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Am Hohen Ufer – Hannovers schmucke Leine-Promenade erstrahlt auf historischem Boden in neuen Glanz

Das Stadt-Projekt "Umgestaltung am Hohen Ufer" ist fast abgeschlossen. Eine attraktive Promenade ist neu entstanden.
 
Diese Stadtansicht aus dem Historischen Museum zeigt das mittelalterliche Hannover aus südlicher Richtung. Die Bockwindmühle auf der Bastion, heute im Lönspark, stand westlich des Aegidientores.
 
Das Stadtmodell im Neuen Rathaus zeigt das Hannover von 1689, das kaum anders aussah als das mittelalterliche Stadtbild. Oben die Altstadt, unten die Calenberger Neustadt. Zwischen beiden der Flusslauf der Leine am Hohen Ufer, der beide Stadtbereiche trennte.
Hannover: Am Hohen Ufer | In der niedersächsischen Metropole wird nicht selten an der Leine gebummelt. Und dieses besonders gern „Am Hohen Ufer“ am Rande der Altstadt, und damit auf historischem Boden. An diesem Bereich des Flusses, der sich früher mit verschiedenen Armen in einer Auenlandschaft etwa zwei Kilometer weit ausbreitete, gab es nämlich eine geologische Besonderheit. Der Lindener Berg schob sich wie ein Keil in das Feuchtgebiet hinein und verengte es auf nur 500 Meter. Zusätzlich war zwischen zwei Flussarmen ein Werder, eine Insel, entstanden. Außerdem lag das östliche Ufer erhöht. Damit war dieses die geeignete Stelle, um die Flusslandschaft gut überqueren zu können. Und so kam es, dass hier, im Bereich der heutigen Altstadt und der Calenberger Neustadt, dieses Gebiet schon zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert besiedelt wurde. Vermutlich durch den Germanenstamm der Cherusker.

Etwa Mitte des 10. Jahrhunderts entstand dann am Hohen Ufer ein Handelsplatz. Dort hatte man trockenen Boden unter den Füßen. Dort war man vor den immer wieder auftretenden Hochwassern der Leine sicher. Dort konnte man bedenkenlos seine Handelswaren lagern. Und deswegen entstand dort im 11. Jahrhundert auch ein Herrenhof, dessen Besitzer den Leineübergang kontrollieren konnte.
Diese Furt war es also, die eine Stadt namens Hannover entstehen ließ. Aus dem hohen Flussufer wurde Honovere, später Hanovere und schließlich der heutige Name.

Viel ist vom alten Hannover nicht mehr übrig geblieben. Im 2. Weltkrieg wurde durch die Fliegerangriffe fast die gesamte Innenstadt zerstört, und damit auch die Altstadt. Alles war nur noch ein einziges Trümmerfeld. Wer sich ein Bild davon machen möchte, kann sich die Stadtmodelle im Neuen Rathaus ansehen, von denen ich in diesem Bericht einige Bilder zeige. Eindrucksvoll bezeugen sie, was Kriege anzurichten vermögen. Doch danach wurde wieder aufgebaut. Und so kann man sich bei einem Rundgang durch die Altstadt gut vorstellen, wie sie einmal war und wie es in ihr im Mittelalter und danach einst zugegangen sein mag. Und besonders interessant ist eben das Hohe Ufer an der Leine. Dort verlief einst die Stadtmauer, dort gab es Wälle und breite Wassergräben, und dort gab es nach dem Mittelalter, von zwei Flussarmen umgeben, eine Insel, das so genannte Klein Venedig. Am heutigen Zeughaus des Historischen Museum gab es eine Rampe, an der früher die Pferde zur Schwemme geführt wurden. Auch heute ist sie, wenn auch in anderem Neigungswinkel, noch erhalten. Das Bronzedenkmal „Mann mit Pferd“ von Hermann Scheuernstuhl, das 1957 aufgestellt wurde, erinnert daran.

