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Kindheitslexikon: Nationalsozialismus/Zweiter Weltkrieg/Rechtsradikalismus

Eine Sammlung loser, nicht zusammenhängender Erinnerungen zu dem Thema aus meiner Kindheit.

Ab dem Jahr 1933 schlug auch in Kölleda die nationalsozialistische Terrorherrschaft um sich. So wird etwa die einzige halbjüdische Bürgerin der Stadt von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Theresienstadt eingeliefert, wo sie auch verstarb. Augenzeugen zufolge geschah die Verhaftung, während besagte Bürgerin im Café Gorek (dem späteren "An- und Verkauf") in der Brückenstraße/Ecke Bahnhofstraße saß.
Groteskes Detail: Laut diesen Augenzeugen zufolge soll die letzte Handlung, die diese Frau im Augenblick ihrer Verhaftung vornahm, die gewesen sein, sich die Schuhe ordentlich zuzubinden. Das war dann das Letzte, was man von ihr gesehen hat …

Mein Großvater erzählte daheim oft, dass er im Zweiten Weltkrieg einen Kriegskameraden gehabt hatte, der den Spitznamen "General Nunne" trug. Dies kam daher, weil sein häufigster Satz lautete: "Un was mach m'r nunne?" ("Und was machen wir nun?")

Der Vater einer Schulfreundin meiner Mutter gab nach dem Krieg gern die Anekdote zum Besten, dass die Flieger in ihren Pausen auf den glühend heißen Tragflächen ihrer Maschinen Eier brieten. Ob es sich hierbei möglicherweise um Fliegerlatein handelt, kann ich aufgrund des Fehlens jeglicher aviatischer Kenntnisse nicht beurteilen.

Mein Urgroßvater Hermann Einecke muss der Beschreibung nach ein ziemlich vierschrötiger Typ gewesen sein, der einfach polternd dazwischen ging, wenn irgendwo etwas passierte, das nicht in sein Rechtsempfinden passte. Die nachfolgende Geschichte hat sich irgendwann zu Beginn der Vierziger Jahre abgespielt. Mein Urgroßvater stand eines Mittags mal mit seinen Arbeitskollegen auf dem Bahnhof der Stadt und wartete auf einen Zug. Auf einem der Gleise stand bereits ein Viehwaggon mit Juden, die in das KZ Buchenwald gebracht werden sollten, welches ganz in unserer Nähe lag. Sie streckten ihre Arme durch die Holzbalken und bettelten um Wasser, weil es glühend heiß war. Die Kollegen von meinem Urgroßvater konnten nicht einmal so schnell geradeaus schauen, wie er schon einen Eimer Wasser in der Hand hatte und ihn über die Gleise tragen wollte. Der Erzählung nach mussten sie ihn zu dritt festhalten, damit er genau das nicht tat, denn sonst hätte er gleich selber mit einsteigen können.

Ein Weltkriegsteilnehmer aus meiner Stadt trug den ironischen Beinamen "Retter von Salzburg". Dies kam daher, weil zu seinen Kriegsanekdoten, denen, vorsichtig ausgedrückt, eher ein unterhalterischer als ein geschichtshistorischer Wert beizumessen ist, unter anderem die Sage gehörte, es sei einzig und allein seinem umsichtigen Handeln als Offizier zu verdanken, dass die Stadt Salzburg bei Kriegsende vor größeren Schäden bewahrt wurde.

Ich kann mich erinnern, ein paar Straßen weiter lebte eine ältere Dame, deren Bruder im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion gefallen war. Bis zu ihrem Lebensende in den Achtziger Jahren lebte sie jedoch in der selbsterschaffenen Illusion, der Bruder sei gar nicht tot, sondern habe in Rußland eine Frau gefunden und mit ihr eine Familie gegründet.
Sie war weder psychisch krank noch geistig behindert, aber der Verlust des Bruders war nicht anders zu ertragen als mit dieser Scheinwelt. Sofern ich weiß, ließ ihr soziales Umfeld sie auch in diesem Glauben. Ich kann mich erinnern, dass mich das als Kind schon sehr erschüttert hatte.

