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Die Mudzborgh in Misburg war der einzige Rettungsanker für Heinrich der Löwe.

Der Nacht- und Nebel-Ritt des Herzogs Heinrich der Löwe mit Familie und Gefolge durch den unheimlichen Nordwald, um in den sicheren Schutz der Mudzborgh (Misburg) zu gelangen. Der einst so mächtige Fürst, einer der mächtigsten in Europa suchte in der Mudzborgh Schutz und Hilfe!

Als historische Chronisten sind wir heute nach verschiedenen Kriterien und Ansichtspunkten, nach Recherche in vielen Archiven und Annalen der Geschichte, endlich in der Lage zu erklären, wie sich die gefährliche Flucht und die Reise ins Exil der Welfenfamilie, abgespielt hat.

Es war in der Osterzeit, heute vor 836 Jahren, Mittwoch der 24. März 1182, ein denkwürdiger Tag, der in der Geschichte Misburgs in Erinnerung bleiben wird.
Kutschen und Reiter bewegten sich im Eiltempo durch den dichten Nordwald, Geräusche von stampfenden Hufen der Pferde und das Peitschenknallen, klangen in dem unheimlichen und dunklen Waldgebiet. Zwischen Althener und Mudzborgher Holte (Misburger Wald) gab es damals noch einen richtig dichten Wald. Auf einmal war es aus mit der Ruhe in dieser späten Stunde, der Wald wirkte auf einmal ungewöhnlich lebendig. Lodernde Fackeln bewegten sich rasch zwischen den hohen und dicken Bäumen. Vom Pferdegalopp und dem Geräusch der Pferdekutschen wurden die Tiere des Waldes aufgescheucht und ergriffen panikartig die Flucht. Es musste bereits die 19. Stunde gewesen sein, etwa 8,5 Meilen von der Mudzborgh entfernt, als aus der Dunkelheit des Waldes eine berittene Wachmannschaft der Mudzborgh auf die Reisenden stieß und dem Herzog mit seinem Gefolge den Weg versperrte.

Wir möchten an dieser Stelle berichten wie dieses Treffen zwischen dem Herzog und dem Hauptmann Grimoald der Wachmannschaft der Mudzborgh sich in etwa abgespielt hat (siehe Jubiläumsausgabe „1000 Jahre Mudzborgh" von 2015):

„Halt", rief Hauptmann Grimoald der 12 Mann starken Reitereinheit vom Militärwachposten der Mudzborgh „wer seid ihr? und wieso seid ihr zu dieser späten Stunde in so einer großen Eile durch den Mudzborgher Holte im Hildesheimer Gebiet, ohne Ankündigung und Genehmigung unterwegs?" Die Tür der Kutsche ging auf und ein für die Zeit elegant gekleideter Mann stieg aus und sagte mit einer imperativen Stimme: „Ich stelle hier die Fragen, wer seid ihr, der es wagt unsere Reise aufzuhalten, ich verlange eine sofortige und entsprechende Entschuldigung von euch!".

Der Hauptmann merkte gleich, es muss sich hier um eine bedeutende adlige Person handeln, man sollte sich vorsichtig verhalten, da er sich sicher war, es sind keine Räuber und trotz der imperativen Stimme, hatte der Sprachführer ein sehr gutes Benehmen. Grimoald überlegte und dachte, dass er natürlich ein Anrecht hatte zu erfahren, wer sie angehalten hat und antwortete: „Ich bin Hauptmann Grimoald, wir sind ein Wachposten der im Namen des Bistum Hildesheim und des Kastellan der Mudzborgh, Dietrich I. von Alethen, die Grenzen und Wege des Gau Astfala gegen feindliche Eindringlinge schützt. Wir brauchen uns nicht zu entschuldigen, andererseits verlange ich von euch Auskunft weshalb ihr durch unser Schutzgebiet ohne unsere Zustimmung reist?“

Es geht gleich weiter mit dem Bericht, aber an dieser Stelle möchten wir kurz über Mathilde, die Tochter des englischen Königs Henry II. von Plantagenet schreiben. Sie war eine tapfere Frau und eine große Stütze für ihren Gatten sowie eine gute Mutter für ihre Kinder.

Mathilde von Plantagenet ist um 1156 in Windsor Castle geboren und am 28. Juli 1189 in Braunschweig gestorben. Sie war die Tochter von Henry II. von Plantagenet, König von England mit Eleonore von Aquitanien. Im Alter von 11 Jahren wurde sie mit dem 30 Jahre älteren Heinrich der Löwe am 1. Februar 1168, im Dom von Minden, vermählt. Es war die zweite Ehe des Herzogs, er wurde im Jahr 1162 von seiner ersten Frau Clementia von Zähringen, geschieden.

