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Friede und Freiheit - Meitingens Bürgermeister Dr. Michael Higl im mh-bayern-Interview

Meitingens Bürgermeister Dr. Michael Higl
 
Hebauf beim TSV Herbertshofen (Foto: Franz Gump)
 
Die Sport- und Ballspielhalle wird saniert
 
Kindergarten Meitingen
 
Neubau "Wohnen am Fiakerpark"
mh bayern: Blicken wir zurück auf den Anfang des Jahres. Beim Neujahrsempfang leiteten Sie Ihre Rede ein mit der Frage: „Was wünscht man sich für die Zukunft?“. Sind Ihre Wünsche für dieses Jahr bezüglich der Marktgemeinde in Erfüllung gegangen?

Dr. Michael Higl: Beim Neujahrsempfang sprach ich an, dass „Friede und Freiheit“ die großen Ziele sind, die unser Handeln prägen sollten, Ziele, die in unserer Gesellschaft zwar allgemein akzeptiert sind, aber auch angesichts unserer guten Lage in Erinnerung gerufen werden müssen. Mit den Stolpersteinen, die wir im November mit dem Künstler Gunter Demnig im Gedenken an die Meitinger Bürger Dr. Max Josef Metzger, Josef Ruf und Michael Lerpscher gesetzt haben, wurde uns vor Augen geführt, dass das Handeln nach eigenen Überzeugungen und eine eigene Meinung vor 70 Jahren mit dem Tode bestraft wurde. Aus dieser Sicht müssen wir in der besinnlichen Adventszeit dankbar für unsere Situation sein.

Politisch haben wir uns eine Vielzahl an Projekten vorgenommen und auch das allermeiste auf den Weg bringen können. Viele Menschen haben sich für den Markt Meitingen im letzten Jahr wieder als Wohnort und Ort für Investitionen entschieden. Dieses Vertrauen in unseren Markt freut mich, es zeugt von Optimismus, den ich teile.

mh bayern: Wenn Sie das Jahr 2012 gedanklich Revue passieren lassen: Welche drei Projekte waren besonders erfolgreich und was waren die drei größten Herausforderungen in diesem Jahr?

Dr. Michael Higl: Wir halten viel von Netzwerken, die Menschen mit ihren vielfältigen Bedürfnissen Hilfe und Unterstützung bieten, aber auch viele Möglichkeiten zum eigenen Engagement füreinander bieten und fördern. Gerade das Miteinander macht eine starke Gemeinschaft aus, nicht nur die staatlichen Angebote. Die drei Beispiele verfolgen dieses Ziel:

Mit dem Neubau „Wohnen am Fiakerpark“ haben wir verschiedene Ziele erreicht: Neben dem sehr gefragten Angebot an barrierefreien Wohnungen stärken wir gemeinsam mit der SGL den Forschungsstandort Meitingen. In acht Wohnungen werden künftig Gäste der SGL für die Dauer ihrer Aufenthalte Unterkunft finden. Eine weitere Komponente des Fünf-Millionen-Baus ist ein Standort für unser Seniorenprojekt, das der Markt Meitingen gemeinsam mit der Geschwister-Jess-Stiftung finanziert. Hier soll das Angebot für Senioren vernetzt und ausgebaut werden.

Die Tagesstätte für psychische Gesundheit beim Freibad haben wir sehr schnell auf den Weg gebracht: Nachdem vom Bezirk Schwaben der Zuschlag für Meitingen erging, haben wir sofort gehandelt. In wenigen Wochen konnten wir ein Konzept erarbeiten. Im Oktober war Spatenstich für den Anbau, in den die Tagesstätte einziehen und schon im Juni 2013 ihre Arbeit aufnehmen wird.