Ein älterer Mann aus unserer Stadt, zu dessen Person keine näheren Angaben gemacht werden sollen, war in jungen Jahren Mitglied der SA. Bis ins hohe Alter hinein lautete sein Standardspruch bei Schlampereien aller Art: "Bei där SA hätt's das näch jägähm!" ("Bei der SA hätt's das nicht gegeben!")
Zuhause zitierten wir diesen Spruch oftmals im Scherz.

In unserer Stadt war es ein offenes Geheimnis, dass eine alte Frau aus Kölleda bis zu ihrem Tod im Jahr 1986 in ihrer Wohnstube ein Hitlerbild hängen hatte. Das ist doch mal echte "Nibelungentreue" zum "Fööööhrär"!

Einige antisemitische Spottverse, die in der Zeit des Nationalsozialismus entstanden und auch in den Jahrzehnten danach flüsternd weitergegeben wurden. Überflüssig zu betonen, dass ich mich vom Inhalt der Gedichte auf das Schärfste und Entschiedenste distanziere und die Veröffentlichung einzig und allein dem Zweck der geschichtshistorischen Dokumentation dient:

"Kinderchen, ihr guten,
geht ja nicht zu den Juden.
Die Juden sind gemein,
die hau'n euch eine rein!"

"Der Teufel soll das Mädchen holen,
das mit dem Jüd intim verkehrt.
Man sollte ihm den Po versohlen,
wenn es nicht deutsche Sitte ehrt.
Ein leuchtend Brandmal auf die Stirne
und einen Stempel 'Judendirne'."

"Der Käsejude Valentin
taucht seinen Käse in Urin!"

"Ein Rassenschänder ist, wie man's auch betrachtet,
ein Mensch, der sein eigenes Blut missachtet.
Er glaubt für sich zwar an der Liebe Gunst,
in Wahrheit er auf seine Familie brunzt."
(Es gab dazu noch mehrere Strophen, die weiß ich allerdings nicht mehr.)

Der Text des nachfolgenden Liedes ist erst nach dem Krieg entstanden. Es handelt sich um eine Verballhornung der ersten Strophe eines neueren deutschen Adventsliedes mit dem Titel "Sind die Lichter angezündet". Text der nichtrassistischen Originalversion: Erika Engel. Melodie: Hans Sandig.
"Sind die Juden angezündet,
Freude zieht ins Deutsche Reich.
Endsiegfreude wird verkündet
ühüber jede neue Leich.
Brenne, Jud, mit hellem Schein,
Judenschwein,
Judenschwein!"

Im selben, krassen Stil:
"Advent, Advent,
ein Jude brennt.
Zuerst ein Arm,
dann ein Bein,
zum Schluss
das ganz Judenschwein."

Ebenso kannte ich die Lampionblume die ganze Kindheit über NUR unter ihrem Volksmundnamen "Judenkirsche". Ich wusste gar nicht, dass die noch einen anderen Namen hatte.

Als Kind wurde ich mal von einem Angehörigen der Weltkriegsgeneration belehrt: "Juden sind solche Leute, die Bänder und Schnürriemen verkaufen und dabei die Leute betrügen!"
Es kam mir allerdings schon als Kind ein wenig Spanisch vor, ob denn der Markt für Bänder und Schürriemen wirklich ein so großer ist, dass derart viele Menschen davon leben können.

Ebenfalls moderneren Ursprungs ist diese geschmacklose Parodie auf das Hofbräuhaus-Lied:
"In München brennt ein Türkenhaus,
zick, zack, Sieg Heil,
da kommt kein Türke lebend raus,
zick, zack, Sieg Heil, …"

Anschließend ein kleiner Glossar zum Thema, der als Nebenprodukt meiner Pressetätigkeit entstanden ist:

"Auch Henker sterben": Film von Regisseur Fritz Lang über die letzten Tage des Reichsprotektors und SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrich, der 1942 in Prag durch ein Bombenattentat tschechischer Widerstandskämpfer ums Leben kam.

