„Es geht hier um das Herz der Stadt“: Ein Interview mit Bürgermeister Ludwig Fröhlich

    Ludwig Fröhlich will es noch einmal wissen. Für die Freien Wähler tritt der 62-jährige Amtsinhaber bei der Kommunalwahl 2014 als Bürgermeister-Kandidat an. myheimat sprach mit dem Rathauschef über die Gründe seiner erneuten Kandidatur, den Umbau des Königsbrunner Stadtzentrums, die Straßenbahnlinie 3, das Projekt Generationenpark Königsbrunn und eine Begegnung mit Grünen-Politikerin Claudia Roth.

myheimat: Herr Fröhlich, Sie treten bei der Bürgermeisterwahl 2014 für die Freien Wähler an. Warum haben Sie sich für eine erneute Kandidatur entschieden?
Fröhlich: Vom Alter her habe ich die Möglichkeit, noch einmal anzutreten. Ich fühle mich gesund, fit und denke, dass ich für die Gemeinschaft noch etwas leisten kann. In meiner bisherigen Amtszeit konnte ich in verschiedenen Fachbereichen wichtige Erfahrungen sammeln. Aber es geht hier – und das möchte ich betonen – nicht um persönliche Eitelkeiten, sondern um die Frage: „Was dient der Stadt Königsbrunn?“ Ich wurde in den letzten Wochen und Monaten sehr häufig von Bürgerinnen und Bürgern aus unterschiedlichen Lebensbereichen angesprochen, ob ich nicht weitermachen möchte. Ich habe von verschiedener Seite viel Anerkennung für meine Arbeit erfahren. „Bürgermeister sein“ ist eine Leidenschaft. Dieses Feuer brennt noch in mir. Wenn man diese Einstellung nicht hat, dann ist man fehl am Platz.

myheimat: Der Umbau des Königsbrunner Stadtzentrums wird seit langem diskutiert. Anfang 2013 wurde festgestellt, dass die Römerstraße Via Claudia im Planungsbereich verläuft und das Projekt kam zum Stillstand. Was hat sich seitdem getan?
Fröhlich: Ich bin schon ein etwas ungeduldiger Mensch und wenn manche Dinge nicht so laufen, wie man sich es wünscht, dann ist man betroffen. Auf der anderen Seite müssen offizielle, notwendige Verfahren vorbereitet und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Die Bewahrung geschichtlicher Zeugnisse ist wichtig. Diesem Umstand musste Rechnung getragen werden. Es hat sich erwiesen, dass im Planungsbereich Zentrum VIII A und B keine archäologischen Befunde sind. Es folgen Schritte der Bürgerbeteiligung und das Bebauungsplanverfahren. Unser Ziel sollte sein, dass im südlichen Bereich des inneren Zentrums alsbald erste Bauwerber loslegen können. Ich empfinde im Übrigen die zunehmende Kultur der Bürgerbeteiligung als sehr positiv. Es geht hier um das „Herz der Stadt“. Diese Frage geht alle Königsbrunner Bürgerinnen und Bürger an. Die Stadtmitte soll pulsieren. Dabei dürfen unterschiedliche Belange wie kommerzielle Dienstleistung, Kultur und Bildung nicht zu kurz kommen. Wenn jemand durch Königsbrunn fährt, sollte er markante, spezifische Eindrücke mitnehmen.

myheimat: Ebenfalls seit Jahren im Gespräch ist eine Erweiterung der Straßenbahnlinie 3 von Haunstetten nach Königsbrunn. Dies hängt jedoch maßgeblich von der Kooperation der Stadt Augsburg ab. Gibt es dort neue Entwicklungen?
Fröhlich: Zeitlich gesehen scheint es tatsächlich eine „unendliche Geschichte“, aber in der Sache sind wir inhaltlich so weit wie noch nie. Jetzt muss Klartext gesprochen werden und es dürfen nicht nur Wünsche geäußert werden. Wir wissen, wo die Straßenbahn fahren sollte. Wir wissen, wie die Aufteilung der Investitionskosten wäre. Jetzt geht es vor allem noch um die Übernahme der Defizite aus dem laufenden Betrieb. Diese wurden ohne investiven Anteil bisher auf ca. 2 Millionen Euro berechnet. Mobilität ist eine entscheidende Zukunftsfrage. Die neue Straßenbahnlinie muss attraktiver sein als die bisherigen Verbindungen nach Augsburg.

