Das Geheimnis meiner Stärke - Frauenfrühstück in Stadtallendorf am 14.3.2015

     

Beim Frauenfrühstück am 14. März 2015 gab es Musik von Peter Groß, einen Lebensbericht vom Jugendreferenten und den Votrag "Das Geheimnis meiner Stärke" von Ricarda Abrell.

Lebensbericht

Der Lebensbericht kam vom Jugendreferenten Frederik, der momentan sein Anerkennungsjahr bei der evangelischen Kirchengemeinde Stadtallendorf absolviert. Er hatte während seiner Teenagerzeit eine destruktive Phase durchgemacht, in der er sich als Außenseiter und Verlierer fühlte. In dieser Zeit trug er kaputte Klamotten, hörte harte Musik und rauchte trotz Lungenkrankheit wie ein Schlot. Glücklicherweise hatte er Eltern, die ihm Mut zugesprochen haben, und ihm sagten, dass er wertvoll sei. Auch sein christlicher Glaube gab ihm Halt in der Krise: "Jesus liebt mich so, wie ich bin." Daneben erinnerte er sich noch an eine Deutschlehrerin, die meinte, dass es gut sei, was er sagt, und dass er deswegen öfter etwas sagen sollte.
Weil es Menschen gab, die ihn gestärkt haben, als er sich schwach fühlte, möchte Frederik Jugendarbeit machen. Er möchte Jugendliche stärken und für Jesus begeistern, weil Jesus den Menschen Wert zugesprochen hat.

Das Geheimnis meiner Stärke

Den Vortrag beim Frauenfrühstück hielt Ricarda Abrell, die im Ebsdorfergrund wohnt und im Bibelseminar unterrichtet. Zum Thema war sie über das Buch "Das Geheimnis deiner Stärke" von Thomas Härry gekommen. Aus diesem Buch, welches sie immer wieder faszinierte, stammen daher auch viele Inhalte von ihrem Referat. Zu diesem gehörte auch eine visuelle Präsentation per Beamer, wobei letzterer von der neunjährigen Tochter bedient wurde.

Ricarda Abrell fühlt sich nicht immer stark. Als Mutter von vier Kindern muss sie so manche Turbolenzen überstehen. Im Alltag fragt sie sich oft, woher sie Stärke und Kraft nehmen kann.
Nach dieser kurzen Einleitung hatten die Besucherinnen erst einmal die Gelegenheit, sich kurz an den Tischen über die Frage "Was ist eigentlich stark?" oder auch "Wer ist eigentlich stark?" auszutauschen.
Ricarda Abrell meinte dazu, dass eine typische Antwort sei, dass die Männer stark seien - wobei immerhin drei Männer im Raum waren. Dabei wird Muskelkraft als Stärke angesehen. Muskelkraft kann man trainieren, also Stärke aufbauen. Ricarda Abrell hatte das selbst ausprobiert, als sie nach ihren Schwangerschaften feststellte, dass sie ihre Sportlichkeit verloren hatte, und sich deswegen in der Muckibude wieder fit machte.

Man kann auch Leute mit Begabungen stark finden (z.B. diejenigen, die die Deko im Raum gemacht haben). Eine Begabung kann eine Stärke sein. Stark ist aber auch, wer einen starken Charakter hat. Das Gute daran ist, dass alle diese Stärken gestärkt werden können.

Wie kann ich Stärken stärken?
Zunächst einmal müssen wir durch Ausprobieren unsere Stärken entdecken. Bevor man nicht etwas probiert hat, weiß man nicht, ob man dafür nicht eine besondere Begabung hat. Zum Beispiel, wenn man den ersten Kuchen gebacken hat und feststellt "oh, schmeckt aber wirklich gut!".
Ricarda Abrell hatte vier ältere Geschwister, von denen die älteste Schwester den Kindergottesdienst für eine Gruppe von 30 Kindern gehalten hat. Als sie zwölf Jahre alt war, zog die Schwester weg, und Ricarda übernahm den Kindergottesdienst. Sie hatte einen Pfarrer, der gesagt hat: "Ich trau dir das zu", und so konnte sie eine ihrer Stärken entdecken.

Stärken können geschult werden, indem jemand mir etwas beibringt (z.B. Klavierspielen) und indem ich übe.

Stärken kommen da so richtig zur Geltung, wo wir sie in den Dienst von anderen stellen. Wenn sich andere über meine Stärke freuen können, ist es doppelt so schön. Darum lohnt sich das Nachdenken darüber, mit welchen meiner Stärken ich anderen nützlich sein kann. Leider gibt es auch Leute, die hochbegabt sind, aber so arrogant, dass sie sich die eigene Stärke wieder zur Schwäche machen. Stärke ist ein Geschenk. Wenn ich dafür dankbar bin, kann ich die Stärke weitergeben, und sie kann sich entfalten.

Stärken können gestärkt werden, egal, ob es um Muskelkraft, um Begabungen oder Charakterstärke geht.

Für Ricarda Abrell ist auch stark, wer mit seinen Schwächen gut umgehen kann. Jeder hat Schwächen, was zum Menschsein dazugehört. Aber wenn ich immer ängstlich bemüht bin, meine Schwächen zu verbergen, werden sich meine Stärken nicht entfalten können, weil ich meine ganze Kraft brauche, um meine Schwächen zu verbergen. Wer mit seinen Schwächen gut umgehen kann, kennt seine Grenzen und kann ganz entspannt sagen: Das darf so sein, weil ich dafür andere Stärken habe.

