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"Ganzheitlicher Modernisierungsschub für unsere Stadt"

Erster Bürgermeister Richard Greiner (Foto: Marcus Merk)
 
Auf dem Schuster-Areal entstehen 62 Wohnungen, das Geschäftshaus soll 2022 fertiggestellt werden (Foto: Stadt Neusäß)
 
Im Bienenpark wohnen inzwischen drei Bienenvölker (Foto: Stadt Neusäß)
 
Im Gewerbegebiet Neusäß-Mitte entstehen moderne Bürogebäude in Holz-Hybrid-Bauweise (Foto: Stadt Neusäß)

Im Interview mit Neusäß' erstem Bürgermeister Richard Greiner

Die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen in Neusäß ist enorm. Laut Augsburger Allgemeine sind in diesem Jahr bereits bis Mitte April fast 80 Bauanträge eingegangen (im ganzen letzten Jahr waren es 200). Wie will die Stadt diese Entwicklung steuern?
Zunächst sind wir froh, dass sich unsere Stadt in einer attraktiven Wachstumsregion befindet. Dadurch eröffnen sich Möglichkeiten und Chancen, die andere Regionen nicht haben. Gleichzeitig stellt es uns als Stadt natürlich auch vor die Herausforderung, das Wachstum der Stadt nachhaltig zu lenken.
Mit der Verabschiedung des neuen Flächennutzungsplanes im Jahr 2019 sind wir bei diesem Thema einen großen Schritt vorangekommen. Zudem arbeiten wir eng mit Planungs- und Beratungsbüros zusammen, um die Entwicklung und Gestaltung einzelner Quartiere bedarfsorientiert zu gestalten. Bei Nachverdichtungsprojekten kommen im Entscheidungsprozess sogenannte Einfügungsstudien zum Einsatz, die modellhaft aufzeigen, wie sich die geplanten Bauvorhaben in die Umgebung einfügen.

Auf der Industriebrache des Sailerareals entstand im letzten Jahr ein neues Wohnviertel. Direkt an dieses anschließend wird nun auch das Schuster-Areal neu bebaut. Wie viele neue Wohnhäuser will Neusäß mit der Neubebauung des Schuster-Areals zur Verfügung stellen?

Auf dem Schuster-Areal werden insgesamt sieben Wohnhäuser entstehen. Zum einen drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 62 Wohnungen und Tiefgarage an der Fliederstraße, drei weitere Wohnblocks entlang der Bahntrasse und an der Hauptstraße wird ein Gebäude für geförderten Wohnungsbau gebaut. Das Geschäftshaus soll bereits im Frühjahr 2022 fertig gestellt werden.

Was ist auf dem Schuster-Areal neben Wohnhäusern außerdem geplant?

Der Bebauungsplan Nr. 107 sieht einen Mix aus zentralem Wohnen, Büronutzungen, medizinischer Dienstleistung, einem attraktiven Café mit Freiflächenbewirtschaftung, Grün- und Spielflächen, Fußwegeverbindungen zwischen Nelken- und Hauptstraße sowie eine Wegeverbindung zum Sailer-Areal Richtung Klinik-Campus vor. Unter anderem wegen Corona ist im Moment leider der Hotelneubau etwas ins Stocken geraten.

Auch auf der gegenüberliegenden Seite des Schuster-Areals in Richtung Ägidiuspark gibt es Ideen für einen Neubau. Können Sie hier schon etwas konkreter werden?

Hier geht es im Wesentlichen um das Eiscafé „Tutti frutti“, das nach dem Willen der Eigentümerin in einen zeitgemäßen Zustand gebracht werden soll. Nachdem auch die angrenzende Bankfiliale signalisiert hat, darüber nachzudenken, ihr Gebäude zu erneuern, sehr ich hier die Chance, die Akteure zusammenzubringen, Synergien zu bilden und einen Mehrwert für diesen Bereich zu schaffen, etwa in Form einer gemeinsamen Tiefgaragenlösung. Dazu führen wir gerade die notwendigen Gespräche.

Das entspricht übrigens auch der Kernaussage meines Kommunalwahlkampfs: Nicht einfach jeden „wild drauflos bauen“ lassen, sondern, wo immer es geht, die Dinge strukturieren. Und mit jedem Vorhaben immer nach realistischen Möglichkeiten suchen, gleich mehrere Themen klug miteinander zu verknüpfen.

So entsteht nach und nach eine neue Stadtmitte. Warum ist das für Neusäß wichtig?

