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Das Maskenmuseum Diedorf bei Augsburg: 5. Die Masken des amerikanischen Kontinents

Britisch Columbia Kwakiutl Donnervogel
 
Britisch Columbia
    Diedorf: Maskenmuseum | Fast 1500 Maskenobjekte sind im internationalen Maskenmuseum in Diedorf aus den Kulturen der Urvölker Amerikas und Ihrer kolonialen Anpassung an modernes Maskenbrauchtum vereint.

Nordamerika

British Columbia :
An der pazifischen Nordküste in Kanada und im Nebelwald der Olympic peninsula in den USA leben Stämme, dievor Allem von der Jagd und dem Fischfang leben. Die Fauna erscheint als Totemtiere, die als Brüdern und Schwestern und Vorfahren der einzelnen Stämme angesehen wird. Demzufolge setzt die Jagd und Tötung dieser Tiere bestimmte Zeremonien voraus, in denen die Gejagten für den Verlust Ihres Lebens um Verzeihung oder Erlaubnis gebeten werden. Schamanen oder verdienstvolle Männer schlüpfen auch heutzutage vor Allem bei den großen Powwows in die Masken der Tiere, der Geistwesen der Natur und wichtiger Persönlichkeiten, von denen sich manche auch als Gestaltwandler zwischen Tier und Mensch zeigen. Bei den Potlachfesten werden Masken dem Veranstalter zum Geschenk gebracht und von diesem wieder weiter gegeben. Das Holz der Zedern (unsere Hecken-Tuja, der Lebensbaum) lässt sich besonders gut schnitzen und wird mit Resten von Bootslack bemalt.

Der Stammesverbund der Iroquois:
5 Stämme schlossen sich im 19. Jhdt zum Sprach-und Kriegsbund der Iroqois zusammen: Die Seneca, Oneida, Onondage, Mohaqc, Delaware sind bekannt vor Allem durch die Holzmasken des False-face-geheimbundes, dessen Aufgabe es ist, vor Allem hinter diesen teils karikaturhaft verzerrten Larven Kranke auf zu heitern und zu heilen. Die Masken werden aus einer lebenden Thuja im festgelegten Ritual, das den Baum um Verständnis bittet, heraus geschnitzt. Rote Masken wurden tagsüber, schwarze bei nächtlichem ritual geschnitzt. Damit der Baum nicht abstirbt, wird die Wunde nach Entnahme der Maske wieder mit Baumbienenwachs und Harz verschlossen . Damit kann der Baum die „Tochter“ Maske weiterhin mit der Mutter Erde in Verbindung halten und die Maske verfügt über die Heilungskräfte der Mutter. Neben den Falschgesichtern“ gibt es auch Masken aus Maisstroh, die Bezug zum Gott der Sonne und seinen Tränen, den Maiskörnern, bewahren sollen.

Die Cherokee-indianer
Als erste Handelspartner der Kolonialisten Nordamerikas und zu diesen bestens integriert wurden die Cherokee bald schlimmstens verfolgt und vertrieben. Die „Booger“masken aus verschiedenen Materialien stellen Karikaturen der Weissen dar und treten als Clowns auf. Die Clans huldigen Ihren einzelnen Totemtieren in Tiermasken. Der Schlangenclan stellt die Heiler. Büffel,- Vogel,-, Hirsch,-, Bären,- Coyotenclan haben andere typische Holzmasken.

„Eskimo“-masken, die Masken der nördlichen Tundren
Teilweise werden Tierbälge zum Anschleichen und für Jagdritual als einfache“ Masken“ getragen. In Ermangelung von gewachsenem Holz findet man viel sehr flach gehaltene Masken aus angeschwemmten Treibholzbrettern. Diese sind oft rund und oft mit weiteren kreisförmigen Applikationen aus dünnen Zweigen umrandet. Es scheint, dass viele solcher Gesichter, die im Eisloch auftauchende Robe oder andere sehnlichst erwartete Tiere darstellen, denen der Jäger stundenlang auflauert. Wellenringe (die kreisförmig montierten Ästchen) sollen ihr Kommen ankünden.
Ebenso werden flache Walknochen und sogar Seifenstein zu Masken um gearbeitet. Grönländische Masken zeigen zur Abwehr von bösen Geistern andere wilde Dämonen.

Die Prärie-Indianer der Mitte
Nur für die Jagd auf den Bison versteckten sich die Indianer der Grassteppe unter den leichten Koyotefellen oder Vogelbälgen. Außer diesen und wenigen mit Perlen besetzten Ledermasken für ihre Pferde gibt es keinen Anhaltspunkt für Maskenbrauch. Allerdings können wir im Museum einige Orginal-federhauben und geschmückten Stirnbinden aufweisen.

