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Maternitee – über die Mutterliebe in Statuen sogenannter “ Primitiver“ Naturvölker´Afrikas

Statue der südlichen Bambara etwas vom Stil der Dogon beeinflußt
 
geburtsszene luba zaire
Diedorf: haus der kulturen | Vorwort: Jetzt weiß ich ja nicht so recht, ob ich als unromantischer Mann darüber schreiben soll. Meine Frau wirft mir immer vor, ich hätte mich zu wenig um meine Tochter gekümmert. Kultbilder von Müttern,als ob man da was Vernünftiges schreiben könnte!
Nun gibt es in vielen unserer Barockkirchen und in den Kirchen des 19. Jhdts. aller frömmste Darstellungen der Mutter Maria, überzeugend aber eher zurückhaltend im Naturalismus, idealisiert im Barock, ein wenig süßer bis süßlich im neunzehnten Jahrhundert.
Zugegeben, wenngleich wie vieles unserer Kultur durchaus handwerklich perfekt, hier in diesem Falle ist das nicht mein Geschmack.
Unbekannt bei den meisten, von einigen anderen entweder glühend verehrt oder aber von oben herab belächelt, sind dagegen Huldbilder der Mutterliebe in den sogenannten primitiven Kulturen, vor Allem aus Afrikas Westen. Afrikas Osten dagegen, vor Allem die christlich missionierten Länder kontern für touristische Zwecke und den Missionsshop mit Ebenholzarbeiten sowohl der Maria wie auch seltsamerweise islamisch beeinflussten Sheitani(Teufeln) und Lebensbäumen. Letztere etwas verkünstelt wirkenden ,vielleicht aber auch künstlerisch geschulten ostafrikanischen Statuen finden hier keine Erwähnung.

Szenenwechsel: Markttag in der Sahelzone: Noch mitten in der Nacht macht sich eine Gruppe von Frauen auf den stundenlangen Weg zum nächsten Marktflecken. Jetzt ist es noch etwas kühler und die hell-farbigen langen und hin und her schwingenden Kleidungsstücke der Frauen heben sich effektvoll vom dunklen Nachthimmel ab. Die Frauen tragen auf Ihrem Kopf auf einem Ring aus geflochtenen Gras große Kalebassen und Bündel mit den wenigen, aber doch schwer gewichtigen Verkaufswaren . Kaum etwas von messbaren Wert kann auf dem Markt angeboten werden : zusammen gesammelte dürre Zweige als Brennholz zum Kochen, etwas Hirse und Sorghum, Baobab-blätter als Gemüse, kleinwüchsige Zwiebeln und Piment, ein paar Hühner, die mit zusammen gebundenen Beine oben auf den Lasten liegen, eine junge Ziege vielleicht, die neben den Frauen hergetrieben wird. Alle haben sie noch vor dem Abschied den Topf mit der Soße und der Sorghum für das tägliche Frühstück und Abendessen auf das Feuer gestellt und der ältesten Tochter aufgetragen, ja gut darauf auf zu passen. Aber Wasser holen soll sie ja auch noch. Sie soll sich ja auch auf ihre künftige Rolle in der Gesellschaft vorbereiten. Im hoch gewickelten Rock steckt im Rückenpart eine flach gehaltene Puppe. Diese muss das Kind immer bei sich tragen, um sich an das zusätzliche Gewicht und die zusätzliche Verantwortung zu gewöhnen.
Die Frauen haben zunächst noch etwas müde und schweigsam Ihren Weg genommen. Jetzt fangen sie an, etwas miteinander zu plaudern: Ob wohl schon viel Sorgum geerntet ist und auf dem Markt der Preis gesunken ist. Viel wird es nie geben, denn es hat schon wieder nicht genug geregnet dieses Jahr und Reis aus Amerika wird immer unbezahlbarer. Trotzdem, wenn man das wenige vekaufen muß, was die Ernteeingebracht hat, um sich wieder ein paar Tabletten gegen die Diarhö und den Wurm zu leisten, ein Moskitonetz für die drei Kinder gegen die Malaria , die Kleine fiebert ja schon wieder - damit es da noch für eine neue Kalebasse reicht, darf der Preis für Sorghum und Zwiebel nicht zu sehr gefallen sein. Der alte Kalebassenkürbis ist mit dicht gebohrten Löcherreihen übersäht. Durch kunstfertig geführte Nähte wird das oftmals gebrochene und so wieder zusammen geflickte alte Ding nur noch mühsam zusammengehalten. Geht man zum Wasserholen kommt man nur noch mit der halben Füllung heim.
Stunden sind schon vergangen, die Sonne brennt mittlerweile herab, aber die Frauen sind immer noch frohgemut und schreiten mit weiten Schritten und den jetzt aufgewachten Kleinkindern auf dem Rücken und der schweren Last auf dem Kopf ihrem Ziel entgegen .
Während sie sich mit ausgeglichenen schwingenden Bewegungen, anmutig vielleicht aber vor allem auch selbst bewusst und in der Bewegung aufgehend auf den Markt zu bewegen, haben Sie ein leise rhythmisches Lied angestimmt.
Zugegeben , das ist dann als Bild auch etwas süßlich, oder?

Dann belassen wir es bei den Statuen selber.
Eine Ausstellung mit Mutter-Kind figuren der Naturvölker wird Sie ab dem 3. Oktober 2015 im Haus der Kulturen in Diedorf bei Augsburg erwarten.
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