"Bis 5 nach 12 – Adolf Hitler und das 3. Reich": 1953 erschienene erste filmische Hitlerbiografie der Nachkriegszeit. Am Tag der Uraufführung wurde die öffentliche Vorführung von Bundesinnenminister Schröder "im Einverständnis mit den Innenministern der Länder" vorübergehend gestoppt, weil der Film besonders im ersten Teil wie eine Verherrlichung des Nationalsozialismus wirkte.

"Bismarck": Deutsches Schlachtschiff, am 24. August 1940 in Dienst gestellt. Bewaffnet mit 8-38-cm-Geschützen als Hauptartillerie, kann das gigantische Schiff Gegner bis auf eine Entfernung von 36,2 Kilometer bekämpfen. Zudem ist das Schiff enorm schnell.
Die "Bismarck" und der Schwere Kreuzer "Prinz Eugen" liegen Anfang Mai 1941 in Gotenhafen. Am 18. Mai erhalten sie den Auslaufbefehl zum Unternehmen "Rheinübung" und verlassen die Ostsee in Richtung Norwegen. Ziel ist, zum Abschneiden des britischen Inselreiches von seiner überseeischen Versorgungsschifffahrt beizutragen.
Bereits nach wenigen Tagen kommt es in der Dänemarkstraße zum Gefecht mit dem britischen Schlachtschiff "Prince of Wales" und dem Schlachtkreuzer "Hood". Die "Hood", sie war damals das größte Schlachtschiff der Welt, wurde wenige Minuten nach Feuereröffnung von der "Bismarck" tödlich getroffen, die "Prince of Wales", kampfunfähig geschossen, drehte ab. Die "Bismarck" und die "Prinz Eugen" stoßen weiter in den Atlantik hinein. Aufgrund dreier Artillerietreffer, die das Schlachtschiff behindern, entschließt sich Flottenchef Admiral Lütjens das Unternehmen mit der "Bismarck" abzubrechen und einen südfranzösischen Hafen anzusteuern. Doch am 26. Mai 1941 wird das Schiff von englischen Trägerflugzeugen angegriffen und durch einen Torpedotreffer in die Ruderanlage manövrierunfähig. Am 27. Mai 1941 sank die "Bismarck" 550 Seemeilen westlich von Brest.

Demjansk: Region südöstlich des Ilmensees. In der so genannten Schlacht im Kessel von Demjansk verteidigten sich 100.000 Wehrmachtssoldaten vier Monate lang gegen die Rote Armee, bis sie im April 1942 von deutschen Truppen befreit wurden. Die Stellungen konnten danach fast noch ein weiteres Jahr gehalten werden.

"Endlösung": Während einer mehrstündigen Reichstagsrede am 30. Januar 1939 machte Hitler bereits Andeutungen über die geplante "Endlösung der Judenfrage": "Ich bin in meinem Leben sehr oft Prophet gewesen und wurde meistens ausgelacht. In der Zeit meines Kampfes um die Macht war es in erster Linie das jüdische Volk, das nur mit Gelächter meine Prophezeiungen hinnahm, ich würde einmal in Deutschland die Führung des Staates und damit des ganzen Volkes übernehmen und dann unter vielen anderen auch das jüdische Problem zur Lösung bringen. Ich glaube, daß dieses damalige schallende Gelächter dem Judentum in Deutschland unterdes wohl schon in der Kehle erstickt ist. Ich will heute wieder ein Prophet sein: Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa."

"Fall Gelb": Mit dem "Fall Gelb" begann am 10. Mai 1940 der Angriff auf Belgien, Luxemburg und die Niederlande. Vier Tage später überschritt General Guderian mit seiner Panzertruppe die Maas und eröffnete damit den Krieg gegen Frankreich. Wie schon in Polen preschte die Wehrmacht unaufhaltsam in nur wenigen Wochen bis nach Paris – das englische Expeditionskorps hatte über Dünkirchen den Kontinent fluchtartig verlassen.

"Feindliche Ausländer": Tausende von in den USA lebenden Deutschen wurden während des Zweiten Weltkrieges vom FBI verhaftet, ins Gefängnis gesteckt, durch halbherzige Anhörungsverfahren geschleust und für die Dauer des Krieges – und teilweise auch darüber hinaus – in Gefangenenlagern interniert.