Die Pueblo-indianer des Südens der USA und Nordmexikos
Die Stämme der in den Wüstengegenden des Südens lebenden Ureinwohner Nordamerikas tragen bei großen Zeremonien, die Regen und Fruchtbarkeit herbeiführen sollen, Masken der Gottheiten und Naturgeister, der Katchinas. Bei diesen Zeremonien sind Foto und Film strengsten verboten. Masken dürfen in den Museen der Staaten weder gezeigt noch natürlich auch nicht verkauft werden. Einige dieser besonders seltenen Masken aus alten Sammlungen können im Maskenmuseum Diedorf bewundert werden. Die Katchinamasken der Hopi sind meist aus tonnenförmigen oder runden Helmaufsätzen aus Leder oder kaschiertem Stoff. Von den Zuni besitzt das Museum eine Clownsmaske (Mudthrower) und eine Regentanzmaske aus Kalebassenkürbis und Maiskolben, sowie Masken für die Mädcheninitiation. Die Apachen der Gebirgsregion an der Grenze NewMexiko/Texas tragen bei Gewitterzeremonien zur Beschwichtigung der Götter Kopfaufsätze mit abstehenden dünnen Holzbrettchen. Die den Huicholindianern südlich der Sonorawüste fertigen die Heiler Masken, bei denen Perlenstränge oder knallbunte Wollfäden mit Bienenwachs auf Holzbrettchen montiert sind. Traumvisionen nach Genuss des LSD-haltigen Peyotekaktus zeigen vor Allem den Hirsch, das Symbol des heiligen Peyote.
Bei den Tarahumara gibt es sehr einfach gehaltene Masken, die ähnlich den Cherokee hier mit Bart aus Baumstachelschwein oder pockennarbiger Haut aus Gürteltier den Weißen lächerlich machen sollen. Zudem werden für den Tanz der Weisswedelhirsche die Köpfe der Rehböcke als Aufsatzmaske getragen – die Hirsche sind längst dort ausgestorben.
Zum Osterfest gibt es bei den Mayo und Yaqui meist aus Pappkübeln gefertigte Teufelsmasken oder sehr klein gehaltene Tiermasken, die im Passionsspiel die Rolle der Römer, Pharisäer und des Judas verhöhnen sollen.


Lateinamerika

Mittelamerika
Die Völker der spanischsprachigen Mitte des Kontinents haben eine enorme Fülle unterschiedlichster Maskentypen, die bei vielen katholischen Heiligenfesten bei Tanz und Spass gezeigt werden. Besonders häufig sind die Masken der „Viechos“, der Alten, über der Ungeschicklichkeit und Hässlichkeit man sich lustig machen darf. Die „Tigres“, die Masken des Jaguar, erinnern meist wirklich mehr an einen knallgelb-schwarz gestreiften Tiger und sind oft mit Baumstachelschweinborsten oder Kunstfell besetzt. Masken, die an Figuren der Kolonialnahme erinnern und die „Gringos“ karikieren sind häufig in Kontrast zu den „ Neros“, die die Urbevölkerung und weniger schwarze Sklaven zeigen, gesetzt.
Tod und Teufel sind auf Grund ihrer abschreckenden Wirkung aber besonders beliebt. Am Dia de los Muertos geht man zum Feiern auf die Gräber der Verstorbenen. Die Toten denkt man sich in Form von Hunden, Mauleseln und Kleingetier in Nähe Ihrer ehemaligen Famile wiederverkörpert. So gibt es auch eine ganze Menge an Masken dieser Haustiere. Die Guerrero sprechenden Völker im Westen Mexikos, die Nachfahren der Nahua kennen die meisten Maskenfeste. Michoacan, Puebla und Veracruz bilden andere Maskenstile. In Guatemala greifen die Nachfahren der Maya besonders in der Hochburg der Masken in Chichicastenango auf die Mythologie Ihrer Ahnen zurück.
In Panama und auf der Insel San Blas schneidern die Kuna-indianer in komplizierter Mehrschichtentechnik Gewänder für die Frauen und wenige Masken. Die Wounan flechten aus dünnen Wurzelhärchen der Zeder Körbe und kleine Tiermasken, die z. T. auf der Stirne getragen werden.
Die Quechua-indianer Venezuelas sind bekannt für Ihre europäisch perfekten Menschen und Tiermasken. Besonders beliebt ist der Clown.

Die ursprünglichen Indianervölker des Amazonas und Rio Negro
Am Vierländereck Kolumbien, Peru, Brasilien werden von den Tukano sprechenden Indios für die Initianden Schutzkostüme aus Baumrindenstoff (Tapa) mit Masken aus schwarzem Baumbienenwachs angefertigt. Dieses Wachs gibt es auch bei den Masken der Piaroa-indianer an der Grenze Venezuela/Brasilien für rituelle Tiermasken und den großen Fasermasken bei der Initiation der Wayana Huarime.
Südlich des Amazonas besonders am Rio Madeira bei den Kayapo und Kamayura werden aus bunten Arafedern Kopfschmuck und großflächige Masken hergestellt.
In der Gegend der neuen Hauptstadt Brasilia am Rio Xingu kennt man große aus Holz oder Baumbast hergestellte geometrisch ornamentierte Maskenbretter, die Fische und Reptilien herbei beschwören oder besänftigen sollen.

Das Koloniale Südamerika
In Peru, besonders im Osten um Cuzco finden ähnlich wie in Mittelamerika anlässlich der Heiligenfeste Maskenauftritte kolonial beeinflusster Masken statt. Lange Knuddelnasen haben die Großgrundbesitzer und die spanischen Eroberer. Pizarro und seine indianische Konkubine sind neben den Viechos, Negros, Tigres beliebte Masken. Fliegengitter wird wie mancherorts in Europa zu durchscheinenden Masken ein gesetzt. Blechapplikationen sind dann auch in Bolivien besonders in Oruro Grundmaterial sogar für riesengroße Drachenteufelmasken (Diablos). Stierhäute werden zum vorgetäuschten Reittier und um den Bauch des Trägers herum befestigt. Bei den Mapuche in Chile und Argentinien gibt es dagegen wieder nur sehr ursprünglich einfache Holzmasken. Die ausgerotteten Feuerlandstämme trugen lange schwarz-weiß-rote Masken und Maskenhüte zu einem Kostüm aus aufgeklebten Federn und Naturmaterialien.
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1 Kommentar
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Romi Romberg aus Berlin | 24.11.2018 | 23:48  
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