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Interview mit Bürgermeister Dr. Higl (mit Video)

Bürgermeister von Meitingen: Dr. Michael Higl
 
Vorher dozierte Dr. Higl an der Universität Augsburg.
Seit März leitet Bürgermeister Dr. Michael Higl das politische Geschehen von Meitingen. Ein Gespräch mit dem CSU-Politiker über seine Beziehung zu Meitingen, Schulwesen und seinem Hobby Kuchen- und Torten-Backen.

Das Video zum Interview ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem ausführlichen Gespräch



Welche Chancen haben sich seit der Wahl zum Bürgermeister für Sie aufgetan?
Man bekommt die Chance bei einem solchen Amt, sich sehr viel vornehmen und Ideen umsetzen zu können – und muss nicht mehr alles indirekt über Anträge einbringen. Andererseits gibt es auch sehr viele Punkte, bei denen man einen Kurs fortsetzen will.

Wie ist ihre Beziehung zu Meitingen?
Ich bin hier groß geworden, ging hier in den Kindergarten und zur Schule. In Wertingen besuchte ich dann das Gymnasium. Aber mein Wohnort war immer Meitingen. Politisches Engagement war mir immer wichtig. Ich wollte mich im Gemeinderat einbringen und Kommunalpolitik machen. Es war eigentlich nie mein Ziel, Berufspolitiker zu werden. Das habe ich lange offen gelassen.

Haben Sie sich vor ihrer Kandidatur als Bürgermeister mit ihrer Frau abgesprochen?
Das muss man, weil sich das Leben ja auch für die ganze Familie ändert. Ich bin im Durchschnitt fünf Abende in der Woche nicht zu Hause. Da versuche ich meine Familie inzwischen in meinen Terminplan einzubinden und gestalte gemeinsame Frühstücke. Ich muss bewusst Freiräume für die Familie schaffen. Da war es ganz klar, dass meine Familie für die Entscheidung mit einbezogen wurde.

Was fasziniert Sie an der Ökonomie?
Eigentlich hat mich immer alles mit gesellschaftlichen Zusammenhängen interessiert. Die Gesellschaft und was sie zusammenhält. Ich wollte nie konkret in die Betriebswirtschaft rein, sondern mehr in die Wirtschaftspolitik. Darum war das Studium der Volkswirtschaft für mich das Richtige. Das konnte ich mit meinem politischen Engagement gut verknüpfen.

Sie dozierten früher an der Universität Augsburg. Was können Sie einem Studenten heute raten?
Man sollte es nutzen, sich mal länger in was reinzuknien – egal in was für ein Thema. Man sollte sich nicht von Hochschulrankings überrennen lassen und sollte mehr auf sich selber hören. Bei meinen Studenten sind mir die aufgefallen, die irgendwie besonders und nicht ganz stromlinienförmig waren.

Weil Klassen zu wenig Schüler haben, drohte die Schule in Erlingen geschlossen zu werden. Wie bekommt man diese Schwierigkeiten in den Griff?
In Erlingen haben wir die Situation, dass die nächsten Jahrgänge im Durchschnitt zehn Schüler bringen werden. Deswegen war die Angst um die Schule in Erlingen nicht ganz unbegründet. Wir haben viele Gespräche mit Eltern zusammen mit dem Schulrat geführt und haben eine Lösung gefunden bei der die Schule auf jeden Fall erhalten bleibt. Jetzt haben wir ein völlig anderes pädagogisches Konzept, das auch an einer Schule in Hochzoll erfolgreich angewandt wird. Der Schulrat, die Schulleitung und die Eltern sind jetzt soweit das nächstes Jahr in Erlingen jahrgangskombinierte Klassen 1+2 und 3+4 kommen. Der Sinn ist, dass die Großen den Kleinen bei Aufgaben helfen. Damit fördert man vielmehr das Miteinander.

Wo gibt es Handlungsbedarf in Meitingen?
Handlungsbedarf gibt es immer, weil sich unsere Umwelt ganz klar verändert. Die Demografie ändert sich stark: Weniger Kinder, mehr ältere Leute. Damit wird der Handlungsbedarf bezüglich betreuten Wohnens zunehmen. Bei mehr alleinerziehenden Müttern benötigt man auch mehr Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Die B2 hat unseren Ort zerschnitten und uns die letzte Zeit sehr viel Sorgen gemacht. Da entwickelt sich neues Handeln. Es gibt auch bezüglich Arbeitsplätze viel Handlungsbedarf, aber nicht weil da ständig Arbeit liegen geblieben ist, sondern weil sich unsere Welt verändert.

Meitingen bekommt mit Pater Johnson Pathuva einen neuen Pfarrer. Sehen darin Chancen auch für sich als BGM neu anzufangen?
Der neue Pfarrer hat die schwere Aufgabe, dass er gleich zwei Pfarrer ersetzt. Dass aus Herbertshofen und Meitingen dann eine Pfarrereingemeinschaft wird, das wird eine große Aufgabe, die der Pfarrer zu meistern hat. Das ist eine ähnliche Aufgabe wie ich sie habe. Auch mir geht es darum Ortsteile eigenständig zu behandeln, aber auch zusammenzuhalten. Bei dem Zusammenhalt gehen Kirche und Kommune Hand in Hand.

Die Lech-Stahlwerke und die Schlacke sind ein Problem in Meitingen. Wie schätzen Sie eine Lösung ein?
Die Lech-Stahlwerke haben nicht nur ein Schlackeproblem. Bis vor einem halben Jahr wurde es ohne größere Beanstandung im Straßenbau als Ersatz für Kies verwendet. Beim Schlackeeinbau bei der A8 ist ganz offensichtlich was schief gelaufen. Auf jeden Fall haben die Lech-Stahlwerke jetzt ein enormes Problem mit der Entsorgungssicherheit. Meine primäre Diskussion geht um den Lärm vom Werk. Das Werk ist unser zweitwichtigster Arbeitgeber. Wir sehen aber auch die Schutzbedürftigkeit von den Leuten, die hier wohnen und von der Natur. Da stecken wir intensiv in fachlichen Fragen. (zeigt auf mehrere dicke Ordner in seinem Büro) Das Thema Lech-Stahlwerke wird mich die erste Amtsperiode beschäftigen.

Sie backen gerne. Welches ist ihre persönliche Lieblingstorte? Können Sie mir das Rezept verraten?
Die persönliche Lieblingstorte, die mach ich nicht selber. Das ist die Schwarzwälder Kirschtorte meiner Oma. Selber mache ich gerne eine Schokoladen-Trüffel-Torte mit ganz viel Espresso.

Welcher Roman bedeutet Ihnen sehr viel?
„Castellio gegen Calvin“ von Stefan Zweig, weil ich es wie im Buch auch wichtig finde, mich als Bürgermeister in andere Leute rein zu versetzen. Um Konflikte zu lösen, muss man die Gegenseite verstehen.
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3 Kommentare
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Angelika Huber aus München | 12.08.2008 | 13:17  
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Daniel Erlinger aus Diedorf | 12.08.2008 | 13:54  
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Ursula Schriemer aus Greifenberg | 12.08.2008 | 15:53  
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