Frank, Anne: Auf dem Westermarkt in Amsterdam steht ein Denkmal mit einer Anne-Frank-Plastik, geschaffen von dem niederländischen Bildhauer Mari Silverster Andriessen.
Der letzte lebende Verwandte aus ihrer Generation war übrigens der bekannte Schweizer Schauspieler Buddy Elias, gestorben im März 2015.

Göring, Hermann: Am 18. April 1946 äußerte der Nazi-Politiker auf den Nürnberger Prozessen das Folgende: "Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Russland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. (...) Das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land."

Homosexualität:
- Der bis 1934 amtierende SA-Führer Ernst Röhm war für seine Homosexualität bekannt.
- Tagebucheintrag von Josef Goebbels vom 4. März 1944: "Ich trage dem Führer den Fall Serda vor. Ein gewisses Fräulein Serda verführt den jungen Filmnachwuchs zu lesbischer Liebe. Der Führer hat aber keine rechte Lust, in diese Sache einzugreifen. Er ist der Meinung, daß die lesbische Liebe mit der 'männlichen' Homosexualität überhaupt nicht verglichen werden könne. Bei Frauen seien die Grenzen zwischen Liebe und Freundschaft nicht so eng gezogen wie bei Männern, und im übrigen sei die lesbische Liebe im Kriege zum Teil auf den Mangel an Männern zurückzuführen. Wir hätten Hunderttausende von Frauen überschüssig, und deshalb dürfe man in dieser Frage nicht allzu scharf vorgehen."

Judenräte in den Ghettos wurden oftmals gezwungen, Mannschaften für Zwangsarbeitseinsätze selbst zusammenzustellen.

Kindergeld: Das Kindergeld wurde in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus eingeführt. Seit 1936 erhielten Arbeiter- und Angestelltenfamilien, die ein Monatseinkommen unter 185 Reichsmark hatten, ab dem fünften Kind monatlich zehn Reichsmark. Ab 1938 gab es dieses Kindergeld bereits ab dem dritten Kind.

"Königstiger": Der Panzerkampfwagen VI Ausf. B "Tiger II" (Sd. Kfz. 182), "Königstiger" genannt, war ein schwerer Panzer der Wehrmacht und der schwerste jemals im Zweiten Weltkrieg eingesetzte Kampfpanzer. Die inoffizielle Bezeichnung "Königstiger" war eine Wortschöpfung der westalliierten Panzersoldaten, die diesen schweren Panzer als erste als "King Tiger" oder "Royal Tiger" bezeichneten.

Kübelwagen Typ 82: Der als Kübelwagen bezeichnete VW Typ 82 ist ein auf der Plattform des KdF-Wagens aufgebautes Kraftfahrzeug der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. 1938 wurde von der Firma Porsche mit der Weiterentwicklung zu militärischen Zwecken auf Anregung des Heereswaffenamtes begonnen. Der Typ 82 war mit über 50.000 Stück der meistgebaute Typ dieser Wagen.

Lackenbach: Ortschaft im Burgenland. Am 23. November 1940 wurde dort das größte Anhaltelager Nazideutschlands eingerichtet.

Lastensegler Messerschmitt ME 321 Gigant: 1940 in Auftrag gegeben, um im Rahmen des "Unternehmens Seelöwe" Truppen und Kriegsmaterial zu transportieren.

Moskauer Deklaration: In der Moskauer Deklaration vom Oktober 1943 wurde beschlossen, Österreich als freien und unabhängigen Staat wiederherzustellen.

Nazis: Der Begriff existierte in Deutschland schon vor dem Zweiten Weltkrieg und auch schon vor 1933. Nachgewiesenerweise wurde er jedenfalls von Kommunisten und anderen Gegnern der NSDAP schon in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Schimpfwort benutzt, so wie heute auch.
Es existieren auch Zitate von hohen NSDAP-Funktionären, sogar von Hitler selbst, in denen das Wort ebenfalls vorkam. Man hat es wahrscheinlich von den politischen Gegnern übernommen und es einfach vom Schimpfwort in eine Art Ehrentitel umgewandelt, etwa so wie die PDS, nachdem ihre Mitglieder einmal als "rote Socken" bezeichnet worden waren, dann im Wahlkampf rote Socken verteilte.
Später übernahmen dann die Alliierten den Begriff.

