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Ednas Weg! Ein Rotary Jugendprojekt in Malawi

Der Projektleiter Dr. Kurt Wengenroth vom Rotary Club Marburg zusammen mit Edna bei einem Besuch in Malawi Afrika (Foto: Dr. Kurt Wengenroth für Rotary Club Marburg)
 
Edna hat den Abschluß geschafft! (Foto: Dr. Kurt Wengenroth für Rotary Club Marburg)
 
Ausbildung im Don Bosco Youth Technical Institute in Malawis Hauptstadt Lilongwe (Foto: Dr. Christa Blank für Rotary Club Marburg)

In die wirtschaftliche Unabhängigkeit mit der Jugendförderung des Rotary Clubs Marburg in Malawi.  Der Club ermöglicht jährlich fünf Schulabgängern eine dreijährige Berufsausbildung. Edna machte den Anfang, vor wenigen Tagen feierte  sie ihren 27. Geburtstag. Ihr geht es heute gut, dabei sah es bei ihrer Geburt nicht danach aus.


Sie wurde  als eines von sieben Kindern ihrer alleinerziehenden Mutter in einer Hütte in einem kleinen Dorf in Malawi in Südostafrika, ca. 30 km von der Hauptstadt Lilongwe entfernt geboren - nahezu die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes, wirtschaftlich unabhängiges Frauenleben.

Die Volkswirtschaft von Malawi gehört zu den ärmsten der Welt, die Mehrheit der Bevölkerung lebt in Armut, die wenigsten Frauen haben eine Ausbildung. Auch nach einer gesetzlichen Heraufsetzung des Ehefähigkeitsalters weist Malawi immer noch weltweit einen der höchsten Anteile verheirateter Mädchen unter 18 Jahren auf.

Durch die finanzielle Not der meist kinderreichen Familien werden die Mädchen von ihren Eltern zur Entlastung des Familienetats zur frühen Heirat gedrängt. Damit ist das Leben der Frauen mit dem Gebären von Kindern - Verhütungsmittel gibt es kaum - sowie mit der Betreuung und Versorgung der Familie vorgegeben.

Genauso war es auch Edna´s Mutter ergangen; aber sie hatte den festen Willen, ihrer Tochter ein anderes Leben zu ermöglichen. Edna besuchte mit gutem Erfolg zunächst die in Malawi kostenlose Grundschule. Wegen ihrer Leistungen wurde sie für die weiterführende Schule ausgewählt. Die kostete allerdings Geld. Ednas Mutter schaffte es anfangs, das Schulgeld von umgerechnet 50,- € pro Schuljahr aufzubringen. Sie sparte sich das Geld vom Munde ab: mit Feldarbeit und dem Verkauf von allem, was sich irgendwie verkaufen ließ. In den Schulferien half auch Edna bei der Mais oder Erdnussernte mit.

Trotz aller Anstrengungen drohte Edna 2009 dann aber der Schulverweis, denn ihre Mutter konnte das Schulgeld nicht mehr vollständig aufbringen.

Mit Hilfe von Spendengeldern einer Schulklasse aus  Dresden gelang es, die weitere Finanzierung des Schulbesuchs sicherzustellen. Sie hatten von einem Schulprojekt der St. Paulusgemeinde in Dresden gehört, das sich zum Ziel gesetzt hat, Waisenkindern in Malawi, vorzugsweise Mädchen,  den Besuch der Sekundarschule  zu ermöglichen. Durch dieses Projekt mit dem Namen "Dein Kind ist mein Kind" war der ersehnte Besuch der Sekundarschule  für Edna realisiert. Sie schaffte 2010 den Abschluss als Klassenbeste.

Leider brachte der gute Schulabschluss für Edna nicht den gewünschten Einstieg ins Berufsleben. So kehrte sie in ihr Dorf zurück und half ihrer Mutter wieder beim Maisanbau. Waren alle finanziellen Opfer und Mühen ihrer Mutter umsonst, die Spenden vertan und ein Lebensweg vorgezeichnet, wie sie ihn gerade nicht wollte ? Edna hatte das Gefühl, versagt zu haben, und alle Menschen, die ihr geholfen und sie unterstützt hatten, enttäuscht zu haben.