Diese Scheidung wurde nur aus politischen Gründen vom deutschen Kaiser verlangt, er wollte unbedingt bessere Verhältnisse zur englischen Krone schaffen. Man konnte sagen, dieses kam auch dem Herzog Heinrich der Löwe entgegen, denn damit konnte er auch in die hohe Adelsgesellschaft in Europa integriert werden und seine momentane finanzielle Lage gewaltig verbessern. Es war eine Vermählung im Interesse des Kaisers und der englischen Krone. Heinrich der Löwe brachte es zu mehr wachsendem Ansehen. Der Kern dieser Heirat war für Heinrich ein gewaltiges steigendes Prestige. Die große Mitgift, die Mathilde in die Ehe brachte, findet heute noch Erwähnung, da dieses einen großen finanziellen Zuwachs bedeutete. Es ermöglichte auch die Reise von Heinrich der Löwe im Jahr 1172 ins Heilige Land.

Die Mitgift, die aus vielen Truhen und über 20 Säcke betrug, ist zusammen mit der Hochzeitsdelegation, der auch Mutter Eleonore von Aquitanien angehörte, auf drei Schiffen geladen worden, die in Richtung der Normandie segelten.

Wir wollen diese wichtige Heirat noch einmal definieren: Diese Heirat mit der noch minderjährigen Mathilde, machte Heinrich der Löwe zu einem der reichsten Fürsten des Abendlandes. Er wurde der Schwiegersohn des Königs eines großen anglonormannischen Reiches, dadurch wuchs sein Ansehen in seiner Stellung eines deutschen Fürsten hinaus.
Das war in der Epoche des Siegers Heinrich der Löwe, es war sein Höhepunkt in der Geschichte und das bedeute damals Machtgewinn, Prestigezuwachs, finanzielle Vorteile und die Einheirat in eines der angesehensten Königshäuser Europas.

Mathilde, die Herzogin von Sachsen und Bayern, war etwa 15 Jahre alt, als ihr Gemahl Heinrich ins heilige Land pilgerte. Sie musste die Regierungsgeschäfte des Herzogtum leiten, dadurch hatte sie einen politischen Anteil an der Regierung und trug wesentlich zu den Plänen ihres Gatten bei, aus Braunschweig eine fast königliche Residenz zu machen. Sie intervenierte auch im Jahr 1173 beim Papst Alexander III. für die Heiligsprechung von Thomas Becket, sie war ihm sehr verbunden, dadurch trug der Braunschweiger Dom das Patronat des heilig gesprochenen Thomas Becket. Mathilde machte aus Braunschweig eine anerkannte Kulturstadt. Auf Mathildes Initiative schuf der Pfaffe Konrad die erste deutschsprachige Version des französischen Epos des „Rolandliedes", das in der Burg Dankwarderode erstmalig vorgestellt wurde.

Mathilde brachte fünf lebende Kinder zur Welt:

- Tochter Richenza-Mathilde etwa 1172-1208
- Heinrich V., der ältere von Braunschweig 1173-1227
- Lothar etwa 1174-1190
- Otto IV. von Braunschweig etwa 1175-1218, er wurde dänischer/deutscher König und Kaiser des heiligen römischen Reiches.
- Wilhelm etwa 1184-1213, er wurde Herzog von Lüneburg.

Über ihren jüngsten Sohn, ist Mathilde Plantagenet die Stamm-Mutter aller späteren Welfen. Sie war eine schöne und intelligente Frau, sie verstarb 36-jährig am 28. Juni 1189. Ihr Grab ist im Braunschweiger Dom, neben ihrem Ehegatten Heinrich der Löwe, der am 6. August 1195 starb.

Die Stellung der Frau im Mittelalter.

Die Stellung der Frau im Mittelalter in der Gesellschaft war damals sehr schlecht. Den adligen Frauen ging es etwas besser, da sie lesen und schreiben gelernt hatten und waren somit viel besser gebildet. Sie waren für ihre analphabeten Ehemänner sehr wichtig. Männer waren in Waffen, Jagen und in der Kriegskunst gut, aber im Schreiben und lesen ganz schlecht. Die adligen Frauen hatten mehr Studium und wurden öfters Äbtissin in Klöstern und sie erreichten damit großes Ansehen. Im Bürgertum war die Stellung der Frau viel schwieriger. Mit 18 Jahren bereits volljährig, die Frauen die noch ledig oder verwitwet waren galten als Selbständig. Damals erbten immer in erster Linie die Männer, so waren die Frauen natürlich gezwungen sich neu zu verheiraten, um besser finanziell darzustehen und sich besser und geschützt in der Gesellschaft zu finden. Im Falle, dass eine Frau geerbt hatte, musste sie sich schnell wieder vermählen um ihr Erbe zu schützen.

