Führungsverhalten im 21. Jahrhundert

Augsburg: Augsburg-Land | Vor zwanzig Jahren war es weitaus weniger notwendig, dass Führungskräfte ihr Verhalten reflektieren. Das hat sich gravierend geändert. Heute sehen die Mitarbeiter, wen sie vor sich haben, ob derjenige glaub- und vertrauenswürdig ist oder nicht. Insbesondere der Wert “Vertrauen” gewinnt für den Mitarbeiter an Bedeutung. Aber was bedeutet „Vertrauen“ für Führungskräfte in Bezug auf die Führung ihrer Mitarbeiter in einem Arbeitsleben, das immer mehr an Beständigkeit und Sicherheit verliert?

Betrachten wir die augenblickliche Führung in Unternehmen, können wir feststellen, dass es dort unterschiedliches Führungsverhalten gibt. Ich möchte hier jedoch nicht auf die Vielzahl von in Managementbüchern beschriebenen Führungsstilen eingehen, sondern zwei Sichtweisen beleuchten und beschreiben.

Der „Surfer“


Führungskräfte, die Surfern gleich, sich jeweils auf die Welle begeben, die ihnen den größtmöglichen Erfolg (welcher Art auch immer) verspricht. Sie wechseln ihre Ansichten, Meinungen, passen ihr Verhalten situativ an. Erfolg, Macht, Anerkennung, Status sind oftmals Motive, von denen diese Menschen getrieben werden. Diese Führungskräfte lassen sich nicht so leicht einordnen, sie entgleiten immer wieder, drehen und wenden sich, wie es ihnen gerade passt, täuschen und taktieren und ziehen nicht selten einen Schleier über ihre eigentlichen Ziele. Dies erschwert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und wirkt sich auf allen Ebenen aus. Es entsteht ein Klima der Verunsicherung, Angst, des Frustes, des mangelndenden Vertrauens bis hin zu einer ablehnenden Haltung gegenüber dieser Person. Den gewünschten Respekt holen sich diese Führungskräfte über dominierendes und nicht selten lautes Auftreten. Oft schmücken sie sich mit den Erfolgen, die eigentlich anderen zustehen würden.

Die Mitarbeiterebene


Motivierte und engagierte Mitarbeiter bringen ihre Energie und Vitalität ins Unternehmen. Sie suchen sich (Vor-)Bilder , deren Wertehaltung ihrer eigenen entspricht. Finden Sie diese nicht, ergibt sich ein meist unbewusster Wertekonflikt, der das Vertrauen in die Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit vernichtet. Mitarbeiter erkennen sehr wohl, ob eine Führungskraft authentisch ist oder ihnen nur etwas vormacht. Führungskräfte sollten berechenbar sein und ihren Mitarbeitern Halt und Orientierung geben. Dies gelingt der Führungskraft nur, wenn Vertrauen in seine Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit besteht. Wer als Führungskraft von einer Welle zur andern surft und nur die Befriedigung der eigenen Interessen im Blick hat … wer soll demjenigen folgen und warum?

Authentizität


Was Mitarbeiter brauchen sind Führungskräfte, die glaubwürdig sind. Keine Sprücheklopfer und Trittbrettfahrer, keine Egomanen und „Ich bin hier der Chef-“Typen“ sondern Vorbilder, die man anfassen , auf die man bauen kann, von denen man weiß, dass sie für einen da sind, wenn man sie braucht, die hinter einem stehen, die offen sind und für die Ehrlichkeit kein Fremdwort ist. Die Lebendigkeit (Vitalität) und Leistungsfähigkeit eines Teams, hängt entscheidend davon ab, wie wohl sich diese fühlen, wie sehr sie eingebettet sind in einer vertrauensvollen Beziehung zu ihrer Führungskraft, den Kollegen im Team und dem Unternehmen. Die sich im globalen Wettbewerb auflösende Beständigkeit benötigt Beständigkeit und Orientierung in der Führung. Nur so lassen sich Mitarbeiter auf Neues ein. Widerstände (Ängste, Befürchtungen) müssen transparent gemacht, offen kommuniziert und gelöst werden. Ein vitales Team entwickelt neue Ideen und schafft die nötigen Innovationen, die das Unternehmen braucht, um im Wettbewerb zu bestehen.

