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Hainhofen damals
VOLLER TÜCKE UNTER DER BRÜCKE

Am Badsteg ging's drüber und drunter

"Slacklining", das Balancieren auf einer wackligen Leine und "Upskirting", das fiese, heimliche Fotografieren auf Rolltreppen unter den weiblichen Rock, sind zwei dieser unsäglichen Begriffe aus unserer eigenartigen Zeit, in der man ständig neue „Herausforderungen“ sucht bzw. keine Grenzen mehr kennt, um seine Phantasien auf Kosten anderer auszuleben. Obwohl, wenn ich heute so am "Badsteg" an der Schmutter stehe, wo in den letzten Jahren die alte Kastanie gefällt und die Brücke ausgetauscht wurde, fällt mir schlechten Gewissens ein, daß wir als Lausbuben hier durchaus zwei ähnlichen Aktivitäten nachgegangen sind.

Das eiserne Geländer des Stegs war ja geradezu eine stumme Aufforderung an alle übermütigen Lausbuben darauf herumzuklettern. Die ganz kleinen Pimpfe schafften das natürlich noch nicht und es ließ einen in der Rangordnung der Dorfjugend buchstäblich ein Stück höher steigen, wenn man voller Stolz mühelos und affengleich die Balustrade erklimmen konnte. Am Samstagnachmittag dort oben zu sitzen, um die frischen Erdnüsse zu knacken, die man gerade beim „Prima“ gekauft hatte und die Schalen ins Wasser zu schnippen, fühlte sich gut an und kam dem Verhalten unserer affigen Verwandten schon sehr nah. Die Königsdisziplin war aber das Balancieren auf der obersten Schiene des Geländers von einem Ufer zum andern. Das Eisen war zwar relativ breit und alles andere als wacklig, aber weiche Knie durfte man keinesfalls bekommen, denn ein Sturz hinunter in das flache Wasser wäre auch für gute Schwimmer fatal gewesen.

Neben diesem rein sportlichen Balanceakt auf der Brücke darf natürlich unser verwerfliches Tun im Untergeschoß nicht verschwiegen werden, welches nach dem einst gültigen Beichtspiegel unter dem 6. Gebot der Unkeuschheit bußpflichtig zu bekennen war. Unter den klobigen Holzdielen des Badstegs befanden sich damals x-förmige stählerne Streben, die von leichtgewichtigen, spindeldürren Viertklässlern mühelos erklettert werden konnten. Wenn wir kleinen Voyeure nun dicht unter den knarrenden Bohlen lagen, die lüsternen Augen erwartungsvoll durch die Zwischenräume aufwärts gen Himmel gerichtet und just in diesem Moment "zufällig" eine junge Dame von Westheim kommend im luftigen Sommerröckchen über den Steg trippelte, lagen der kurze Blick ins Paradies und der dornige Weg zur Selbstanzeige im Beichtstuhl für ein paar Sekunden quasi direkt nebeneinander.

Der stählerne Unterbau in dieser Form verschwand eines Tages bei einer Renovierung des Badstegs und damit war endgültig Schluß mit dem unzüchtigen Treiben. Vielleicht hatte ja der Herr Pfarrer doch irgendwann vor dem Gemeinderat das Beichtgeheimnis gelüftet und den Umbau zum Schutz der Moral empfohlen? Damit stellte sich die unbeantwortete Frage, ob Hochwürden diesen sündhaften Bruch der priesterlichen Schweigepflicht nicht seinerseits bei einem seiner Amtskollegen oder gar beim Bischof beichten mußte und wie viele Vaterunser und Gegrüßest-seist-Du-Maria er dafür aufgebrummt bekam ...

  • Eines der letzten Bilder des alten Badstegs, bevor er durch eine neue Brücke ersetzt wurde. Man erkennt gut das klettergeeignete Geländer mit den breiten oberen Schienen.
  • hochgeladen von Helmut Weinl
  • Bild 2 / 3
  • Am blickdichten Neuen Badsteg ist heute alles klar geregelt!
  • hochgeladen von Helmut Weinl
  • Bild 3 / 3

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