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In 24 Stunden um den Neusiedlersee – Augsburger Ultraläufer nimmer sich die 120 Kilometer bei winterlichen Temperaturen vor

(Foto: "24 Stunden Burgenland“)
 

Manche Menschen kommen über einen Sonntagsspaziergang nie hinaus, andere sind jährlich beim Firmenlauf dabei und wieder andere laufen 24 Stunden am Stück – mehrmals im Jahr. Zu diesen Extremläufern gehört Oliver Rupprecht. Erst Ende Januar ist der 54jährige Bobinger beim Extremlauf Burgenland angetreten. Der nächste Lauf steht bereits am 17. März auf dem Plan.

Bei schönem Wetter kann jeder laufen, doch wie ist es unter winterlichen Bedingungen? Die Antwort auf die Frage können Menschen beim Burgenland-24-Stunden-Extremlauf erleben: 120 Kilometer sind es, wenn man einmal um den Neusiedlersee läuft. Schon unter normalen Bedingungen sind 24-Stunden-Läufe eine ziemliche Herausforderung, doch in der monotonen Winterlandschaft, die teilweise der sibirischen Steppe gleicht, kommen noch ganz andere Dinge zu Geltung. Kilometerweit nichts, was das Auge ablenkt. Der Läufer ist nur mit sich selbst und dem Laufen beschäftigt. Das kann schon an die Substanz gehen und die Frage: „Warum mache ich das eigentlich?“, begleitet die Läufer Kilometer für Kilometer.

Der Lauf will die Menschen in Bewegung bringen. Nicht die Leistung, sondern das extreme Erleben und der gemeinsame Weg stehen im Vordergrund. Und so ist der Lauf im Burgenland eigentlich kein Wettkampf sondern eher ein Happening: Laufen, Gehen (mit und ohne Stöcke), Radeln – alles ist vertreten. Es gibt sogar ein Kinder-Event: Im Klassenverband sollen die Schüler 25 Kilometer gemeinsam gehen. Das schweißt zusammen. 515 Kinder stellten sich in diesem Januar der Herausforderung.

Der Weg ist das Ziel

Und so machte sich in diesem Jahr auch Oliver Rupprecht bei leichten Plusgraden am 24. Januar morgens um 4:30 Uhr auf den Weg. Im Rucksack das Equipment und die Verpflegung: Umkleidewäsche, Reserve-Schuhe, Thermoskanne, Este-Hilfe-Pack, Handy mit Extraakku und Notfall-Riegel. Mit 2.000 anderen Menschen läuft Rupprecht im frühmorgendlichen Dunkel los. Alle 7 bis 16 Kilometer können sich die Läufer an Verpflegungsstationen stärken, ausruhen und neue Kraft tanken oder, wenn es gar nicht mehr geht, zum Ziel fahren lassen. Denn bei so vielen Kilometern gibt es vieles, das die Läufer am Weitermachen hindert: fehlende Kraft oder auch diese Blasen an den Füßen.



Doch der Sportphysiotherapeut Rupprecht ist bestens gerüstet und gut trainiert. Im vergangenen Jahr hat er bereits an fünf Ultraläufen teilgenommen und sich dabei über den Sommer von vier auf 24 Stunden gesteigert. Anfang September belegte er beim Bottroper Ultralauf-Festival Platz 4 in der Altersklasse M50. Auch beim Burgenland-Extrem-Lauf ist er bei guter Kondition und sogar schneller als beim Lauf in Bottrop.

Teamgeist ganz groß

Am Neusiedlersee geht es auch um die Begegnung mit anderen Läufern und so geht man auch immer mit wieder gemeinsam ein Stück Weg und tauscht sich aus. So kommt Rupprecht gut durch, wechselt gelegentlich die Kleidung, stärkt sich und kommt nach 104 Kilometer an der letzten Station vor dem Ziel in Purbach an. Dort macht ihm nach 17 Stunden sein Magen Probleme. Mit Suppe und Energie-Riegel versucht er sich wieder fit zu machen. Doch das Verdauungssystem macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Er will nichts riskieren, schließlich muss er zwei Tage später wieder in seiner Praxis stehen. Nachts um 21:30 Uhr allein auf weiter Flur die 16 Kilometer zu Ziel zu laufen, ist ihm dann doch zu abenteuerlich : Er bricht den Lauf ab.

Doch er ist zufrieden mit dem, was er geschafft hat und freut sich schon wieder auf die nächsten Läufe. Denn Rupprecht hat noch viele Läufe vor sich. Dafür ein straffes Programm gesetzt: 6 Wochen Regeneration zwischen den Läufen will er sich nehmen. Und so steht der nächste Lauf schon fest: Am 17. März soll es zum 1. Heilbronner 24-Stunden-Lauf gehen.

Auch in seinem Beruf hat Oliver Rupprecht mit Sport zu tun. Er ist Manual- und Sportphysiotherapeut sowie Coach und hilft anderen Menschen dabei, für Läufe zu trainieren. In seiner Praxis In-Balance in der Jakobervorstadt bietet er neben spezieller Massage für Läufer auch mentales Training und Lauf-Coaching an. Aktuell kümmert er sich um den jungen talentierten Augsburger Läufer Aleksander Askovic.
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