Anzeige

Historisches zur Jahreswende

  Ilsede: Groß Lafferde | Wenn ein Kalenderjahr zu Ende geht, tauchen Erinnerungen auf, werden Hoffnungen an die Zukunft wach.
Das war und ist bei allen Kulturen der Fall.

In der frühen bäuerlichen Gesellschaft bestimmten weltweit Sommer- und Wintersonnenwende, Regen und Trockenzeiten (Monsunregen, Nilüberschwemmungen) den Zeitpunkt von Aussaat und Ernte. Da diese Zyklen regional unterschiedlich wahrgenommen wurden, gab es unterschiedliche Zeiten für den Jahreswechsel. Darüber hinaus wurden diese Zeiten und Zeitrechnungen durch religiöse Auffassungen geprägt.

Bei den alten Römern begann das Jahr am 1. März.  An diesem Tage wurde im Vesta-Tempel das heilige Feuer entzündet. Die neugewählten Consuln traten ihre einjährige Amtszeit an.
Als die Consuln im Jahre 153 v. Chr. den Beginn ihrer Amtszeit auf den 1. Januar verlegten, wurde daraus der neue Jahresanfang. Es dauerte Jahrhunderte, bis sich diese Neuerung allgemein durchgesetzt hatte. In Deutschland galt noch bis ins 12. Jahrhundert hinein der 25. Dezember als Tag des Jahreswechsels. Aber so genau nahm man das nicht. Es gab dafür keine Notwendigkeit. Erst in der modernen Industriegesellschaft wurde es erforderlich, das Jahr genau zu definieren (Geschäftsjahr, Haushaltsjahr, Rechnungsabschlüsse, Steuerjahr u.ä.)

Mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders (1582) endete das Kalenderjahr am 31.12. DieserTag wurde nach Papst Silvester I.  benannt, der am 31.12.325 verstorben war. Silvester regierte von 314 bis 335, also zur Zeit des berühmten Konzils von Nizcäa (325). Er war Zeitgenosse des christlichen Kaisers Konstantin I.

Stets waren und sind die Jahreswechsel mit viel Lärm verbunden. Früher sollten dadurch böse Geister vertrieben werden.
Die heutigen Feuerwerke bereiten dagegen nur Spass an der Freude. Leider kommt es aus Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit immer weder zu schweren Unfällen mit körperlichen Verstümmelungen.
Zu bedenken ist auch, daß in Deutschland durch die Silvester-Knallerrei in kurzer Zeit soviel Feinstaub in die Luft geblasen wird, wie der Staßenverkehr in zwei Monaten verursacht. Durch Feuerwerksverbote sollen innerstädtische Brände vermieden werden. Aber das ist nicht neu. Schon Herzog Carl I von Braunschweig verbot aus diesem Grunde im Jahre 1750 bei Strafe das Schießen in der Neujahrsnacht.

Silvesterbrauchtum war (nicht nur) im südostniedersächsischen Raum sehr beliebt. So zogen Schulkinder peitscheknallend von Haus zu Haus, wünschten ein fröhliches neues Jahr, Gesundheit und langes leben und alles was zur Lebenserhaltung und Notdurft gehört. Dafür bekamen sie kleine Gaben. Erhielten sie nichts, dann wünschten sie ein schlechtes neues Jahr, hunderttausend Läuse auf einem Haar, ein Kopf voll Schorf und ein Arsch voll Würmer. 

Es zogen auch vermummte Gestalten durch die Dörfer, trieben Possen und Schabernack. Dienstleister (Knechte, Mägde, Hirten, Lehrer mit Schülern, Bäcker- und Schuhmachergesellen, Zeitungsträger und Musikanten gingen von Haus zu Haus um Glück zu wünscnen und durch milde Gaben ihr Einkommen aufzubessern.
Ich erinnere mich noch, dass in den 1950er Jahren der hiesige Nachtwächter Heinrich Schreiber von Haus zu Haus zog, auf seinem Nachtwächterhorn blies, Glückwünsche zum neuen Jahr aussprach und dafür einen kleinen Geldbetrag erhielt.

