Die SPD und K-Frage: Regionalzeitungen berichten ganz unterschiedlich

Ein Thema, zwei unterschiedliche Berichte: Die HAZ und die Nordwest-Zeitung am 15. September über die K-Frage in Niedersachsens SPD.
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  • hochgeladen von Robin Jantos

Im Regionalexpress lag heute morgen eine Nordwest-Zeitung (Oldenburg) auf meinem Platz. Natürlich hatte ich auch meine HAZ dabei. Nun finde ich politische Personaldebatten eigentlich nicht übermäßig spannend. In diesem Fall habe ich die Artikel darüber aber mit großem Interesse gelesen: Denn in der Frage, ob der nächste SPD-Ministerpräsidentenkandidat für Niedersachsen aus dem Nordwesten oder aus Hannover kommt, berichten die Regionalzeitung aus dem Nordwesen und die aus Hannover sehr unterschiedlich.

"In Niedersachsens SPD läuft jetzt alles auf Weil zu" titelt die Hannoversche Allgemeine. Tenor: Nach dem Verzicht von Hubertus Heil auf eine Kandidatur zeichne sich im SPD-Vorstand eine deutliche Mehrheit für Weil ab. Zitiert werden nicht namentlich genannte Sozialdemokraten aus Hannover, dass es gut möglich sei, dass Landeschef Olaf Lies wegen der fehlenden Mehrheit auf eine Kandidatur verzichte und selbst Hannovers OB Stephan Weil vorschlage.

Ganz anders liest sich die Nordwest-Zeitung. "Dramatischer Machtkampf in der SPD" ist der Aufmacher auf der Politikseite überschrieben. Darin geht es im Wesentlichen darum, wie groß die Unterstützung für Lies ist und wie groß der Unmut an der Basis, dass Bundesparteichef Sigmar Gabriel offenbar mit aller Macht eine Mitgliederbefragung verhindern wolle, um Weil durchzusetzen. Auch von Drohungen, den Wahlkampf zu boykottieren, wenn es keine Befragung gebe, und einer Facebook-Gruppe Pro Mitgliederbefragung ist die Rede.

Die Neue Presse (Hannover) steuert noch einen weiteren Aspekt bei, der bei den anderen genannten Zeitungen nicht vorkommt: Nach ihren Informationen wolle Stephan Weil antreten (er selbst hat sich dazu bisher nicht öffentlich geäußert), aber nicht, wenn dafür eine "Casting-Tour" durch die Bezirke (also: ein Mitgliederentscheid) nötig sei. Für diesen Fall rechne sich Lies dagegen gute Chancen aus.

Die Zeitungen haben sehr unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Berichterstattung gesetzt. Wer liegt nun richtig? Noch ist es Kaffeesatzleserei, erst nach der Vorstandssitzung am Freitag soll es offizielle Statements geben.

Ich empfinde diese Berichte aber als schönen Anlass, sich noch einmal bewusst zu machen, dass auch für Journalisten das Sein das Bewusstsein mitbestimmt. Wenn es keine eindeutigen Informationen gibt, ist man als Journalist auf Informanten angewiesen - darauf, etwas "unter der Hand" zu erfahren.

Journalisten aus der Landeshauptstadt sind dort hervorragend verdrahtet und informiert, Journalisten aus Oldenburg in ihrem Kerngebiet. Entsprechend sprechen die Journalisten derzeit mit unterschiedlichen Leuten und bekommen auch unterschiedliche Einschätzungen zu hören. Ein Journalist eines überregionalen Mediums würde vermutlich eher darüber schreiben, was die Bundespolitiker zu diesem Thema denken - weil er dort bessere Kontakte hat. Das sollte man sich immer vor Augen führen, wenn man journalistische Beiträge mit Insiderquellen liest. Egal ob in der Tageszeitung, im Internet oder im Nachrichtenmagazin.

Wie gesagt: Personaldebatten interessieren mich eigentlich nicht besonders. Aber jetzt bin ich schon gespannt, welche der Zeitungen die Zukunft am besten vorhergesagt hat.

Bürgerreporter:in:

Robin Jantos aus Hannover-Mitte

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