarkeitsritual der Totonaken – ein heute noch existierendes indigenes Volk – hat die spanische Eroberung überdauert, da die Invasoren den religiösen Zweck des akrobatischen Treibens nicht erkannt hatten.

Für den Danza del Volador klettern fünf Männer auf einen rund 25 Meter hohen Holzpfahl, der eigentlich jedes Jahr frisch gefällt und aufgestellt wird. In El Tajin wird dieses Spektakel allerdings täglich aufgeführt, sodass hier eine 28 Meter hohe Metallstange zum Einsatz kommt. An ihrer Spitze ist eine an ein Storchennest erinnernde, drehbare Plattform angebracht, auf deren Seiten sich vier Männer verteilen. Sie symbolisieren die Winde. Der fünfte Totonake erklimmt den Pfahl zuletzt. Er stellt mit Einhandflöte und Handtrommel ausgerüstet die Sonne dar. Er setzt sich gen Osten und beginnt, seine Instrumente gleichzeitig zu spielen, während die vier Winde sich drehend ein Seil um den Unterleib wickeln. Schwindelfrei tanzt und spielt „die Sonne“ auf der Spitze ohne sich festzuhalten und wendet sich den vier Himmelsrichtungen nacheinander zu. Kopfüber lassen sich die vier Voladores in 13 Drehungen auf die Erde hernieder – in El Tajin sind es einige Umdrehungen mehr. Sobald sie festen Boden unter ihren Füßen haben, klettert der Musikant hinunter.

Restaurant-Tipp: Plaza Pardo
Abends blicken wir ohne Reiseleiterin und ohne Spanisch-Kenntnisse vom Balkon des wohl besten Restaurants Plaza Pardo am Zócalo direkt auf den Ortskern von Papantla, das nur von wenigen Ausländern besucht wird. Der Holzboden im ersten Stock wird gerade während der Öffnungszeiten neu verlegt und kurz nacheinander kreuzen zwei Mariachi-Gruppen an unserem Tisch auf. Begeistert sind wir von der Bedienung, die zwar kein Wort Englisch geschweige denn Deutsch spricht, aber einen tadellosen Job macht. Hierzu muss man wissen: In Mexiko gibt es in der Regel nur eine Rechnung pro Tisch, die dann von einer Person beglichen wird. Und: Touristen in Reisegruppen ändern erfahrungsgemäß gerne mittendrin ihre Bestellungen (was sich in dieser Gruppe glücklicherweise stark in Grenzen hielt), wobei es aufgrund von Sprachbarrieren dabei oftmals zu Verständigungsproblemen und entsprechenden Ergebnissen auf dem Teller und im Glas kommt. Bei unserer Erstbestellung, die ein erstes Getränk pro Person sowie in einigen Fällen eine Speise umfasst, geben wir an, welche Paare für eine separierte Rechnung zusammengehören. Nicht nur, dass unsere Bedienung alle Erstbestellungen korrekt notiert und sie vor dem Gang in die Küche wiederholt – die junge Dame liefert auch alles richtig aus, kommt auch mit vereinzelten Getränkebestellungen zwischendurch klar und kassiert am Ende ohne einen einzigen Fehler mit einwandfreien Einzelrechnungen ab. So etwas klappt nach meinen Erfahrungen mit Reisegruppen im Ausland schon selten genug, wenn ein Reiseleiter übersetzt oder man sich behelfsmäßig auf Englisch verständigt. Aber ohne jeglichen gemeinsamen sprachlichen Nenner und ohne Vermittler – noch dazu in einem Ort, in dem die Touristen in der Regel nur Mexikaner sind – einen perfekten Service abzuliefern, erfordert Organisationstalent und Motivation.

Tag 4, Mittwoch, 9. März 2016: Coatepec und Texolo-Wasserfall
Wir erhalten in Coatepec eine Führung durch den privaten Orchideengarten Museo Jardin de Orquideas, der direkt neben einer Schule liegt. Bälle, die über die mit Stacheldraht gespickte Mauer fliegen, sammeln sich unter einem Baum. Ähnlich wie bei uns in Kindertagen der Garten einer Nachbarin scheint auch der Orchideengarten ein Grab für rundes Kinderspielzeug zu sein. Anschließend bummeln wir durch das „magische Dorf“ (Pueblo Mágico) Coatepec. Ein Schuhputzer am Zócalo mit Schnauzer und coolem Westernhut füttert ein Eichhörnchen mit Nüssen, auch die Raben und Tauben kriegen was ab. Obsthändler bieten ihre Früchte direkt auf der Ladefläche eines Pickups feil. Polizei und Fuerza Civil überall, teils auf Quads unterwegs, immer mit Schusswaffen im Anschlag, in schwarz gekleidete Polizisten mit Dreieckstüchern vorm Gesicht. Während der Rest der Gruppe in einem Lokal am Zócalo einkehrt, streune ich alleine weiter: Beiße Paleta de Guanabana, probiere in einem Innenhof-Laden Leckereien (schokolierte Kaffeebohnen, Likör) – von einer euphorischen jungen Verkäuferin herumgeführt, die immer wieder erklärt, was dies und das ist, obwohl klar ist: Der Kunde spricht kein Spanisch.

Nach kurzer Weiterfahrt zum nächsten „magischen Dorf“ Xico nutzen wir die Wanderung zum Texolo-Wasserfall als „Trainingslager“ für den nächsten Tag. Erst geht es über eine Brücke, wo ein älterer Mexikaner Rosenkränze aus Kaffeebohnen an seinem Verkaufsstand – einer Schubkarre – anbietet und mit unserer Gruppe ein gutes Geschäft macht. Dann geht es einen gut ausgebauten Pfad auf und ab bis zu einem tollen Aussichtspunkt, von wo aus man den Wasserfall sehen kann und knapp unter dem Himmel die Brücke, von der wir gekommen sind. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen wir auf der Terrasse des Restaurants mit herrlichem Ausblick auf die grüne, weit hinabreichende Landschaft. Während sich die Mitreisenden überwiegend frisch gepressten Orangensaft gönnen, probiere ich rosafarbenes Mamey-Eis, das direkt in der Schale dieser Frucht serviert wird. Schmeckt cremig, nach Vanille gemischt mit Erdbeere und Tamarinde? Abends in Xico trinken wir Sarsa Parilla – einen Saft, der aus einer Erdwurzel gemacht wird.


Chronologie meiner Mexiko-Reise 2016:
Etappe 1: Mexico City mit Teotihuacan
Etappe 3: Xico: Mit der Machete durch den Bergnebelwald, Kaffee und ein Kleidermuseum
Etappe 4: Am Catemaco-See auf den Spuren von Apokalypto und Medicine Man
Etappe 5: Villahermosa: Olmeken, Nasenbären und Kakao
Etappe 6: Mundo Maya: Palenque, Calakmul und Uxmal

Reise-Bausteine Mexiko in Eigenregie:
* Guadalajara
* Guanajuato
* Noch mehr Mayas: Yucatan-Trip 2012
* Mehr zum Verkehr in Mexiko mit Schwerpunkt auf Guadalajara
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1 Kommentar
19.531
Katja Woidtke aus Langenhagen | 18.04.2016 | 16:44  
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