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Cartagena

Der "betrunkene" Trompeter sorgt für Stimmung im Castillo San Felipe de Barajas. (c) Michael Stauner
 
Castillo San Felipe de Barajas (c) Michael Stauner

Tag 13, Donnerstag: Cartagena

Cartagena, oh du Metropole mit der schönen, aber auch arg touristischen Altstadt am karibischen Meer. Als unser lokaler Führer Jonas, ein deutscher Auswanderer, die Stadt 1999 erstmals gesehen hat, sah sie noch ganz anders aus. Jetzt entstehen neue Stadtteile mit vielen Hochhäusern – die Bevölkerung nennt diesen Part Miami, obwohl er schon dichter besiedelt sei als das US-Original.

Eine große Rolle spielt San Pedro Claver, in dessen Kloster wir seine Geschichte hören und anhand von Ölgemälden nachvollziehen können. Er hat den Sklaven damals erklärt, wozu sie hier sind, hat sie getauft (wodurch sie menschlicher behandelt wurden) und sich den Spaniern bei zu harter Hand entgegen gestellt.

Anstatt mehr über die Kokos-Keks-Produktion, der eine ganze Straße gewidmet ist zu erfahren, machen wir eine Schoko-Tour, bei der wir unsere eigene Schokolade kredenzen. Meine ist mit viel Chili, Erdnüssen und Kaffeebohnen versehen. Eine Keks-Verkäuferin bietet ihre Produkte übrigens seit 80 Jahren an der selben Stelle unter den Arkaden feil, sie selbst ist inzwischen 99 Jahre alt.

Interessant ist das Castillo de San Felipe de Barajas mit einem cleveren Tunnelsystem, das für gute Belüftung sorgte, die Truppenversorgung ohne Gefahr ermöglichte und durch Schlafnischen für Soldaten im Abstand von einem Meter auch bei etwaigem feindlichen Eindringen eine effiziente Verteidigung ermöglichte. Der „besoffene“ Trompeter im Castillo ist ein Unikat. Er spielt stets ein passendes Lied des Landes der Touris, die er gerade anspricht. Ein Guide kündigt ihn seinen Gästen als „expression of unemployment“ an. Ich finde den Typen spannend. Im Fort müssen wir sogar mal zwangsläufig vor einem „Pare“(Stop)-Schild stehen bleiben, weil ein Kran in Bewegung ist.

Auf eigene Faust erkunde ich den einheimischen Stadtteil Getsemani. Dort trifft zwische mehrheitlich einfachen Leuten jede Prostituierte tagsüber auf sechs bis acht Drogenhändler. Puh, aber die Graffiti an den Wänden sind sehenswert. Cartagena ist sehr karibisch geprägt, enorm schwül, Afrokolumbianer en masse und eine unglaubliche Dichte an wunderschönen, zumeist schwarzen Frauen. Clubschiff Aida legt hier an. Die jungen Männer verdingen sich als Straßenhändler, aufdringlicher als anderswo, oder ziehen eine HipHop/Breakdance-Show ab. Die Wahl der Miss Kolumbien ist hier wichtiger als Präsidentschaftswahlen. Alle Missen, darunter zwei Miss Universe, sind mit ihrem Konterfei nahe des Parque de Bolivar im Boden eingelassen. Man erkennt klar die Kriterien: Zuerst war der Familienname entscheidet für den Sieg, danach optische Merkmale wie die Haarfarbe. Aktuell ist eher der Schönheitschirurg für die Nase relevant für den Titel.

Das Regenwasser fließt in den schiefen Straßen von Cartagena bisweilen schlecht ab. Das Nachtleben der Millionenmetropole spielt sich zumindest für Touristen an der Plaza de los Coches ab. Tanzlokale gibt es kaum. Dafür viele Dealer, Taxifahrer, ein bisschen Polizei und sehr viele leichte Mädchen. Zwischen Bogotá am Anfang der Reise und der Karibikperle Cartagena lagen einige spannende Eindrücke und so unterschiedlich beide Städte sein mögen, so haben sie doch zwei Dinge gemeinsam: Coole Street Art und eine leider „lebendige“ Drogenszene.

Das war's. Hier geht's zu allen Teilen meiner Kolumbien-Reise.
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