Identität entsteht nur über Vertrauen

Je mehr die „alten“ (in ihrer Entwicklung stehen gebliebenen) Führungskräfte durch reflektierende, offene und Identität stiftende Führungskräfte ersetzt werden, umso eher wird es wirtschaftlich wieder zu neuen Entwicklungen kommen. Für die reflektierende Führungskraft bedeutet dies jedoch: Sie muss zunächst alle Ressourcen aufbringen, um die eigene Identität zu entdecken, zu entwickeln und ihre gewonnene Authentizität bewahren.


Führung durch Reflexion


Woran erkennen Führungskräfte, dass sie auf dem richtigen Weg sind? Meist daran, dass sie sich immer wieder im Zwiespalt fühlen zwischen dem, wie sie wirklich – aus einer inneren Haltung heraus – entscheiden würden, und dem, was sie glauben, dass von ihnen erwartet wird. Diesen Zwiespalt lösen sie nur auf, indem sie Klarheit darüber schaffen, was sie wollen und vor allem – welchen Weg sie dafür einschlagen müssen und können. Je klarer sie wissen, wo es lang gehen soll, je authentischer die Führungskraft ist, umso mehr stehen die Mitarbeiter hinter der Vision und sind auch bereit, unangenehme Wege zu gehen. Der Surfer bleibt allein, wenn ihm die Kraft ausgeht. Er hat niemals echte, wirkliche Freundschaft aufgebaut. Ihm fehlt Richtung und Sinn, er schrumpft in seiner Entwicklung. Er wird immer an der Oberfläche schwimmen – und irgendwann nicht mehr gebraucht.

Die reflektierende Führungskraft mit ihrer Fähigkeit zur inneren Selbstbeobachtung ist bereit zum persönlichen Wachstum. Sie betrachtet das Leben mit Neugier, mit Interesse. Ganz entscheidend: Sie bezieht ihr Umfeld in den Entwicklungsprozess mit ein. In dem Maße, in dem sie sich weiter entwickelt, fördert sie auch ihr Umfeld. Sie nimmt eine Situation nicht einfach nur hin und versucht sie auf einer eindimensionalen Ebene zu lösen. Sie dringt in das Geschehen ein, beschreibt und erforscht es. Sie klärt und betrachtet nicht nur das, was zunächst nur äußerlich wahrnehmbar ist, sondern stellt die Frage nach dem „warum“?
Die Gründe für eine bestimmte Handlung, Verhaltensweise werden analysiert. Die eigene körperliche und psychische Befindlichkeit wird in den Reflexionsprozess mit einbezogen. Warum habe ich so reagiert wie ich reagiert habe? Was ist geschehen, dass der andere so reagiert hat? Was ist zu ändern bei einem nächsten Mal? Durch die Reflexion soll das Geschehene besser verstanden werden. Wer im dunklen Wald umherirrt und immer am Boden haften bleibt, verirrt sich leicht. Wer aber die Fähigkeit besitzt, immer wieder die Metaebene einzunehmen, findet immer Orientierung.

Die reflektierende Führungskraft lernt ständig neu, sie entwickelt sich weiter – findet zu ihrer ganz persönlichen Identität. Sie spürt ihre Vitalität, ist voller Energie, hat Freude an ihrem Tun und bereitet anderen Freude. Sie sieht sich nicht als Einzelgänger sondern weiß, dass ein Team immer stärker ist. Sie hat Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, in die der andern und strahlt dies auch aus.


by Hannelore Fritz
fritz!COACHING Apr 30, 2012
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Kornelia Lück aus Zeitz | 04.02.2015 | 06:29  
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