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Eine Nacht im Einsatz

Nachts im Einsatz
 
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Zum Tag des Ehrenamtes möchte ich den Leserinnen und Lesern hier einen kleinen Einblick in das Leben einer Feuerwehrfrau bei einer kleinen Freiwilligen Feuerwehr irgendwo im südlichen Bayern geben. So oder so ähnlich erleben viele Feuerwehrleute ihre Nächte ...

Der Alarmwecker reißt mich aus dem Schlaf. Ich schrecke hoch. Das laute Piepsen geht durch Mark und Bein. Es ist 02:30 Uhr.

Ich springe sofort aus dem Bett, drücke schnell die Taste zum abschalten des Alarms, ziehe mir die Kleider an, welche auf einem Stuhl im Schlafzimmer schon bereitliegen. Mein Mund ist trocken und mir ist etwas übel vom schnellen aufstehen, aber das bemerke ich eigentlich garnicht. Ich ziehe mir die Jacke über und renne durch das Treppenhaus und aus der Haustür hinüber zum Feuerwehrhaus. Die Kameraden fahren auch schon an.

Eilig begebe ich mich zu meinem Spind , ziehe in Rekordzeit Schutzkleidung, Helm und Stiefel an und klettere in eines der Fahrzeuge. Voll besetzt ist es nicht. Wir haben halt zu wenig Personal. Über den Funk hören wir, dass es auf der Autobahn einen Verkehrsunfall gegeben hat. Menschen brauchen unsere Hilfe. Wir werden das schon schaffen.

Der Fahrer bringt uns zügig zur Unfallstelle

Der Fahrer bringt uns mit Blaulicht und Martinshorn zügig über die immer noch mäßig befahrenen Straßen bis an die Unfallstelle. Ich sehe die verunfallten Autos. Vier sind es. Die Fahrzeuge sind stark beschädigt, teilweise treten Flüssigkeiten aus. Die Polizei und der Rettungsdienst sind noch nicht da. Adrenalin pumpt durch meinen Körper, ich bin wach und bereit für den Einsatz. Wir sind die ersten an der Unfallstelle. 4 Minuten haben wir gebraucht.

Nachdem der Kommandant und die Gruppenführer sich ein Bild von der Lage gemacht haben, weist man uns an, uns vor dem Fahrzeug aufzustellen. Wir steigen aus. Es ist wirklich kalt. Auf der Autobahn ist noch Verkehr, die Autos fahren viel zu schnell an uns vorbei.

Der Gruppenführer verteilt die Aufgaben. Die First Responder kümmern sich um die Verletzten. Ein Trupp macht sich daran, mit Hydraulikschere und Spreizer einen im Auto eingeklemmten Mann zu befreien. Der Mann stöhnt, er hat Schmerzen. Die Kameraden geben ihr Bestes und schwitzen unter der Last der schweren Geräte.

Andere von uns kümmern sich um die weiteren Unfallbeteiligten. Die meisten sind zum Glück unverletzt, haben aber Angst und sind verstört. Wir kümmern ums um sie. Wir reden, wir achten darauf, dass sich keiner in Gefahr bringt, wir sind da.

Ganz hinten stehe ich. Verkehrsabsicherung. Ich und ein paar Kameradinnen und Kameraden sorgen dafür, dass den anderen nichts passiert. Wir stellen Leitkegel auf und Sicherungsleuchten. Die Autos rasen dicht an uns vorbei. Oft spüre ich den Sog des vorbeifahrenden Autos. Und arbeite weiter. Es beginnt zu regnen.

Drei Stunden in Kälte und Regen

Drei Stunden stehen wir auf der Autobahn bis alle Verletzten und Beteiligten abtransportiert sind, die Einsatzstelle geräumt und gereinigt wurde und wir unsere Verkehrssicherung wieder abgebaut haben. Meine Finger und mein Gesicht sind eiskalt. Ich bin durchnässt, Wasser tropft von meinem Helm in meinen Nacken. Als wir abrücken blicke ich in müde Gesichter. Alle sind erschöpft und nass. Aber auch zufrieden, weil wir heute ein paar Menschen helfen konnten. Keiner ist gestorben. Auch alle Kameraden fahren vollzählig und heil wieder ins Gerätehaus. Es war ein guter Einsatz.  

Zurück im Feuerwehrhaus machen wir uns daran, alles aufzuräumen, verbrauchtes Material aufzufüllen und die gröbsten Verschmutzungen an Geräten zu entfernen. Bis alles wieder einsatzbereit ist. Erst dann ziehen wir uns um. Unser Kommandant fragt, ob es allen gut geht. Alle sind ok. Er ist zufrieden und lobt uns.

Ich laufe die paar Schritte nach Hause. Bin müde und gleichzeitig sehr sehr wach. Mir ist kalt. Ich bin stolz auf mich und meine Kameraden. Ich überlege was ich hätte besser machen können. Ich sehe nochmal die Gesichter der Beteiligten vor mir. Hoffe das es allen bald wieder gut geht.
Mir wird klar dass ich um 06:30 Uhr wieder in die Arbeit fahren sollte... es ist 5:40 Uhr.

Ich machen mir einen Kaffee und bin mir sicher: morgen werde ich wieder losrennen wenn der Alarmwecker schrillt. Weil ich es gern tue. Für die Kameraden und für jeden einzelnen der unsere Hilfe braucht. Das ist Ehrenamt!

Ein riesengroßes Danke an alle Feuerwehrleute, Rettungsdienste, THW-Angehörige, Notärzte, Notseelsorger und alle andren, die ihre Freizeit und ihren Schlaf opfern, um anderen zu Helfen. Ihr habt nicht nur heute sondern immer Respekt und Verständnis verdient!

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