myheimat: Lassen Sie uns ein wenig über verschiedene Baumaßnahmen sprechen. Nach der Sanierung der Turnhalle des Gymnasiums fand auch der Spatenstich für eine Erneuerung des Schwimmbades statt. Welche Bilanz dieser Maßnahmen ziehen Sie?
Fröhlich: Der Schwerpunkt in den letzten Jahren lag auf der Beteiligung an der Gymnasiumhalle. Damals war vorgesehen, 1 Übungsstätteneinheit zu errichten. Die neuen weiterführenden Gespräche liefen sehr fair ab. Es ergaben sich gute Synergie-Effekte. Die Stadt übernahm dann die Kosten für eine Halle, „gewann“ aber die Nutzung einer Dreifachturnhalle für unsere Schüler und auch Drittnutzer. Besonders für Vereine und städtische Veranstaltungen sind die getroffenen Regelungen von großem Vorteil. Nach drei Jahren werden wir dann eine Analyse machen und über die letztliche Aufteilung der Betriebskosten sprechen. Auch das Schwimmbad ist für die Vereine und die Stadt von großer Bedeutung. Hier gelten ähnliche Regelungen wie für die Halle.

myheimat: Es erfolgte auch der Spatenstich für das neue Jugendhaus. Was erwartet die Jugendlichen dort nach der Fertigstellung?
Fröhlich: Das Jugendhaus hat ungefähr die Größe einer Dreifachsporthalle und ist sehr komfortabel. Hier kann Jugendkultur „in Bestform“ betrieben werden. Die Stadt hat wieder zwei Streetworker angestellt, sowie weitere Mitarbeiter, die sich unter anderem auch um die Bereiche Medienarbeit und Theaterarbeit kümmern. Darüber hinaus bringt das Jugendhaus als zentrale Anlaufstelle einen wesentlichen Fortschritt für die Jugendsozialarbeit. Dort ist ein umfassendes Beratungsangebot garantiert und man muss dafür nicht mehr ins Rathaus. Wir können auch Probenräume für die Musikschule (Bandarbeit) oder andere Gruppen anbieten. Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig. Nebenan ist der Skaterpark – eine tolle Achse!

myheimat: Der GenerationenPark feierte in diesem Jahr große Eröffnung. Dieses einzigartige Wohnprojekt lockte auch schon zahlreiche Politiker zur Besichtigung. Wie wichtig ist der GenerationenPark für Königsbrunn?
Fröhlich: Hier wohnen und leben Singles, Paare, Familien, Bürger jeder Herkunft und Religionen, Menschen mit und ohne Handicap in einer funktionierenden Gemeinschaft. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass verschiedene Altersgruppen zusammenleben. So ist dort eine integrative Kinderkrippe untergebracht. Des Weiteren gibt es einen Gemeinschaftsraum, ein Kinderhotel und ein Zimmer zum Anmieten für Gäste. Auch das Car-Sharing läuft bestens. Die Bewohner kommunizieren miteinander, treffen sich regelmäßig und pflegen ein lebendiges Miteinander. Ich bin dem Stadtrat und der GWG sehr dankbar, dass dieses Projekt so schnell umgesetzt werden konnte. Im Juli 2008 wurde im Beisein der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen das Mehrgenerationenhaus als Institution eingeweiht. Für kommendes Frühjahr ist im Generationenpark bereits der zweite Bauabschnitt vorgesehen. Es sollen weitere 30 barrierefreie Wohneinheiten entstehen. Dafür werden 600.000 Euro im städtischen Haushalt 2014 bereit gestellt. Es gibt sogar schon Überlegungen für einen dritten Bauabschnitt.

myheimat: Nach all den politischen Gesprächsgegenständen noch eine private Frage zum Abschluss. Als Bürgermeister treffen Sie im Lauf eines Jahres viele interessante Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Welche Begegnung hat Sie persönlich im abgelaufenen Jahr am meisten beeindruckt?
Fröhlich: Politiker aller Fraktionen besuchten den Generationenpark. Unter anderem waren Christine Haderthauer, Florian Pronold und Thomas Hacker zu Besuch. Die bayerische Sozialministerin schrieb ins Gästebuch des Generationenparks: „Ein überragendes Konzept, das mit so viel Leben erfüllt ist!“ So etwas freut einen natürlich. In besonders netter Erinnerung bleibt mir auch ein Gespräch mit Claudia Roth.

Interview: Redaktion, Bilder: Stadt Königsbrunn
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin königsbrunner | Erschienen am 19.12.2013
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