"Operation Bagration" war der Deckname für eine groß angelegte Offensive der Roten Armee im Sommer 1944. Für den Angriff auf die Heeresgruppe Mitte hatten die Russen eine gigantische Menge von Kriegsmaterial und 1.700.000 Soldaten bereitgestellt. Der massive Angriff traf die deutsche Heeresgruppe völlig überraschend.

"Prince of Wales": Kriegsschiff der Royal Navy während des Zweiten Weltkrieges. Zweites von fünf Schlachtschiffen der King-George-V-Klasse. Im Februar 1939 wurde sie vom Stapel gelassen und zur Jagd auf die "Bismarck" und die "Prinz Eugen" angesetzt.

Raketenjäger ME 163 Komet: Im Zweiten Weltkrieg eingesetztes Nurflügelflugzeug, welches mit Hilfe eines Raketentriebwerkes in kürzester Zeit auf größte Flughöhe kam. Der Raketenjäger sollte gegnerische Flugzeuge abfangen und so "kriegswichtige" deutsche Industrieanlagen vor alliierten Bombenangriffen schützen. Erprobt wurde die Maschine zuerst in Peenemünde und ab Spätsommer 1943 in Bad Zwischenahn.

Redewendungen: "Innerer Parteitag": Noch zu meiner Zeit oft gebrauchte Formulierung, wenn einem ein bestimmtes Ereignis eine tiefe innere Genugtuung verschafft hat. Ist meinen Informationen nach noch aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Auch sonst lebten in den Jahrzehnten nach dem Weltkrieg im Volksmund einige Sprüche aus dieser Zeit weiter, wie etwa: "Bis zur Vergasung." (Gemeint: Bis zum bitteren Ende.) Oder: "Da ist Polen offen!"/"Da ist Holland in Not!" Beides als Metaphern für dramatische, brenzlige Situationen.
Ein mir überlieferter Kanon, der ebenfalls noch aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt: "Wir ham den Kanal, wir ham den Kanal, wir ham den Kanal, noch lange nicht voll, …"

Reichsparteitag: Die erste Veranstaltung dieser Art fand am 27. Januar 1923 statt.

Röhm, Ernst: Nach der Liquidierung des SA-Führers erklärte Hitler die Reichswehr zum "einzigen Waffenträger des Reiches", was diese ihm am 2. August 1934 mit der Eidesleistung auf die Person des Führers dankte.

Schnürschuh: Wie ich von mehreren Kriegsteilnehmern aus unserer Stadt erfahren habe, wurden aus Österreich beziehungsweise der damaligen "Ostmark" stammende Wehrmachtssoldaten aufgrund einer Besonderheit an ihren Uniformen "Kamerad Schnürschuh" genannt.

"Schwenkittten '45": Autobiografischer Roman Alexander Solschenizyns, in dem er seine Erlebnisse als Soldat während der Schlacht bei Kursk im Sommer 1943 und den Vorstoß nach Ostpreußen im Winter 1945 verarbeitete.

"Vaterland": Roman des britischen Schriftstellers Robert Harris, in dem der Autor schildert, wie Europa aussähe, falls Hitler im Jahre 1964 noch immer an der Macht gewesen wäre.

"Wilhelm Gustloff": Die mit Flüchtlingen überladene "Wilhelm Gustloff" sank im Morgengrauen des 30. Januar 1945 nach drei Torpedotreffern. 10.000 Schiffbrüchige, 5.348 Menschen fanden den Tod.

Zigeuner-Kartothek: 1928 durch das Bundespolizeikommissariat Eisenstadt eingerichtete Datenbank, in der die statistischen Daten inklusive Fingerabdrücke von den im Burgenland lebenden Roma festgehalten wurden. 1938 übergab man die Kartothek dem "Rasse- und Siedlungsamt SS" von Heinrich Himmler, was der Verfolgung und Vernichtung dieser Volksgruppe in Österreich massiv Vorschub leistete.

