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Noch ein wenig über Ruthenium-Wolken

In letzter Zeit zirkuliert aktiv in den Medien das Thema Ruthenium-106 – ein Isotop, dessen erhöhte Konzentration in der Atmosphäre über Europa Ende September und Anfang Oktober gemessen wurde. Die Quelle der Strahlung bleibt unklar, obwohl man dabei am häufigsten auf Russland zeigt. Heute in der Online-Zeitung Ostexperte.de (die sich gerade mit Geschehnissen in Russland befasst) habe ich auf einen Artikel von Dana Tenzler, Chemieingeniuerin an der TU Clausthal aufgestoßen, in dem sie dieses Thema ziemlich ausführlich behandelt. Ein lesenswerter Artikel.

Ganz am Angang erwähnt Tenzler, dass das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das französische Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (IRSN) haben eine ungefähre Rekonstruktion des Tranfers von Ruthenium durchgeführt, nach dem die Quelle des radioaktiven Isotops in Südrussland, im Süden des Urals lag. Das Isotop selber geriet in die Atmosphäre höchstwahrscheinlich in der letzten Septemberwoche.

Es ist allerdings nicht unsicher, ob die vorhandednen Daten korrekt ausgedeutet wurden. Die russische Seite (bzw. der russische Atomkonzern Rosatom) weist darauf hin, die maximale Konzentration sei in Rumänien festgestellt worden. Rosatom habe auch erklärt, dass alle russischen Kernkraftwerke in einem normalen Modus betrieben werden und die Radioaktivität in ihrer Nähe auf dem Niveau der natürlichen Exposition liegt, schreibt Tenzler, während im Süden des Urals keine angeblich erhöhten Radioaktivitätswerte gemessen worden seien. Die Hauptsache ist, dass Ruthenium in unserer Luft in niedrigster Konzentration gemessen wurde und es keine Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier bestand. Es wäre interessant herauszufinden, wie und wo das Leck tatsächlich stattgefunden hat, meint Tenzler. Völlig einverstanden.

Eines ist sicher – Ruthenium-106 gelang in die Atmosphäre nicht wegen einer Atomexplosion oder eines Unfalls im Atomkraftwerk. Es handelt sich nur um ein Isotop, während im Falle eines AKW-Unfalls oder einer Atomexplosion die Messestationen eine Reihe unterschiedlicher Isotope feststellen würden.

Auch macht Tenzler auf die Reaktion der Grünen aufmerksam. Merkwürdigerweise versuchen grüne Aktivisten bei ihren Mitbürgern den Eindruck zu erwecken, Atomenergie sei „schmutzig“ und Atomkraft produziere eine riesige Menge gefährlicher Abfälle, die Millionen Jahre auf unserem Planeten bestehen bleiben und unser Leben bedrohen würden. Tatsache ist, dass Abfälle wirklich entstehen, das ist unvermeidlich. Tatsache aber ist auch, dass schon heute diese zum Teil in sehr nützliche Rohstoffe verwandelt werden können.

Schließlich ein leuchtendes und anschauliches Beispiel, mit dem man jeden Tag konfrontiert werden kann. Die Pointe des Artikels. Es wird angenommen, dass ein aktiver Raucher innerhalb eines Jahres ein solches Volumen an radioaktiven Isotopen inhaliert, dass ihre Aktivität dem Wert entspricht, der 250 mal größer ist als der Strahlungswert beim Lungenröntgen. Es lässt sich also grob sagen, dass die Strahlung infolge dieser Ruthenium-Kontamination um ein Vielfaches niedriger war als die Strahlung, der Raucher normalerweise ausgesetzt werden. Das ist zwar keine Anti-Raucher-Propaganda, aber würde ich mir Gedanken machen.

Der Text des Artikels von Dana Tenzler auf Ostexperte.de ist hier verfügbar: https://ostexperte.de/radiaoaktive-wolke-ueber-europa
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 28.11.2017 | 19:59  
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