Unser Netzwerk für Jugend und Familien bauen wir seit über zehn Jahren beständig aus und passen das Angebot den Bedürfnissen an. Seit September kommt das Familienzentrum auch in die Grundschulen – ein zusätzliches, wertvolles Angebot, das wir mit weiteren rund 15.000 Euro finanzieren.

mh bayern: Zwei große Themen rund um den Schlosspark waren 2012 von Bedeutung: Zum einen gab es wieder eine Krähenplage mit daraus folgender Vergrämung, zum anderen soll der Park einer „Frischekur“ unterzogen werden. Welche Bilanz ziehen Sie und welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Dr. Michael Higl: Grundsätzlich konnten wir zeigen, dass die Krähen mit Greifvögeln vergrämt werden können. Voraussetzung für einen langfristigen Erfolg ist allerdings, dass die Vögel an einem anderen Ort geduldet werden. Wenn sie dort gestört werden, kehren sie schnell in den Park zurück. Daher werbe ich für Akzeptanz in Außenbereichen. Unsere bisherigen Aktionen haben den Bestand im Park von 250 Paaren auf 90 Paare im Schloßpark reduziert, ohne dass sich neue innerörtliche Splitterkolonien etabliert hätten. Um diesen Weg weitergehen zu können, brauchen wir Alternativstandorte. Daran hängt der langfristige Erfolg.

Im Park gibt es zahlreiche Bäume, die aufgrund ihres Alters und wegen Krankheitsbefalls nicht mehr verkehrssicher sind - zwei Bäume sind bei Stürmen bereits umgestürzt und zahlreiche Äste gefallen. Gemeinsam mit einem Landschaftsarchitekten und der Fachberatung des Landkreises Augsburg haben wir ein Konzept für eine Parkverjüngung entwickelt. Ziel ist es, den ursprünglichen Charakter des Parks mit Schatten- und Lichtzonen herauszuarbeiten und die Achse Hauptstraße – Rathausplatz zu betonen. Besonders charakteristische Bäume wie beispielsweise die alte Ulme werden durch Auslichten mehr zur Geltung kommen. Aufgrund der Krähenbrutzeit finden die Fällarbeiten in Absprache mit der Regierung von Schwaben noch im Dezember statt, bevor die Vögel wieder in den Park kommen.

mh bayern: Einige Großbaustellen fanden in diesem Jahr ihr Ende: Die Sanierungen und Bauarbeiten an der Realschule sind fertig und das neue Gemeindezentrum der Johannesgemeinde steht. Welche Pläne gibt es für 2013?

Dr. Michael Higl: 2013 wird vor allem die Kinderbetreuung im Vordergrund stehen. Wir konnten stets gewährleisten, dass wir ein Betreuungsangebot entsprechend der Nachfrage bieten. Um dieses Ziel auch weiterhin erreichen zu können, brauchen wir den Neubau einer Krippe als Erweiterung des Kindergartens Meitingen sowie einen Ausbau des Horts an der Grundschule. Trotz eher rückläufiger Kinderzahlen steigen die Bedürfnisse im Bereich der Ein- bis Dreijährigen sowie in der nachschulischen Betreuung enorm, die Buchungszeiten verlängern sich, die Anzahl der Mittagessen nimmt zu und auch der Anteil an besonders förderbedürftigen Kinder wird größer. Daher müssen wir rasch reagieren: Im Hauhalt 2013 finden sich 2,5 Millionen Euro dafür.

Ein weiterer Schwerpunkt wird der Entsorgungsbereich sein: Wir modernisieren den Faulturm der Kläranlage und bauen ein Blockheizkraftwerk, das das anfallende Gas zur Strom- und Wärmeerzeugung für die Anlage nutzt: Über eine Million Euro wird in dieses Vorzeigeprojekt investiert. Mehrere Bürger werden den lang ersehnten Neubau des Wertstoffhofs bemerken: Zwischen Meitingen und Waltershofen haben wir einen aus meiner Sicht idealen Standort für uns sichern können. Für den Bau haben wir nächstes Jahr 660.000 Euro eingeplant, die Detailplanungen und langwierigen behördlichen Verfahren sind bereits am Laufen.