Zum Schluss ein paar Witze aus dem Dritten Reich:

Bekanntlich äußerte der damalige Reichsmarschall und Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, Hermann Göring, in einer Rundfunkrede bei Kriegsanfang:
"Wenn auch nur ein feindliches Flugzeug unser Reichsgebiet überfliegt, will ich Meier heißen!"
Als dann die ersten Luftangriffe der Alliierten erfolgten, dichtete der Volksmund auf dieses Zitat folgenden Spott-Zweizeiler, welcher mir persönlich von Zeitzeugen überliefert wurde:
"So wahr ich Hermann Meier heiße,
mit meinen 'Vögeln', das war Sch….!"
Eine weitere Verballhornung des Namens Göring im Dritten Reich war "Herr Gering".

* * * *

Was wünscht sich der deutsche Soldat?
Antwort: Die Verpflegung der Amerikaner, die Kleidung der Russen und als Gegner die Italiener!

* * * *

So geschehen 1944: Hitler fährt mit seinem Chauffeur übers Land. Da fährt der Chauffeur plötzlich eine Sau tot. Der Fahrer sagt: "Ich klär das."
Er geht zum Bauern rein. Plötzlich lauter Jubel und Hurra-Geschrei. Was ist passiert?
"Keine Ahnung!"
"Der Fahrer hat zum Bauern gesagt: 'Heil Hitler, das Schwein ist tot!'"

* * * *

In der Endphase des Krieges gab es einen Propaganda-Slogan, welcher lautete: "Räder müssen rollen für den Sieg!"
Der Volksmund machte daraus: "Köpfe werden rollen nach dem Krieg!"

* * * *

Wie soll der deutsche Arier sein?
Blond wie Hitler, groß wie Goebbels, schlank wie Göring.

* * * *

Frage: Was bedeutet eigentlich NSDAP?
Antwort: Na, suchst du auch Pöstchen ...

* * * *

Warum ist Hitler bei der Mofaprüfung durchgefallen?
Als man ihn fragte, wo der Vergaser ist, sagte er: "In Auschwitz!"

* * * *

Weißt du den Unterschied zwischen Hitler und einem Leberkranken?
Der eine ist leberleidend, der andere leider lebend.

* * * *

In den Kriegsmonaten des Jahres 1945 erzählte man sich folgenden Witz: Ganz Berlin ist ein Warenhaus. Da war'n Haus und da war'n Haus …

* * * *

"Gut, dass Hitler nicht Kräuter heißt, sonst müsste man ihn mit 'Heil Kräuter!' grüßen!"

Karl Valentin

* * * *

Der Erste Weltkrieg brach aus, weil man einen Österreicher erschossen hat.
Der Zweite Weltkrieg brach aus, weil man einen Österreicher nicht erschossen hat …

* * * *

Geht im Jahr 1941 ein Jude mit Judenstern auf der Straße entlang. Kommt ein Deutscher und pflaumt ihn an: "Jude?"
"Nein, Sheriff."

* * * *

"Es geht alles vorüber,
es geht alles vorbei.
Erst geht Adolf Hitler
und dann die Partei."

* * * *

Hitler ist bei einer Zigeunerin. Sie prophezeit ihm: "Du wirst an einem jüdischen Feiertag sterben."
Hitler erbleicht: "Und welcher ist das?"
"Jeder Tag, an dem du stirbst, wird ein jüdischer Feiertag sein!"

* * * *
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7 Kommentare
7.440
Barbara S. aus Ebsdorfergrund | 31.05.2017 | 21:12  
3.999
Christoph Altrogge aus Kölleda | 01.06.2017 | 19:58  
36
Conny Brummack aus Naumburg (Saale) | 02.06.2017 | 08:51  
4.637
Romi Romberg aus Berlin | 02.06.2017 | 21:21  
3.999
Christoph Altrogge aus Kölleda | 03.06.2017 | 18:32  
29
Jürgen Reinhardt aus Kölleda | 24.06.2017 | 19:41  
3.999
Christoph Altrogge aus Kölleda | 24.06.2017 | 20:14  
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