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Alltag

   
Charly
Der Alltag hat uns wieder, liebe Leserinnen und Leser, und das ist auch gut so. Ich merke mir selbst deutlich an, dass ich mit Verlusten nicht so gut klar komme. Wahrscheinlich hinterlässt mein Leben hier nun doch so langsam Spuren. Das muss man einfach hinnehmen - kein Tag, der hier vorbeigeht, geht spurlos an uns vorbei. Nicht, dass Sie nun glauben, dass wir alle einen an der Klatsche haben, wie es Menschen so schön sagen. Wenn wir das vorher noch nicht hatten, dann haben wir es durch den Aufenthalt im Tierheim schon gar nicht. Aber die Hundeseele ist zarter als so mancher Mensch vermutet und das Warten und Hoffen und Bangen, lässt selbst die größte Frohnatur hin und wieder verzagen. Meist nicht dauerhaft, aber ich habe schon Geschichten gehört, dass Artgenossen irgendwann einfach aufgegeben haben, weil sie nichts mehr zu erwarten hatten. Das ist schlimm und bringt doch wieder unseren Arko zurück ins Gedächtnis. Ich bin sehr froh, dass er noch ein paar schöne Tage hatte, dass er erleben durfte, dass es doch möglich ist, dieses tolle Hundeleben. Ich hoffe, er konnte diese Zeit genießen und wahrnehmen, dass er sie hat.
Aber ich wollte nur zurückblicken, ich wollte den Weg, der vor uns allen liegt im Auge behalten. 
Und dazu gehört auch, dass ich von 2 Auszügen berichten kann und beide noch dazu aus dem Hundehaus! 
Unsere beiden Mädels Jayjay und Gigi haben endlich Menschen gefunden, die sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen können.
Bei Beiden freut es mich ungemein - Jayjay kann nun endlich springen und hüpfen und spielen und kuscheln und hat endlich einen Menschen gefunden, der sie wirklich liebt und nicht nur als hübsches Designobjekt ansieht.
Und Gigi ... tja, die hat endlich einen Kumpel, der ihr in Größe und Farbe entspricht und Menschen, die sich liebevoll um sie kümmern werden. 
Solche Geschichten sind großartig, solche Geschichten brauchen wir.

Ich wollte Ihnen ja auch in jedem neuen Eintrag einen meiner Mitbewohner genauer vorstellen, um festzustellen, ob nur ich so ein unerkennbares Mischmasch bin oder ob wir alle so ein wenig Chaos in uns tragen.

Da bin ich dann aber bei Charly gelandet. Er ist kein Mischmasch. Charly ist unverkennbar ein Schäferhund. Gut, ja, ich weiß, er ist kein reinrassiger Schäferhund, aber er hat viele Eigenschaften, die unverkennbar für diese Rasse sind. 
Charly ist sehr wachsam und sehr genau, was seine Umgebung anbelangt. Er beobachtet bis ins Detail, wie sich ein neuer Mensch benimmt, den er Charly zum ersten Mal sieht. Sehr viel Gutes hat er von Menschenhand nicht erfahren, ich vermute, dass er erst hier gelernt hat, dass es auch schön sein kann, wenn ein Mensch vorbei kommt. Charly kuschelt unendlich gerne, aber dafür muss er diesen Menschen auch kennen. Dabei fällt mir gerade ein, dass wir es immer wieder erleben, dass wir gleich beim ersten Spaziergang große Freundschaften mit neuen Menschen schließen sollen. Verzeihen Sie, wenn ich das jetzt so direkt sage, aber das ist etwas viel verlangt. Wenn Sie das erste mal mit uns laufen, dann brauchen Sie Zeit, uns einschätzen zu können und wir müssen uns doch auch erst einmal an Sie gewöhnen dürfen. Ich will nicht gleich für jeden Menschen alle Kommandos der Welt ausführen müssen und Erziehungsmaßnahmen sind beim Ersten Mal vielleicht auch noch etwas verfrüht. Auch im Fall von Charly sollte etwas Ruhe und Geduld mitgebracht werden - wir können nicht einfach den Schalter zur "Guten Laune, lass uns gemeinsam Altwerden Party" umlegen. Etwas Zeit muss schon sein.
Aber damit bin ich vom Thema abgekommen: Charly.
In den letzten Tagen ist mir aufgefallen, dass er sich schwer tut mit Fremden Gassi zu gehen. Also ob er diesen typischen Schäferhund-Mut so richtig und gänzlich sein eigen nennen kann, muss ist erst noch genau herausfinden. Scheinbar verunsichern ihn fremde Menschen doch nach wie vor. Aber Gott sei dank gibt es hier neben unseren Menschen auch noch ein paar ganz besondere Leute, die immer wieder kommen und sich auch für Charly die Zeit nehmen, damit er sie kennen lernen kann.
Ganz klar ist aber, dass Charly eine treue Seele ist und das ist bekanntlich sehr typisch für Schäferhunde. Auch kann er wirklich erstaunlich konzentriert sein und er hat diesen ganz besonderen Blick. Wenn Sie so etwas noch nie gesehen haben, dann werden Sie beeindruckt sein. Charly kann dem Menschen  direkt und gerade in die Augen schauen. Ich habe das beobachtet, er hat einen ganz geraden Blick und ich bin mir sicher, dass der ein oder andere Mensch meint, dass Charly ein besonders starker Hund mit einem großen Selbstbewusstsein ist. Das ist nicht ganz richtig. Dieser Blick ist sein Versuch festzustellen, ob ihm Gefahr droht. Charly hat gelernt, dass von Menschen Schmerzen drohen können und die will er unbedingt vermeiden. Ist durchaus zu verstehen, meine ich.
Viele Besucher sagen, dass Charly ein kleiner Hund ist. Nun ja, er ist kein Riese, was seine Rasse anbelangt.
Aber es ist egal, ob er klein ist für einen männlichen Schäferhund oder ob er nicht ganz Schäferhund ist, Charly weiß wer er ist, was er nicht mehr will und er bekommt so langsam eine Ahnung, wo er hin will. Sein Leben vor seinem Einzug hier, war nicht optimal, das weiß er jetzt auch. Insofern ist ihm anzumerken, dass er sich immer mehr und genauer ausmalt, wie sein Mensch sein soll, wie er riechen soll und wie angenehm seine Hände sein sollen. Charly braucht viel Liebe und Zuneigung, aber auch Zeit. Einfach so sein großes Hundeherz verschenken, kommt für Charly nicht in Frage. Er ist jeden Besuch wert und wenn er bei der ersten Gassirunde nicht laufen will, dann kommen Sie doch einfach nochmal und wieder und nochmal und wieder, bis er dann weiß, dass sie ihn wirklich mögen.