Mit der Sport- und Ballspielhalle setzen wir unseren Sanierungskurs fort, der uns die letzten Jahre vor allem in den Schulen und Kindergärten, im Straßenbau sowie den Versorgungsleitungen aktiv werden ließ. Über das bloße Sanieren hinaus möchten wir dabei eine nach heutigen Standards moderne Sporthalle schaffen; wir rechnen in den nächsten beiden Jahren mit bis zu vier Millionen Euro Finanzbedarf. Neben unserer kontinuierlichen Unterstützung der Vereine kann ich für das kommende Jahr besonders die Unterstützung des TSV Herbertshofen bei seinem Neubau herausstellen.

mh bayern: Nach langen Diskussionen ist das Windrad in Langenreichen nun beschlossene Sache. Die Interessensgemeinschaft für ein lebenswertes Langenreichen kündigte bereits an, die Lärmwerte genau zu überprüfen. Rechnen Sie künftig mit „Gegenwind“ seitens der Interessensgemeinschaft? Wie ist die Stimmung allgemein in Meitingen hinsichtlich des Windrades?

Dr. Michael Higl: Nach langer Diskussion haben wir im Februar unser gemeindliches Einvernehmen zum Windrad mit großer Mehrheit gegeben. Dabei ging es um die baurechtliche Sichtweise, für die der Markt zuständig ist. Die Sachlage war dabei eindeutig: der Gesetzgeber erlaubt den Kommunen nicht, sich nur ablehnend zu positionieren. Der Antragsteller hat ein Recht darauf, entsprechend der Vorschriften behandelt zu werden.

Fragen wie Lärm oder Schattenschlag werden vom Landratsamt, nicht vom Markt Meitingen, bewertet. Im September erging die Genehmigung mit den entsprechenden Auflagen, die eingehalten werden müssen.

Die Kommunen haben die Möglichkeit, Konzentrations- und Ausschlussflächen für Windkraft auszuweisen. Die dafür nötigen, sehr aufwändigen Untersuchungen und Verfahren haben wir in den letzten beiden Jahren durchgearbeitet. Im November 2012 haben wir diese abgeschlossen. In der Konsequenz können wir heute sagen, dass wir Klarheit geschaffen haben. Das erste Windrad im Landkreis wird im Markt Meitingen entstehen, ein Wildwuchs in unserem Gebiet ist aber für die Zukunft ausgeschlossen; beispielsweise bleibt der Süden und Westen Langenreichens frei von Windrädern.

Ich habe den Eindruck, dass diese Lösung zwar nicht jeden Bürger zu hundert Prozent begeistert, doch als Mittelweg zwischen den konträren Positionen akzeptiert wird. Auf jeden Fall haben wir jetzt klare Grundlagen, die das Thema regeln.

mh bayern: Feststeht, dass der alte Meitinger Ortskern bewahrt werden soll. Allerdings gab es im Marktgemeinderat Diskussionen darüber, inwiefern es Vorschriften für Neubauten geben darf, damit diese sich zwar ins Ortsbild einfügen, jedoch die Bauherren nicht zu sehr reglementiert werden. Am Ende gab es den einstimmigen Beschluss, für den Ortskern einen „einfachen Bebauungsplan“ aufzustellen. Was genau heißt das?

