Theater EUKITEA mit Marion-Samuel-Preis 2013 geehrt

Gernot Römer (Laudator), Stephan Eckl (EUKITEA) und Walther Seinsch (Preisstifter) (v. li.)/ Foto: Marcus Merk (AZ) (Foto: Marcus Merk (AZ))
Am vergangenen Donnerstag verlieh die Stiftung Erinnerung Lindau Theater EUKITEA den Marion-Samuel-Preis für das Projekt „Sophie Scholl, innere Bilder.“ Diese Auszeichnung wird an Personen oder Institutionen verliehen, die sich „auf besonders wirkungsvolle Weise gegen das Vergessen, Verdrängen und Relativieren der von Deutschen in der Zeit des Nationalsozialismus begangenen Verbrechen wenden“. Das Preisgeld von 15.000 Euro wird EUKITEA direkt wieder in das Projekt investieren, um „Sophie Scholl, innere Bilder“ an möglichst vielen bayerischen Schulen vorführen zu können.

Am Donnerstagabend war der Goldene Saal im Augsburger Rathaus hell erleuchtet, auf den Stühlen saßen neben Vertretern aus Politik und Presse, EUKITEA-Freunde und junge Fußballerinnen und Fußballer des FC Augsburg. Gleich zur Begrüßung brachte Oberbürgermeister Kurt Gribl das Motto des Abends auf den Punkt: Erinnerung an frische, junge Menschen weiterzugeben.

In seiner Ansprache warnte Preisstifter Walther Seinsch vor der Gefahr, die linke und rechte Extremparteien für die Demokratie darstellten. Sobald wir zuließen, dass Politiker beispielsweise den Euro und die Europäische Union infrage stellen, gefährdeten wir unsere eigene, sichere Zukunft, warnte Seinsch. Er sei fest davon überzeugt, dass Europa unsere Lebensversicherung, unser Garant für Frieden und Wohlstand sei, so der Präsident des FC Augsburg. Seine Botschaft vor allem an die jüngeren Zuhörer lautete: „Wir müssen aufpassen. Wir sind nicht schuldig, aber verantwortlich, dass es nicht wieder so kommt.“

Ganz anders begann die Laudatio von Gernot Römer, dem ehemaligen Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen. „Ein Theater in Diedorf, ist das möglich?“, lautete seine Frage. Anschließend umriss er die knapp 30-jährige Geschichte des Theaters EUKITEA und würdigte das Engagement von Theaterleiter Stephan Eckl und dem gesamten EUKITEA-Team.

Einsetzen für Offenheit und menschliches Miteinander


In seiner Dankesrede erläuterte Stephan Eckl, warum er in Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Sandra Pagany und seinem Kollegen Claudio Raimondo das Stück entwickelte: „EUKITEA erinnert in seiner Theaterproduktion „Sophie Scholl, innere Bilder“ an diese Zeit, in der Freiheit, Menschlichkeit – ja eine sinnvolle liebende Lebensgestaltung – scheinbar unmöglich gemacht wurden. EUKITEA erinnert an die Kraft der Menschen, die in dieser Zeit mit all ihrem Herzblut, mit all ihre Überzeugung für das Gute unter Einsatz ihres Lebens gekämpft haben.
Stellvertretend dafür steht Sophie Scholl, eine junge Frau, am Lebensende nicht einmal 22 Jahre alt. Sie steht für Mut, für entschlossenes Handeln gepaart mit einem liebenden Herzen.
Es ist EUKITEA an tiefes Anliegen, diese charismatische Gestalt für junge Menschen unserer Zeit sichtbar und nacherlebbar zu machen. Um aus dieser Erinnerung neuen Schwung und Motivation für die eigene Lebensgestaltung zu erlangen. Sich einzusetzen für Offenheit und menschliches Miteinander und die Augen zu öffnen für das Wunderbare dieser Welt.“


Das Theaterstück „Sophie Scholl, innere Bilder“


Gemeinsam erarbeiteten Sandra Pagany und Stephan Eckl das Stück aus Tagebucheinträgen und Briefen der jungen Widerstandskämpferin, so dass 95 Prozent der Texte der Originalsprache Sophie Scholls entsprechen. In starken Bildern, intensiven Klangwelten und mitreißenden, poetischen Texten zeigt die EUKITEA-Inszenierung das Leben dieser „ganz normalen“ jungen Frau, die durch ihren Mut und ihre Sehnsucht nach Sinn und Freiheit zur herausragenden Gestalt wurde. Sophie Scholls Vermächtnis ist ein Aufruf an alle Menschen, achtsam, lauschend und engagiert den eigenen Lebensweg zu gehen und sich, allen Widrigkeiten zum Trotz, einzusetzen für die Gestaltung einer Gesellschaft, die auf Freiheit und einer liebevoll-empathischen Grundhaltung beruht.
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