Frauen, die im Mittelalter etwas selbständiger waren (was den Männern gar nicht gefiel), ernteten viel Hass bei der männlichen Bevölkerung, da nach der damaligen patriarchalischen Gesellschaft, die meisten Frauen den Männern unterstellt waren, sie hatten als Weib zu gehorchen. Leider wurde diese Rolle damals auch von der Kirche unterstützt. In vielen Fällen wurden Frauen, die etwas unabhängig sein wollten, als Hexen verfolgt, man unterstellte ihnen, sie hätten ein Bund mit dem Teufel eingegangen und so sind leider viele unschuldige Frauen auf dem Scheiterhaufen gelandet.

Die Rolle und Stellung der Frau in der Zeit von Kaiser Friedrich I. Barbarossa:

1. Die Frau ist Eigentum des Mannes.
2. Dem Vater oder dem Vormund ist es gestattet, seine Tochter zu verehelichen oder sogar zu verkaufen.
3. Die Frau ist von allen Öffentlichkeiten ausgeschlossen.
4. Die Frau darf bei Gerichtsverhandlungen nicht persönlich erscheinen.

Zurück zu jenem merkwürdigen Tag zu Ostern, dem 24. März 1182, als die Wachmannschaft von Hauptmann Grimoald auf die Eindringlingen im Mudzborgher Holte traf :

„Ich bin Hauptmann Grimoald, wir sind ein Wachposten der in Namen des Bistum Hildesheim und dem Kastellan der Mudzborgh, die Wege und Grenzen des Gau Astfala gegen feindliche Eindringlinge, schützt. Wir brauchen uns nicht zu entschuldigen, anderseits verlange ich auch von euch Auskunft weshalb ihr durch unser Schutzgebiet ohne unsere Zustimmung reist.“

„Oh, das trifft sich gut, dorthin zur Mudzborgh sind wir unterwegs, um meinen guten Freund Ritter Dietrich von Alethen (der damalige Kastellan der Mudzborgh) zu besuchen, ich bin der Herzog von Sachsen und Bayern, und möchte Dietrich, der mir als treuer Kämpfer in vielen Schlachten zur Seite gestanden hat, unbedingt sprechen.“

„Edelster Herr und Herzog aller Sachsen, verzeihen sie bitte meinen gewagten Auftritt, den ich als bescheidender Wachmann nur im Dienst des Kastellan der Mudzborgh und auf Befehl ausgeführt habe.“

„Ist schon in Ordnung, ihr habt euren aufgetragenen Befehl tadellos ausgeführt und das ist eure Pflicht, jetzt wisst ihr wer ich bin und nun macht den Weg für die Weiterreise frei.“

„Edelster Herr, gebt uns die Ehre und lasst euch bis zur Mudzborgh begleiten, Dietrich würde uns nicht verzeihen wenn euch im Gebiet der Mudzborgh etwas passieren sollte.Wir fühlen uns verpflichtet, für eure Sicherheit zu sorgen und aus diesem Grund bitten wir mit Demut euch Geleit zu leisten.“

„Dann lasst uns sofort gemeinsam den Weg fortführen, wir sind bereits seit drei Tagesmärschen unterwegs und wollen in der Mudzborgh sein, bevor die Dunkelheit das Mudzborgher Holte bedeckt, wir müssen uns dort unbedingt ausruhen.“

Hauptmann Grimoald, schickte sofort einen Reiter mit der Botschaft als Vorboten zur Mudzborgh, damit Dietrich von Alethen (von Alten) sich auf den Besuch zu später Stunde vorbereiten konnte und gemeinsam führten sie die Reise Richtung der Mudzborgh fort. Es wurde immer dunkler, der Mond schien zwischen die Bäume des Waldes, das Licht reflektierte an den Stellen, wo sich Wasser am Rande des Weges angesammelt hatte und durch die vielen Fackeln war es noch möglich den vom Dunst der Abenddämmerung bedeckten Weg in dem gefährlichen sumpfigen Gelände, zu erkennen.

Dieser Bericht, geschrieben vom Historiker und Chronisten Juan Carlos Blanco Varela mit der Unterstützung des Chronisten und Publizisten Wolfgang Illmer. Beide sind Mudzborgh-Ritter der Bruderschaft der Mudzborgh. Diese Bruderschaft möchte die umfangreiche und schöne Geschichte Misburgs erhalten und an unsere Nachkommen weitergeben.

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1 Kommentar

Herzlichen Dank für den wie immer sehr spannenden Bericht !

„Christos anestis!“ - „Surrexit Dominus vere, Alleluja!”
Eine frohe und gesegnete Osterzeit
Romi

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