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Schlechter Bahnreisen auf der Main-Weser-Bahn

Reisezeit von Kirchhain nach Stadtallendorf im Berufsverkehr
 
Reisezeit von Frankfurt/West nach Stadtallendorf im Berufsverkehr (mit Fernverkehrsnutzung)
Bahnbenutzer in Stadtallendorf und den Nachbarstädten haben ein Problem: Immer weniger Züge halten nachmittags am Bahnhof, und statt eines guten Angebots an schnellen Regionalexpress-Verbindungen gibt es fast nur noch Bummelzüge. Wie dadurch die Reisezeiten zunehmen, soll grafisch veranschaulicht werden. Zum Schluss bleibt noch ein Blick auf die gegenläufige Entwicklung auf der Straße.

Reisezeiten als Grafik
Für zwei ausgewählte Verbindungen zeigen Grafiken, wie sich die Reisezeiten für Pendler aus Stadtallendorf im Laufe der Zeit verschlechtert haben. In den Diagrammen ist dargstellt, wie lange es nach Ankunft am Abfahrtsort dauert, bis man am Zielbahnhof ist. Die Reisezeit setzt sich zusammen aus der Fahrtzeit des nächsten Zuges und der Wartezeit bis zur Abfahrt. Wer den Fahrplan gelesen hat und zeitlich flexibel ist, kommt natürlich kurz vor der Abfahrt eines Zuges, um sich die Wartezeit zu sparen. Aber nicht jeder hat diese Möglichkeit: Wenn der Chef vorgibt, wann Feierabend ist, dann ist man auf ausreichend häufige Verbindungen angewiesen, um nicht zu lange am Bahnhof abzuhängen.
Bei den Diagrammen wurden auf der waagerechten Achse die Abfahrtszeiten aufgetragen und auf der senkrechten Achse die Reisezeiten. Dabei ergibt sich jeweils eine Linie in Sägezahnform: Immer dann, wenn gerade ein Zug weggefahren ist, ist die Wartezeit und damit auch die Reisezeit relativ hoch. Mit jeder Minute nimmt die Wartezeit ab bis zur Abfahrt des nächsten Zuges. Nach dessen Abfahrt steigt die Reisezeit wieder sprunghaft an.
An der Anzahl der Zacken kann man also die Anzahl der zur Verfügung stehenden Zugverbindungen ablesen. Die Zahl der Züge sagt jedoch nichts darüber aus, wie schnell man zum Ziel kommt, da auch die Fahrtzeit der Züge und die Verteilung über den Tag eine wichtige Rolle spielen. An der Höhe einer Zacke kann man ablesen, wieviel ein Zug für eine möglichst gute Reisezeit bringt. Besser als das Zählen der Züge ist es aber, die Flächen unter den Linien zu vergleichen: Je geringer, desto besser ist das Gesamtangebot.

Reisezeiten von Frankfurt und Kirchhain nach Stadtallendorf
In den Diagrammen sind die Reisezeiten vom Frankfurter Westbahnhof und von Kirchhain nach Stadtallendorf dargestellt. An den eingezeichneten Linien lässt sich ablesen, wie lange es nach Ankunft am Abfahrtsort dauert, bis man am Zielbahnhof ist.
Bei der Reisezeit ab Westbahnhof sieht man sofort, dass das Zugangebot im Jahr 1997 (rote Linie) fast immer die beste Reisezeit bietet. Im Jahr 2010 (blau) ist man zu den meisten Zeiten am schlechtesten dran. Während man 1997 selten mehr als zwei Stunden bis zum Ziel benötigte, müssen sich 2010 viele Pendler mit Reisezeiten von zwei bis zweieinhalb Stunden abfinden. Bei den zugrunde gelegten Verbindungen wurden auch Fernverkehrszüge berücksichtigt, für welche seit 2003 ein Aufpreis zu zahlen ist.
Bei Fahrten von Kirchhain nach Stadtallendorf spielt die reine Fahrtzeit von etwa fünf Minuten keine große Rolle. Die meiste Zeit verbringt man damit, auf den Zug zu warten. Wie man jedoch trotz verschobener Abfahrtszeiten erkennen kann, kommt man seit 2007 nicht mehr so schnell weg wie vorher. Dadurch kann selbst das Fahrrad mit der Bahn konkurrieren: Wenn man die Strecke in 25 Minuten schafft, ist man in etwa 50% aller Fälle mit dem Rad früher da als beim Warten auf den nächsten Zug.

Entwicklung des Zugangebots
Die im Laufe der Jahre länger gewordenen Reisezeiten sind die Folge verschiedener Zugstreichungen. In einem Jahr wurde eine RegionalBahn gestrichen, und einer der RegionalExpresse musste als Ersatz alle Halte zwischen Gießen und Marburg bedienen und wurde entsprechend langsamer. Ein anderer Zug wurde später gestrichen.
Die Einführung des Mittelhessen-Express Ende 2006 brachte zwar mehr Verbindungen zwischen Treysa und Frankfurt (sogar ohne Nutzung teurer IC-Züge), aber zu den stark nachgefragten Nachmittagszeiten wurden gleich zwei schnelle Verbindungen gestrichen. 2010 entfällt ein weiterer beliebter Nachmittagszug, und jeder zweite Mittelhessen-Express wird durch eine ungünstigere Verbindung ersetzt.

Besser auf der Straße
Während das Angebot für Reisende auf der Main-Weser-Bahn zusammengestrichen wird, wird parallel dazu das Straßennetz ausgebaut. Durch aufwändige Baumaßnahmen wird Marburg gerade über eine schnelle Kraftverkehrsstraße an das Autobahnnetz bei Gießen angebunden. Im Ebsdorfergrund sorgen zahlreiche neue Ortsumgehungen für eine zügige Fahrt von Kirchhain Richtung Gießen. Auch die Straßenverbindung Stadtallendorf - Kirchhain - Marburg ist gut ausgebaut. Der von verschiedenen Politikern gewünschte Bau der Autobahn A49 wird zwar den Weg der Stadtallendorfer in ein ruhiges Stück Wald deutlich verlängern, aber die Fahrtzeiten Richtung Gießen und Kassel noch einmal verkürzen.


Fazit
In Stadtallendorf wird gerade viel Geld in einen Ausbau des Bahnhofs investiert. Für neue Parkplätze soll ein Teil des Bahnhofs abgerissen werden. Bei einem schlechten Bahnangebot gibt es jedoch kein Grund mehr, am Bahnhof zu parken - da fährt man besser gleich mit dem Auto zum Ziel. Das kann dann sogar trotz Stau im Feierabendverkehr günstiger sein. Wenn sich die Politiker aus der Region nicht kräftiger für ein besseren Zugangebot einsetzen, wie man es auf anderen Strecken findet, dann sind Investitionen in Bahnhofsanlagen für die Katz.

Links
Fahrplanvorschau 2010
Fahrplanwechsel am 14.12.2008
Weniger Zugverbindungen durch verschobenen InterCity
Mehr Fernverkehr auf der Main-Weser-Bahn?
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2 Kommentare
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Walter Munyak aus Stadtallendorf | 05.10.2009 | 22:27  
11.207
Sören-Helge Zaschke aus Stadtallendorf | 05.10.2009 | 22:52  
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