Schon in der Antike wünschte man sich zum Jahreswechsel viel Glück. Auf alten römischen Münzen ist zu lesen: ANNUM NOVUM FAUSTUM FELICEM TIBI (Das neue Jahr bringe Dir Glück und Segen).

Mit Verbreitung der Druckkunst wurde neben mündlichen Glückwünschen zumehmend Glückwunschkarten verschickt. Die älteste bekannte Glückwunschkarte stammt aus dem Jahre 1483.

Schornsteinfeger sind die bekanntesten Glücksbringer.
Im Mittelalter brachen häufig Brände aus, die sehr oft ganze Dörfer in Schutt und Asche legten. Kaminkehrer reinigten die Schornsteine und beugten auf diese Weise gefährlichen Schornsteinbränden vor. Ihre Tätigkeit bewahrte die Menschen vor gesundheitlichen und materiellen Schäden.  Sie gingen am Neujahrsmorgen durch die Straßen, wünschten Glück und Segen. Auf diese Weise wurden sie zu Glücksbringern.

Das vierblättrige Kleeblatt galt, weil relativ selten, als Glückssymbol.
Marienkäfer sind Himmelsboten der Jungfrau Maria, beschützten Kinder und heilten Kranke. Sie abzuschütteln oder gar zu töten,  sollte Unglück bringen.
Glücksschweine sind sehr begehrt. Sie symbolisieren Fruchtbarkeit und Reichtum. Wer Schwein gehabt hat, hat viel Glück gehabt.

Silvesterbräuche waren das Bleigießen, Apfelschalen über die Schulter werfen (aus deren Lage junge Mädchen die Initialen des zukünftigen Bräutigams deuteten) oder am frühen Morgen an den Hühnerstall klopfen. Antwortete der Hahn zuerst, war das ein Zeichen für baldige Verlobung. Warf man sich Schuhe über die Schulter und zeigten deren Spitzen zur Tür, drohte Arbeitsstellenwechsel.

Glück ist ein flüchtig Ding. Deshalb wurde mit allen möglichen Bräuchen versucht, Unglück zu vermeiden. Die Zeit zwischen 1. Weihnachtstag und dem Dreikönigstag (6.1.) galt ursprünglich als heilig, es waren die Zwölften. Die Nächte wurden auch Rauhnächte genannt (Stichwort: Wilde Jagd).
In dieser Zeit durfte nicht gesponnen werden (weil sonst im nächsten Jahr der Flachs nicht wuchs). Der Mist blieb im Stall (weil sonst der Wolf das Vieh und der Fuchs die Gänse holte). Starb jemand jemand beim Jahrswechsel, so starben im neuen Jahr 13 Menschen des Dorfes.
Es war untersagt zu flicken. Wer es dennoch tat, hatte das ganze Jahr zerrissene Hosen. 
Meine Mutter (*1904 †1994), sie war schon im fortgeschrittenen Alter,  wusch in dieser Zeit keine Wäsche. Wäschewaschen brachte Unglück. Wäscheleinen wurden entfernt, weil sonst die Hexen darauf tanzten.           

Einen Guten Rutsch zu wünschen, hat nichts mit rutschen zu tun. Es gibt zwei Deutungen: Die eine geht auf die jüdischen Worte Rosch ha shan zurück, was soviel bedeutet wie ein guter Jahresanfang. Eine andere Deutung für "rutsch"  ist: gute Fahrt, kurzer Reise, glückliche Reise, angenehmer, etspannter Übergang (ins neue Jahr).

Im neuen Jahr angekommen wünscht man sich gegenseitig Prosit Neujahr. Das lateinische Wort Prosit ins Deutsche übertragen bedeutet "Es möge gelingen" (das neue Jahr).

Alle diese Neujahrswünsche drücken die Hoffnung aus, dass das kommende Jahr Glück bringen möge.


Quellen: Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel und Wikipedia
5
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.