Aber dann kam der Sommer 2014. Das Projekt "Dein Kind ist mein Kind" oder in der Landessprache "Mwana wa Mzako" wurde mittlerweile auch vom Rotary Club Marburg unterstützt. Zum besseren Verständnis der Gegebenheiten vor Ort reiste der Projektleiter Rotarier Kurt Wengenroth mit seiner Ehefrau Marina und Mitgliedern der Dresdener St. Paulus Gemeinde nach Malawi. Dabei wurde auch ein Treffen mit Edna in ihrem Dorf arrangiert, um mit dem Dorfältesten und auch mit Edna die weiteren Möglichkeiten zu besprechen. Ednas Weg sollte doch noch nicht zu Ende sein. Über das mittlerweile in Malawi geknüpfte Netzwerk konnte für Edna eine geeignete weiterführende Schule gefunden und durch den RC Marburg auch die Finanzierung gesichert werden. Vor allem gelang es, Edna Mut zu machen und ihr wieder Selbstwertgefühl und Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu vermitteln.

Edna machte sich wieder auf den Weg zur Ausbildung als Netzwerkadministratorin an der renommierten Schule des Don Bosco Youth Institute, die von Katholischen Kirche gegründet wurde. Sie befindet sich ca. 30 km von ihrem Dorf entfernt. Edna bekam einen der begehrten Campusplätze. In der Schule mit ca. 600 Schülern werden nicht nur IT-Spezialisten, sondern auch qualifizierte Handwerker, wie Schreiner, Maurer, Elektriker und Mädchen besonders in Berufen wie z.B. Köchin, Schneiderin, Mitarbeiter in der Gastronomie ausgebildet. Dies sind alles Berufe, die das arme Land händeringend benötigt. Die Don Bosco Stiftung verfolgt damit das Ziel, dass die Fachkräfte vor Ort für eine Verbesserung der Lebens- und Wirtschaftsbedingungen sorgen, und damit eine effektive Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht wird.

Die Schule vermittelt aber auch das nötige Selbstwertgefühl und die Fähigkeit zur Teambildung. Durch das Internats- und Schulleben wird soziale Kompetenz und Wertigkeit von "hard work and honesty" vermittelt. Damit werden Defizite einer uns fremden Sozialisierung ausgeglichen.

Edna fand sich auf Anhieb in dieser neuen Umgebung zurecht, so dass der Rotary Club Marburg entschied, diesen Weg der Förderung auch für andere Schulabgänger zu ermöglichen. Mittlerweile wird jährlich fünf Schulabgängern die drei Jahre dauernde Berufsausbildung ermöglicht.

Edna hat nunmehr die Schule in 2017 als Netzwerkadministratorin mit Auszeichnung abgeschlossen und ist in ihrem Beruf tätig. Sie unterstützt ihre Familie und ist stolz, dass sie ihren Weg geschafft hat und selbstbestimmt leben kann. Dankbar ist sie natürlich für die finanzielle Unterstützung aus Marburg, vor allem aber auch, dass es Menschen gab, die an sie geglaubt haben. Menschen, die ihre Wurzeln und ihre Sozialisation in Wertschätzung respektiert und ihr den Weg geebnet haben, mit ihrer Erfahrung und ihrer erworbenen Lebenstüchtigkeit den Menschen vor Ort weiterzuhelfen und an einer Verbesserung der Lebensbedingungen mitwirken zu können.

Und sie weiß jetzt: "Aufgeben ist das letzte, was man/frau sich leisten darf".

Quelle dieses Beitrags:
Gisela Falk Pressebeauftragte RC Marburg
Kurt Wengenroth Jugenddienstbeauftragter RC Marburg

www.rc-marburg.de
https://www.st-paulus-dresden.de/gemeindeleben/mal...
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