Und eines Tages geht es Charly dann so wie mir und er wird komplett überrascht.
Ich, Pino habe einen Ausflug gemacht, ich durfte mit einem unserer Menschen Autofahren - nicht in dem üblichen Auto, welches uns zum Tierarzt bringt...nein, in einem ganz neuen Auto und es hat mir Spaß gemacht. Am Anfang war ich aufgeregt, es riecht ja alles so anders, habe ich mir gedacht. Ich durfte einfach so auf dem Rücksitz sitzen und war mit einem Geschirr und Gurt sicher angeschnallt. Ich durfte meine Nase in den Wind halten und durfte zum Fenster raus schauen. Mal links, dann rechts, das flog alles so schnell vorbei und dann hat der Mensch auch mit mir geredet und gefragt, ob alles gut sei. Ist das nicht irre...ich werde gefragt, ob alles gut ist.
Wir sind an einen See gefahren und obwohl ich Wasser nicht so toll finde, war es interessant genug, dass ich ein paar mal rein gegangen bin. Schwimmen kann man das noch nicht nennen, aber mein Bauch war nass. Das war toll.
Aber auch noch nicht alles.
Ich habe einen ganz super-duper-klasse neuen Freund, der immer mit mir rennt. Er nennt das joggen und ich finde es total mega!!! Endlich rennt mal jemand mit mir. Gut, ich gewinne immer noch, aber er wird besser - oder vielleicht werde ich nur geduldiger und älter. So oder so, ist es toll wenn er Zeit für mich hat und ich mag ihn total gern.
Sie sehen, meine Tage sind echt erlebnisreich. 

Ansonsten kann ich Ihnen noch erzählen, dass unsere Dana operiert wurde und auf einer Pflegestelle untergebracht ist. Die kleine Maus hat soweit alles gut überstanden und genießt, denke ich, das schöne Leben in einer tollen Familie. Gute Besserung kleine Maus.

Ja, so passiert doch jeden Tag irgend etwas Neues und Spannendes - selbst wenn ich mal denke, dass ist heute aber ein langweiliger Tag, drehe ich mich einmal um mich selbst und schwupps, ist irgend etwas Spannendes passiert. 

Ach ja, ich habe einen neuen Co-Autor verpflichten können ... da werden Sie sich freuen, wenn er das erste Mal aus dem Katzenhaus berichtet. Soviel sei verraten: er ist ein bemerkenswerter Kater!

Das war es dann mal für diesen Eintrag und ich wünsche Ihnen eine gute Zeit.
Vergessen Sie uns nicht.
Ihr
Pino

Tierheim Höchstädt
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1 Kommentar
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 12.05.2018 | 17:54  
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