In der Bibel findet sich im Alten Testamen ein Beispiel für einen Menschen, der seine Stärken nicht richtig nutzen konnte:
Jiftach war uneheliches Kind einer Protestituierten und wurde von den Brüdern verachtet und aus der Familie ausgeschlossen. Er schloss sich dann einer Bande von ruchlosen Männern an, bis er wegen seiner Tapferkeit als Anführer beim Kampf gegen die Ammoniter machen lässt. Nach einem erfolglosen Versuch, einen Waffenstillstand zu erreichen, gelobte er Gott, das Erste, was aus seinem Haus kommt, zu opfern, wenn er den Krieg gewinnt. Er kämpfte erbarmunslos und gewann. Nach dem Kampf kam seine Tochter aus seinem Haus, und so tötete er sie. Damit erfüllt er zwar sein Versprechen, aber er verstößt ganz klar gegen das Gebot Gottes, keinen Menschen zu opfern, und handelt eindeutig nicht im Sinne Gottes.
Später wird Jiftach von Männern aus einem befreundeten Stamm gefragt, warum er sie nicht hat mitkämpfen lassen. Das führt zu einem Streit, nach dem Jiftach das eigene Brudervolk bekämpft und viele Männer töten lässt. Er verletzt, weil er mit der Kritik nicht umgehen kann.

Umgang mit Verletzungen
Bei Problemen mit Kritik könnten alte Wunden dahinterstecken. Es gibt verschiedene Wege, damit umzugehen:
- Der verwundete Verwunder
Jiftach verletzte andere, um nicht durch deren Kritik verletzt zu werden. Dadurch kann er jedoch sein eigentliches Ziel, seine Freunde zu schützen, trotzt seiner Stärke nicht erreichen.
- Der verwundete Vermeider
Der Vermeider will, was einmal schief gelaufen ist, nie wieder machen. Er möchte durch Vermeiden Verletzungen ausweichen. Das funktioniert aber auch nicht auf Dauer. Wenn einer bei Konflikten mit dem Ehepartner immer nur nachgibt, ist der aufgestaute Ärger irgendwann so groß, dass alles zerbricht.
Wenn ich eine meiner Stärken nicht mehr nutzen möchte, dann geht mir und meinem Umfeld viel verloren.
- Der verwundete Heiler
Wer sich seiner Wunde stellt, kann nach ihrer Heilung besser anderen Menschen helfen. Ein Beispiel aus der Bibel ist Paulus: "Auch wenn ich viel Bedrängnis durchstehen muss, gibt Gott mir immer wieder Mut. Darum kann ich auch anderen Mut machen." Paulus lässt nicht zu, dass er Opfer seiner Wunde wird, sondern entscheidet sich, Gott an seine Wunde heranzulassen und lässt sich von ihm ermutigen.
Jemand, der selber etwas ähnliches durchgemacht hat, kann mir besser helfen als jemand, der das nicht selbst erlebt hat. Gerade durch die Verwundung kann ich anderen Menschen helfen.

Nun gab es eine weitere Pause im Vortrag, um in der Gruppe zu diskutieren, was einem helfen würde, ein verwundeter Heiler zu sein.

Schritte auf dem Weg, ein verwundeter Heiler zu sein
- Ich will der Wunde nicht mehr ausweichen. Ich sehe ein, dass ich eine Wunde habe. Alte Wunden sind wie Bomben, die jederzeit explodieren können.
- Mich begleiten lassen: Ich spreche mich mit anderen Menschen darüber aus. Im Normalfall brauche ich dafür keinen Therapeuten.
- Verstehen, wie die Wunde entstanden ist. Wenn wir verstehen, wie die Wunde entstanden ist, können wir besser damit umgehen.
- Ich darf Gott meine Wunde bringen: Gott kennt mich und meine Wunden und hat mich trotzdem lieb. Jesus ist für unsere Verletzungen gestorben.
- Versöhnungsschritte gehen.
Auch ich habe als verwundeter Verwunder andere verwundet oder als verwundeter Vermeider für andere wichtige Dinge unterlassen.
Manchmal muss ich mich entschuldigen, und manchmal anderen vergeben. Wenn wir etwas nachtragen, tun wir uns permanent selber weh.
- Ermutigung zur Lebenskompetenz: Ich darf mir ein neues Ziel setzen und muss nicht bei der Verarbeitung der Wunde stehenbleiben.
- Ich darf die Feinde in mir segnen: Ich muss die inneren Schwächen nicht bekämpfen und mit mir unzufrieden sein. Ich nehme mich mit meiner Schwäche an.
Ricarda Abrell meinte dazu: "Gott ist ein wunderbarer Müllverwerter". So wie ihre Kinder aus den Sachen im Papierkorb noch etwas Tolles basteln können, so kann Gott kann aus meinen guten und schlechten Seiten etwas Neues machen. Als Beispiel verwies sie auf Christine Caine, die als Kind missbraucht und gemobbt wurde und sich nun gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution einsetzt.
Ich muss nicht mehr meinen, meine Verletzung macht mich unbrauchbar. Es sind oft die verletzten Heiler, die etwas in der Welt bewegen.

Zum Schluss erinnerte Ricarda Abrell daran, dass man jeder Stärken hat und die Stärken stärken kann. "Das Geheimnis meiner Stärke: Wenn ich die Stärken stärken kann und die Schwächen in Gottes Licht betrachten kann."

Links

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