Dieser steile und schöne Uferbereich, der zum Teil aus der vor 700 Jahren geschleiften Burg Lauenrode, die sich im Bereich der Calenberger Neustadt befand, ab 1541 angelegt wurde, war nun nach dem Krieg in die Jahre gekommen. Wenn man auf der Leinebrücke an der Schlossstraße stand, dann konnte man sehen, wie zur Linken am Leibnizufer die hohe Mauer zum Fluss, früher die Wand der Kelleretagen der schönen Fachwerkhäuser der Leineinsel, in Schieflage geraten war und sich zum Fluss hin neigte. In der Mauer selber waren noch Fensteröffnungen der Kellergewölbe vorhanden, die beim Wiederaufbau zugeschüttet worden waren. Ein Parkplatz befand sich darüber. In der Bildergalerie zeige ich Ansichten der Wand aus dem Jahr 2011 und heute.
Es wurde also notwendig, etwas zu unternehmen, drohte die Wand doch irgendwann einzustürzen. Da am Hohen Ufer sowieso zwei neue Gebäude entstehen sollten, konnte nun das Stadtprojekt „Umgestaltung am Hohen Ufer“ in Angriff genommen werden. Wer interessiert war konnte es seit 2013 beobachten. Immer wieder war ich mal dort und habe mir die Fortschritte der Arbeiten an den verschiedenen Stellen angesehen.
Doch bevor so richtig mit der Sanierung und dem Bau begonnen werden konnte, musste das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz beachtet werden. Danach ist jeder Bauherr bei Bautätigkeiten auf historischem Boden verpflichtet, archäologische Ausgrabungen durchführen zu lassen. Und das war natürlich für die Stadt-Archäologie die Chance, dem Mittelalter des alten Hannover auf die Spur zu kommen. So konnten durch die Baumaßnahmen Ausgrabungen an drei verschiedenen Orten stattfinden. Am Leibnizufer im Bereich der neu zu entstehenden Flussmauer, an der Straße Roßmühle und am Marstall. Dabei wurden viele Artefakte gefunden: Keramiken, Münzen, Murmeln, die einst als Kinderspielzeug gedient haben, ein 500 Jahre alter Schuh, ein Brunnen, Kloaken,  Fundamente der Stadtmauer und natürlich Kellergewölbe der einmal dort stehenden Häuser. Dazu ein ungewöhnlich großer am Hohen Ufer, den dort niemand erwartet hätte. Verkohlte Balken wurden in seinem Inneren gefunden, die bezeugen, dass das Haus einmal komplett abgebrannt war. Könnte dieses beim Stadtbrand im Jahr 1189 geschehen sein, Folge des Krieges Heinrich VI. gegen Heinrich den Löwen? Zumindest ein Teil des Kellers ist erhalten geblieben, ist er doch in die untere Etage des neuen Lokals „Anna Leine“ mit einbezogen.
Immerhin bis in dreieinhalb Meter Tiefe konnten die Archäologen die verschiedenen Ausgrabungsstätten freilegen. Je tiefer sie gruben, desto älter wurden die Stadt-Schichten. Doch damit war dann aus finanziellen und bautechnischen Gründen Schluss. Tiefere Schichten werden späteren Generationen vorbehalten bleiben. Doch das ist nicht verkehrt, schreitet doch das Wissen um neuartige archäologische Methoden immer weiter voran.
Aber danach konnte das in Angriff genommen werden, worauf es eigentlich ankam, die Sanierung und Verschönerung von Leibnizufer und Hohem Ufer. Und nachdem nun vor wenigen Tagen im Gebäude der Volkshochschule das neue Kaffeehaus „Anna Leine“ eröffnet wurde, in dem Menschen mit ohne Behinderung zusammenarbeiten, ein Inklusionsprojekt der Hannoverschen Werkstätten, ist die Sanierung des Leinebereichs fast abgeschlossen. Fehlt nur noch das Stück von der Neuffer-Brücke bis zur Goethestraße, wo sich am Leibnizufer einmal das Clevertor befand. Und auch die Uferfassade des Leineschlosses wird noch mit Sandstrahl gereinigt.

Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im Bereich des Leibnizufers der neuen Flussmauer führt nun eine großzügig angelegte Treppe zum Wasser hinunter. Darüber sind auf einem Platz Bänke aufgestellt, von denen der Blick auf das Hohe Ufer geht. Alles in hellem, freundlichen Sandstein. Und so ist es auch auf der anderen Seite der Leine. Die Hausfassaden sind hell, die Bodenbeläge und Mauern ebenfalls. Dazu Stufen mit Bänken. Junge Bäume, geometrisch angepflanzt und zurechtgestutzt. Die verschiedenen Einkehrmöglichkeiten. Alles das zusammen hat Charme und strahlt viel Flair aus. Leichtes, südländisches Flair. Es macht einfach Spaß, sich an dieser neuen Promenade aufzuhalten. Einfach mal am Fluss entlangbummeln, sich auf einer Bank mit Blick auf die schöne und auch historische Umgebung niederzulassen oder in einer der Lokalitäten einzukehren. Das Projekt „Umgestaltung am Hohen Ufer“ ist zum Großteil abgeschlossen. Es ist ein gelungenes Projekt und es verschönert die niedersächsische Metropole und macht sie noch attraktiver.

Wer mehr über die Historie der Stadt erfahren möchte:

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- Vor 66 Jahren endete der 2. Weltkrieg - Was erinnert heute in Hannover noch daran? Eine Spurensuche

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Romi Romberg aus Berlin | 11.10.2018 | 18:20  
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