Weil diese Transformation neue Angebote für Wohnen, Dienstleistung, Gastronomie, Versorgung direkt vor Ort bringt. Weil sie kurze Wege vom Wohn- zum Arbeitsort und den Angeboten des täglichen Bedarfs unterstützt. Weil das auch hilft, lange Autofahrten zu vermeiden und einen Beitrag zum Umweltschutz leistet. Weil dies die Chance bietet, mit der städtebaulichen Entwicklung auch die Modernisierung von Neusäß im gleichen Zug voranzubringen – denken Sie z. B. an die Erschließung der Stadtmitte mit emissionsfreier Fernwärme. Ohne die Altlastensanierung im Bereich Sailer-Areal, den neuen Beethovenpark und die Entwicklung des Schuster-Areals wäre das nicht möglich gewesen! So verknüpfen wir Altlastensanierung, Stadtentwicklung, neues Wohnen für Jung und Alt, kurze Wege zur Arbeit bzw. zum Nahverkehr und gute Luft im Stadtzentrum zu einem ganzheitlichen Modernisierungsschub für unsere Stadt.

Gleichzeitig steigt auch die Nachfrage bei Schulen. Welche Pläne gibt es hier?

In den letzten Jahren konnten wir bekanntlich alle städtischen Schulen generalsanieren. Für die Grundschule Westheim, die wir jetzt anpacken, hat sich der Stadtrat bekanntlich für einen Neubau entschieden.
Bei den Planungen für die Schulkapazitäten arbeiten wir eng mit dem Landkreis Augsburg zusammen. Dieser hat jüngst eine Bedarfsanalyse für die nächsten Jahre aufgestellt, deren Ergebnisse ich demnächst dem Stadtrat präsentieren möchte. Wie die Bedarfe konkret für Neusäß aussehen, sollten wir anschließend in einem zweiten Schritt sorgfältig analysieren und dementsprechend reagieren.

Aber in Richtung Bildung soll sich in Neusäß noch mehr tun, richtig?

Ja, Neusäß ist jetzt schon mit dem großen Schulzentrum DER Bildungsstandort im Landkreis. Und auch hier stehen größere Veränderungen an: für 2022 ist die Sanierung des Gymnasiums geplant und ab 2025 wird die Realschule erweitert. Und glücklicherweise konnten wir zusammen mit dem Landkreis jetzt auch noch ein einzigartiges Projekt auf den Weg bringen: das Haus der Bildung. Mit diesem Projekt eröffnen sich für die Stadt Neusäß Investitionsperspektiven von rund 100 Millionen Euro, neue Entwicklungsimpulse und der wichtige Standortfaktor „Bildung“ wird noch einmal nachhaltig gestärkt.

Was macht das Haus der Bildung einmalig in Bayern? Welches Konzept steckt dahinter?
Mit dem Haus der Bildung planen Stadt und Landkreis die Vereinigung bedeutender Bildungskompetenzen von Landkreis und Regierungsbezirk Schwaben in Neusäß. So sollen alle Ministerialbeauftragten des Regierungsbezirkes, Bereiche des Schulamtes und der Volkshochschule in Neusäß ihre neue Heimat finden. Diese Konzentration von Entscheidungsträgern aus dem Bildungsbereich ist tatsächlich bayernweit einzigartig. Mit diesem Konzept wird das Profil unserer Stadt weiter geschärft werden und Neusäß zu einem zentralen Ort für Bildungspartnerschaften im Regierungsbezirk werden.

Und welche positiven Wirkungen versprechen Sie sich von diesem Konzept?
Durch die Konzentration der Entscheidungsträger verschiedener Ebenen versprechen wir uns neue Formen der Kommunikation und Synergieeffekte in der Nutzung gemeinsamer Infrastrukturen wie z.B. Besprechungsräume und Fortbildungsmöglichkeiten.
Durch die Ansiedlung der Ministerialbeauftragten erhalten die Neusässer Schulen eine gewisse Sonderstellung in ganz Schwaben, und auch die Nähe zum staatlichen Schulamt bedeutet für die Neusässer Grund- und Mittelschule kurze dienstliche Wege für einen optimalen Zugang zu neuesten pädagogischen Modellen und Entwicklungen sowie ganz generell eine verbesserte Vernetzungsmöglichkeit.
Durch die anstehende Neuorganisation des Schulcampus ergeben sich aber auch neue Impulse für die Stadtentwicklung. Der Erwerb des Grundstückes für das Haus der Bildung verschafft uns die Möglichkeit, den Schulcampus zu erweitern, die verkehrliche Situation neu zu organisieren und für die Schulkinder sicherer zu machen, so dass unter anderem ein Busbahnhof entstehen und die Straßenführung um den Campus herum geführt werden könnte.

