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VILLA RUSTICA in Peiting

  Peiting: Villa Rustica |  

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der antiken römischen Siedlungskultur in Bayern zählt unter anderem auch die in Peiting (Kreis Schongau (Oberbayern) aufgefundenen Siedlungsreste eines römischen Landgutes – einer sogenannten Villa Rustica. Entdeckt wurde dies bei Bauarbeiten an der heutigen Bundesstrasse B17 Weilheim - Füssen. Das Gelände lag unmittelbar an der ehemaligen römischen Verbindungsstraße der Via Claudia Augusta, die von Trento (Italien) über den Brenner nach Füssen, zur damaligen Provinzhauptstadt der römischen Alpenregion - Augusta Vindelicorum (Augsburg) und weiter zum Donaulimes führte.

1956 wurde das Areal auf dem Feld eines Landwirtes, der seinen Fluracker einebnen wollte, durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege untersucht. Bei eingeleiteten Notgrabungen durch den Archäologen Winfried Titze findet man Mauerreste eines Wohn- und Badegebäudes. Gemäß Untersuchungen zählt diese Peitinger Villa Rustica zu den größten Anlagen dieser Art in Süddeutschland (ca. 2,5 Hektar, das entspricht in etwa der Größe von drei Fußballfeldern). Beispiele u.a. bei (Kohlhunden/Marktoberdorf, sowie der Römervilla in Schwangau/Füssen. Die untersuchten Gebäudereste lassen auf eine Architekturstruktur eines Atriumshauses schließen, d.h. um einen überdachten und Innenhof schließen sich Wohn- und Wirtschaftsgebäude, die auf dem Gelände von einer Steinmauer umgeben waren.

Der bislang restaurierte Komplex eines „Badehauses“ in den Jahren 2000 - 2004, wurde unter Einsatz des lokalen Fördervereins Villa Rustica e.V. Peiting, unter einen überdachten Schutz-Glasbau gestellt. Hier kann sich der einheimische als auch ausländische Besucher, die ehemalige Struktur der verschiedenen Funktionsräume durch freigelegte Flächen, als auch via Schautafeln mit Textbeschreibung, (auch englisch/französisch/italienisch) ein plastisches Bild der damaligen räumlichen Funktionsweise verschaffen. Ergänzt wird dies durch in Glasvitrinen zur Schau gestellten Fundstücke, Baufragmenten, Wandmalereien, sowie Werkzeugen, Tongeschirr und Alltagsgegenständen. Besonders sticht hier ein aufgefundenes Objekt hervor, 2 Bleitafeln – auf denen ein Liebeszauber eines römischen Bürgers namens „Clemens“ zugunsten einer Frau – „Gemella“ eingraviert wurde.

Ergänzt wird diese Information durch einen um das Schutzgebäude herum kunstvoll angelegten Küchen- und Heil-/Kräutergarten, der die Vielfalt der damaligen römischen Küche und deren Verwendung dargestellt wird. Hierzu zählen an die 75 verschiedene Pflanzen, die die Römer in unsere Gegend gebracht bzw. für die Gartenkultur veredelt haben. Getreidesorten wie Einkorn, Emmer, Nacktweizen und Dinkel, verschiedenes Gemüse wie Fenchel, Spargel, Linsen, Erbsen, Kohl und Mangold, die Heil- und Küchenkräuter Thymian, Melisse, Weinraute und Rosmarin sowie Gehölze und Obstbäume wie Holunder, Weißdorn, Kirsche, Pflaume und Walnuss. Ein Weinstock erinnert daran, dass die Römer in der Gegend um Peiting sogar Wein angebaut haben. Nicht zufällig heißt ein benachbarter Weiler Weinland

Diese teilweise restaurierte Anlage (Badehaus) liegt am Ortsrand von Peiting, kurz vor der AB Auffahrt zur B17, auf einem Feldstrasse von Peiting nach Kreut. Das Museum ist nicht ständig besetzt, der Besucher hat aber jederzeit die Möglichkeit zur Besichtigung anhand der Schutzverglasung mit selbsterklärenden Schautafeln. In der Sommersaison werden zusätzlich zwischen Mai und Oktober an Samstagen zwischen 14.00 bis 16:00 Uhr an einer Führung (außer bei nasskalter Witterung) angeboten. Zusätzliche Buchungen von Besuchergruppen, sowie Schulklassen sind auch über des Touristbüro in Peiting möglich.

gez. Alfred Platschka
(www.lechrain-geschichte.de)

Weblinks:
https://www.villarustica-peiting.de/
https://www.alpenrand-in-roemerhand.de/alpenrand_in_roemerhand.html
https://www.myheimat.de/marktoberdorf/kultur/weinfest-im-roemerbad-marktoberdorf-d2640670.html
https://www.myheimat.de/bernbeuren/kultur/alpenrand-in-roemerhand-d2508345.html
http://www.lechrain-geschichte.de
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 15.07.2020 | 17:34  
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