Dr. Michael Higl: Wir geben Leitplanken vor, wie die künftige bauliche Entwicklung weitergehen soll. Bei neuen Vorhaben haben Eigentümer und Marktgemeinderat derzeit eine große Unsicherheit, was jeweils genehmigungsfähig ist. Insbesondere die Größe und die Ausrichtung der Gebäude gibt viel Diskussionsstoff. In viel Kleinarbeit hat der Marktgemeinderat im letzten Jahr die Grundlage für klare Leitlinien erarbeitet. Diese werden Sicherheit für den Eigentümer geben und unsere Ziele für unser Ortsbild und die Ortsentwicklung klarlegen. Beispielsweise soll der Charakter der St.-Wolfgang-Straße erhalten bleiben, konzentrierter Wohnungsbau soll nur in den rückwärtigen Bereichen möglich sein.

mh bayern: Meitingens Kinder und Jugendliche freuen sich sicherlich schon auf „ihren“ Platz in der Nordfeldsiedlung, der aufwendig umgestaltet werden soll. Was genau ändert sich dort und wann ist die Fertigstellung geplant? Was wurde darüber hinaus in diesem Jahr für die jungen Bürger Meitingens getan?

Dr. Michael Higl: Jugend und Familie sind in der Summe einer der größten Ausgabenbereiche des Marktes Meitingen. Das geht los in den Krippen, Kindergärten und Hortangeboten. Im Personalbereich sind die über 50 Mitarbeiterinnen unsere mit Abstand größte Sparte. Unser zweiter Schwerpunkt liegt in der Unterstützung der Jugendarbeit der Vereine, denn hier wird auf ehrenamtlicher Basis enorm viel geleistet.

Mit den Angeboten des Familienzentrums und der Jugendsozialarbeit besteht ein umfangreiches Beratungs- und Bildungsangebot, das gerade für Jugendliche eine häufig genutzte Anlaufstelle bietet.

In vielen Gesprächen mit Jugendlichen, insbesondere im Rahmen des Jugendforums, zu dem ich jedes Jahr ins Kino einlade, geht es primär um die weiteren Aufenthaltsorte der Jugend: Das Freibad, die Sporthallen und -plätze, das Minispielfeld an der Mittelschule. Als weiteren Treffpunkt schaffen wir bis zum Sommer 2013 den Platz in der Nordfeldsiedlung: Auf einer Multifunktionsfläche soll neben Basketball und Streethockey im Winter auch Eislaufen möglich sein. Ein Bolzplatz und eine Dirt-Bike-Strecke ergänzen das Angebot. Ich freue mich, dass wir hier in Kooperation mit der Siedlergemeinschaft der Nordfeldsiedlung ein hoffentlich erfolgreiches Konzept umsetzen können. Jährlich geben wir über 55.000 Euro für Spielplätze für die jüngeren Kinder aus, nun erweitern wir auch das Angebot für die Älteren.

Ein weiteres heißes Thema der Jugendlichen ist übrigens die Mobilität: Unsere Verbesserungen im ÖPNV mit dem Rufbus, Nachtbus und dem umfangreichen Zugangebot stützen sich auf viele Anregungen aus dieser Alterschicht; letztlich will man als Jugendlicher auch ohne Führerschein mobil sein.

mh bayern: Erneut die Frage an Sie „Was wünscht man sich für die Zukunft?“ - Ihre Wünsche für Meitingen 2013?

Dr. Michael Higl: Ich wünsche mir für unsere Kommune, dass wir ein friedliches Miteinander auch weiterhin als selbstverständlich erleben können. Im Mai feiern wir 40 Jahre Partnerschaft mit Pouzauges - für mich ist das ein besonderes Ereignis. Die vielen Begegnungen und Freundschaften über die Grenzen hinaus zeugen von einer fruchtbaren Vergangenheit, aber auch als Zukunftsperspektive.

Offenheit und persönliche Kontakte sind für mich der Schlüssel für ein Zusammenleben im Großen wie im Kleinen. Daher wünsche ich mir, dass viele Mitbürger sich auch weiterhin für unsere Gemeinschaft in ihren vielen Facetten einbringen und den Markt Meitingen auch weiterhin so lebenswert machen.

mh bayern: Vielen Dank für das Interview!

Fotos: Markt Meitingen
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Regionalmagazin meitinger | Erschienen am 18.12.2012
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