Mittel- bis langfristig will Neusäß sich als Gesundheitsstandort aufstellen. Welche Schritte werden derzeit in diese Richtung unternommen?
Erste Anzeichen für eine interessante Zukunftsentwicklung sind auch im Gewerbegebiet Neusäß-Mitte erkennbar, wo ein Beitrag zur weiteren Genese der Stadt als „Gesundheitsstandort“ geleistet wird. Neusäß will bekanntlich langfristig von den Wechselwirkungen zur Uni-Klinik profitieren, topmoderne Forschungs-, Medizin- und Gewerbeansiedlungen unterstützen und die medizinische Versorgung für die Bevölkerung weiter verbessern. So entstehen nach dem Abriss unansehnlicher Flachdachhallen im Bereich Gutenbergstraße in einem ersten Schritt gerade modernste Bürogebäude mit Tiefgaragen in Holzhybridbauweise, in welche ein Teil der medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums Augsburg einziehen wird.

Stichwort Flächenverlust durch Bebauung: Immer wenn eine Grünfläche neu bebaut wird, verschwindet ein Stück freie Landschaft. Das wirkt sich natürlich negativ auf die Umwelt und die Artenvielfalt aus. Gibt es in Neusäß Pläne, den Flächenverlust auszugleichen?

Der Ausgleich bebauter Flächen ist in Bayern ganz klar gesetzlich geregelt und wird in Neusäß selbstverständlich auch umgesetzt. Oftmals erfolgt sogar eine „Überkompensation“, d. h., es werden z. B. mehr Bäume gepflanzt, als notwendig wären. Zudem besitzt die Stadt ein sogenanntes „Ökokonto“ mit Flächen für zukünftige Baugebietsausweisungen.
Viele der Ausgleichsflächen finden sich im Schmuttertal. Hierbei handelt es sich um besonders sensible und schützenswerte Flächen mit einer überaus artenreichen Vielfalt, die mit mehreren Programmen und einem beträchtlichen Aufwand geschützt wird.
Darüber hinaus engagiert sich Neusäß schon seit Jahren im Artenschutz und hat z. B. ein eigenes Blühflächenkonzept erstellen lassen, das in den letzten Jahren konsequent umgesetzt und nach und nach erweitert wurde. Zudem setzen wir mit Projekten wie dem Bienenpark am Weldenbahnradweg oder dem Hörpfad im Lohwald immer stärker auf den Aspekt, Umweltbildung vor Ort für breite Bevölkerungsschichten, Jung und Alt anzubieten.

So grün wie möglich und so dicht wie nötig: Was halten Sie von diesem Motto und wie wird es in Neusäß – insbesondere hinsichtlich des zusätzlich entstehenden Wohnraums – umgesetzt?
Das Motto gefällt mir gut. Eine maßvolle Verdichtung, ansprechende Begrünung und der Erhalt der Lebensqualität sind Kriterien, die bei allen Bauvorhaben berücksichtigt werden - schließlich sollen auch zukünftige Generationen noch „Mitten im Schönen“ leben können.
Der 2019 verabschiedete Flächennutzungsplan legt klar fest, in welchen Gebieten wie und in welchem Maße nachverdichtet werden kann, aber auch, in welchen Gebieten eine Verdichtung ausgeschlossen wird. Der Flächennutzungsplan wurde vom Stadtrat in Zusammenarbeit mit beratenden Stadtplanern mit Weitsicht entwickelt und soll ein ausgewogenes Leitbild für die Stadtentwicklung der nächsten zehn bis zwanzig Jahre sein.

Man sieht: In Neusäß wurden in den letzten Jahren zahlreiche Weichen gestellt, sodass nun viele bauliche Maßnahmen anstehen. Welche Auswirkungen und Effekte erhoffen Sie sich dadurch für die Stadt Neusäß?
Natürlich wollen wir für unsere Bürgerinnen und Bürger nachhaltige Strukturen schaffen, die allen Bedürfnissen gerecht werden und eine hohe Lebensqualität sichern. Hierzu gehören beispielsweise die Entwicklungen der neuen Stadtmitte in Alt-Neusäß, die sorgsame Weiterentwicklung und Pflege unserer Stadtteile, das Haus der Bildung oder der Bau einer neuen Stützpunktfeuerwehr und der Feuerwehr Westheim. Langfristig gesehen werden all diese Projekte auch wieder identitätsstiftend für unsere doch noch recht junge Stadt Neusäß sein.
Bei alledem dürfen wir nie Einzelwünschen hinterher hecheln, die ja manchmal auch lautstark gefordert werden. Das führt zur „Verzettelung“ und hätte die Gefahr, dass wir das Wesentliche aus den Augen verlieren. Wir müssen im Gegenteil immer strategisch einen Schritt voraus denken, um wertvolle Synergien zu bündeln, mit jedem Projekt mehrere Themen zu lösen und damit eine bestmögliche Entwicklung mit konkreten Ergebnissen zu ermöglichen.

Herr Bürgermeister Greiner, vielen Dank für das Interview!
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.AMH04 myheimat neusässer | Erschienen am 05.06.2021
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