"Ich hätte ihm mehr Courage zugetraut." - Das kann ich nicht sagen!

Ja, der Regenbogen hat auf der anderen Seite für Gunter Sachs geöffnet, dessen Seele so zerrissen gewesen sein muß zwischen seinen Lieben und seiner Entscheidung. Ruhe sanft im Frieden unseres Gottes.
 
Strahlend hell die Farben dieses Friedenszeichen: Herr, schenke unseren aufgeschreckten Seelen immer wieder Deinen Frieden, den uns die Welt nicht geben kann.

Ja, liebe Leserin, lieber Leser,

bei manchen Dingen weiß ich immer nicht,
wie ich darüber denken soll.
was ich dazu sagen will.

Deswegen lasse ich immer gerne
ein wenig Gras über eine Sache wachsen.
Vielleicht verändert sich dadurch mein Bild,
meine Meinung zu der Nachricht,
doch ich weiß immer noch nicht,
was ich denken soll.

Zunächst einmal vorweg:
Des Menschen willen ist sein Himmel.
Ich respektiere immer den Willen eines Menschen,
wenn es andere nicht direkt benachteiligt.

Gunther Sachs hat sich selbst das Leben genommen.
Er schrieb in seinem Abschiedsbrief:
"In den letzten Monaten habe ich durch die Lektüre einschlägiger Publikationen erkannt, an der ausweglosen Krankheit A. zu erkranken. Ich stelle dies heute noch in keiner Weise durch ein Fehlen oder einen Rückgang meines logischen Denkens fest - jedoch an einer wachsenden Vergesslichkeit wie auch an der rapiden Verschlechterung meines Gedächtnisses und dem meiner Bildung entsprechenden Sprachschatzes.
Dies führt schon jetzt zu gelegentlichen Verzögerungen in Konversationen. Jene Bedrohung galt mir schon immer als einziges Kriterium, meinem Leben ein Ende zu setzen. Ich habe mich großen Herausforderungen stets gestellt.
Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten."

Und mein erster spontaner Gedanke war:
"Ich hätte ihm mehr Courage zugetraut."
Doch natürlich wurde ich sofort still,
weil vom hohen Roß des Gesunden
läßt sich das leicht sagen.

Ich habe schon des öfteren Demenz- und Alzheimerkranke
beim Sterben begleitet. Es war immer sehr verschieden.
Zumeist haben diese Krankheiten
das eigentliche Wesen eines Menschen zutage gebracht.
Natürlich waren es für mich erschütternde Begegnungen,
weil ich die Menschen als gesunde kannte,
aber auch begelückende, ja bereichernde Erfahrungen.

Von einem würdelosen Zustand konnte dabei nie die Rede sein,
denn stets waren diese Kranken wohl behütet und bestens umsorgt
in sehr guten Altenheimen untergebracht.
Das Personal war bestens ausgebildet,
mit von Alzheimer und Demenz
betroffenen und auch geschlagenen Menschen umzugehen,
aber Ihnen wurde nicht die Würde genommen.

Mich stört der Formulierung, die Gunter Sachs verwendet: "Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben" wäre für ihn "ein würdeloser Zustand".
Ich denke an die Angehörigen der Demenz- und Alzheimerkranken,
die alles erdenklich tun, um im Sinne des Verwandte dessen Lebensende, dessen letzten Tage möglichst würdevoll zu gestalten.
Sie sehen das als einen Liebesdienst an ihrem geliebten Menschen an.
Und ich denke, unter der Formulierung "der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben" kann ich noch weitere altersbedingte oder krankheitsbedingte oder genetisch bedingte Handikaps fassen.
Und auch hier denke ich,
wie oft sorgen auch an diesen Stellen die Angehörigen für ein würdevolles Leben im Sinne des Betroffenen nach bestem Wissen und Gewissen.

Andererseits verstehe ich voll und ganz, was Gunter Sachs meint,
vor allem aus seiner Position heraus.
Als Millionär hat er die volle geistige Kontrolle über sein Leben.
Obwohl - das stimmt auch nicht.
Er hat Scheitern, Trennung und Verlust erlebt.

Ich habe als nur ganz bedingt Kontrolle auf mein Leben.

Ja, was soll ich nun sagen? Ich weiß es nicht.
Mein Zwiespalt bleibt.

Ich wünsche seiner Seele den Frieden
und seiner Frau und seiner Familie Trost
und den Mut zum Weiterleben
ohne den geliebten Mann und Vater und Verwandte.

Liebe Leserin, lieber Leser,
was meinst Du, was meinen Sie?

Ich jedenfalls wünsche behütete Tage und
niemandem, dass er mal in eine solche Zwickmühle
und Entscheidungsnot kommt,
und wenn doch, dann dass er das Richtige
für sich und seine Lieben tut:
Machen Sie/ Mach es Gut!

Dein/ Ihr Pfarrer Markus Maiwald aus Meitingen

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Jürgen G. O. Stephan aus Peine am 18.05.2011 um 21:11 Uhr  
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